umgezogen

Vor anderthalb Monaten sind wir umgezogen. Ein paar Gedanken zum Thema Umziehen mit der Familie (genauer: Umziehen mit einem Ein- und einem Dreieinhalbjährigen) möchte ich festhalten.

umzugWir haben immer wieder überlegt, wie das für die beiden Jungs wohl ist: umziehen. Wobei es im Grunde mehr um das Hannover-Kind ging (der kleine Wuppertaler ist einfach zu klein, um das zu realisieren). Und es war für ihn wohl einfacher als ich es angenommen hatte. Ich glaube, die Zeit vorher war für ihn schlimmer. Weil er nicht wusste, was das heißt, umzuziehen. Sobald wir umgezogen sind, war ja alles wieder einigermaßen klar. Bei mir ist es umgekehrt: Vorher war ich zu beschäftigt, um mir groß Gedanken zu machen, jetzt bin ich am Vergleichen und Überlegen.

Die wichtigste Erkenntnis für mich ist: Für die Kinder ist Zuhause dort, wo wir sind. Das ist eigentlich ein sehr beruhigender Gedanke. Und mir fiel wieder ein, dass es für den Hannoverjungen oft wichtig ist, sich zu vergewissern, dass wir alle da sind: Seit dem es in seinem Leben einen kleinen Bruder gibt, müssen wir immer mal wieder „durchzählen“: Sind wir auch alle da, alle Vier? Dann ist es gut. Wo wir Vier sind, ist es richtig. Wo das ist, ist nicht so erheblich.

Natürlich vermisst er seine alten Kindergarten-Freunde (und den alten Kindergarten), aber er geht jetzt halt in einen neuen Kindergarten. Der ist leider nicht so toll wie der alte (und das merkt er auch), aber jetzt gibt es eben einen neuen. Er ackert schon ganz schön, sich in all dem Neuen einzufinden, aber es steht eben nicht zur Debatte, zurück in den alten Kindergarten zu gehen. Das sind Gedanken, die ich habe, nicht er: Wie wäre das, wenn wir nicht ungezogen wären? Hätten wir doch dort wohnen bleiben sollen? Haben wir einen Fehler gemacht? Wie kriegen wir es hin, dass das Neue dem Alten nicht nachsteht? Das sind meine Fragen, nicht seine. Wenn ihr nicht werdet, wie die Kinder, könnt ihr das Himmerlreich nicht erlangen.

Interessant war auch, dass das Umziehen selbst etwas Positives war. Weil es aufregend war. Da kamen zwei LKWs – ja, unser Zeugs passt nicht in einen LKW – und drei Männer, die alles verladen haben. Alles ganz spannend. (Wir sind mittlerweile in einem Alter, in dem man Umzüge professionell machen lässt. Erstens zahlt es der Arbeitgeber der Frau, zweitens sind die Freunde auch schon alle so alt, dass die Hälfte Rücken hat und drittens haben unsere Freunde keine Lust, zwei ganze LKWs zu bepacken, denn Umzüge machen nur als Studenten Spaß, Mettbrötchen hin oder her). Das zweite Highlight neben den LKWs war das Einschlagpapier – ein wunderbarers Spielzeug. Was ist schon Lego gegen Zimmer voll mit Papierbergen, in die man sich hineinwerfen kann?

P1080074Vor dem Umzug habe ich nach einem schönen Ritual für den Tag des Umzugs gesucht. Da ich nichts gefunden hatte, habe ich mir dann selbst eins ausgedacht: Wir gingen noch einmal in jedes leere Zimmer und haben kurz gesagt, was wir dort immer gemacht haben. Dann haben wir eine Kerze angezündet und in die Mitte des Raums gestellt. Danach haben wir noch eine Runde durch die Zimmer gemacht, die Kerzen wieder ausgepustet und eingesammelt und im Kinderzimmer der neuen Wohnung dann auf der Fensterbank aufgestellt. Ich fand (und finde) das eine sehr schöne Idee. Nur: Erforderlich war es wohl nicht. Denn das LKWs Be- und Entladen war das eigentliche Ritual.

Advertisements

2 Kommentare zu „umgezogen“

  1. Das ist ja ein wunderbares Ritual! Und… schön ist die Erkenntnis, dass es nicht nötig war! Zum Glück steht mir kein Umzug bevor (ich hasse sowas!), aber wenn, dann würde ich an dieses schöne unnötige Ritual denken. (Dass Christen sich auch gern Rituale einfallen lassen, wusste ich gar nicht!)
    Ich hoffe, ihr habt euch inzwischen gut eingelebt!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s