spirituell downshiften

Das Sommerloch ist eine „Dazwischen-Zeit“ (ähnlich wie die Zeit „Zwischen den Jahren“, nur deutlich länger) und ich mag diese Zeit sehr. Das Kirchenjahr hat dafür nur die einfallslose Bezeichnung „festlose Zeit“ übrig. Das verkennt ein bisschen, dass die Sommerzeit eine spirituell wichtige Aufgabe hat: reifen & ruhen. Eine gute Zeit, um über die eigenen spirituellen Formen nachzudenken – und eben besonders über deren Reifen, nicht übers Säen oder Ernten.

Drei Formen sind es bei mir. Und bei allen Dreien geht’s darum, spirituell downzushiften:

  • Das Herzensgebet ist meine Gebetsform geworden. Verändert hat sich, dass ich mich von der Langform getrennt habe (sie wurde bei mir einfach zu leierig), übrig geblieben ist Christus, erbarme dich. Manchmal auch Christus, erbarme dich meiner oder Christus, erbarme dich, für… Verändert hat sich bei mir auch, dass ich mittlerweile kaum noch nachzuvollziehen kann, mehr Worte zu machen. Vor einiger Zeit ist mir ein Büchlein mit durchaus poetisch formulierten Gebeten in die Hände gefallen und ich habe dabei gemerkt, wie fremd mir die Wortemacherei bei Gebeten geworden ist…
  • Ich habe eine kurze Form der (Bibel-)Lektüre gesucht. Losungen sind nicht so meins, Bibellesepläne schon gar nicht. Und um in die Geschichten einzutauchen – sie sind für mich das Schönste und Wertvollste an der Bibel – brauche ich vor allem die Szenerie, weniger den Text. Jetzt bin ich auf eine schöne und (für mich) praktikable Art des Bibellesens gestoßen: Ich lese einfach am laufenden Band das Markus-Evangelium. Mögtlichst jeden Tag, aber ohne Pensum. Mal nur ein Vers, mal ein Kapitel, gerade so, wie es kommt. Und wenn ich durch bin, wieder von vorn. Ohne mir den Anspruch aufzuerlegen, die anderen biblischen Bücher auch lesend würdigen zu müssen. Auf die Idee bin ich durch eine Regel der Communität Koinonia gekommen (in deren Haus in Heidelberg ich vor etlichen Jahren einmal für ein paar Monate als Studi gewohnt habe): Die Communitätsmitglieder sind gehalten, fortwährend das Matthäus-Evangelium zu lesen, einmal durch in 14 Tagen. Ich übernehme diese Idee, löse mich aber von der Pensumsvorgabe und statt Matthäus ist es Markus. Warum Markus? Es ist das älteste und von seiner Art her irgendwie auch „archaischste“ Evangelium.
  • Ich habe immer viel an theologischer Literatur gelesen. Auch hier lohnt sich ein Downshiften. Denn Bücherstapel sind ja auch nichts anderes als To-Do-Listen. Nun will ich mir ein paar wenige Bücher heraussuchen und diese erstmal aufbrauchen, pardon: auslesen. Das geht in die gleiche Richtung wie vergessene Lebensmittel aufzubrauchen. Und um auch hier gleich jeglichem Leseanspruch vorzubauen, mache ich das so: ein, zwei wirkliche Perlen kommen an einen besonderen Platz und ich lese darin, was mich gerade interessiert bzw. was mir gerade zufällt. Lineares Lesen wird eh überbewertet (wunderbar ist in diesem Zusammenhang auch Marshall McLuhans sehr relaxter Umgang mit dem Lesen von Fachbüchern). Ich markiere einfach, was ich bereits gelesen habe, aber ich muss nicht an der Stelle fortsetzen. Das Buch kann einfach liegen und ruhen und es werden keine weiteren daruntergeschoben.

Alles drei ist im Laufe der Zeit gereift und passt wunderbar zum Sommer. Und darüber hinaus.

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1 Kommentar zu „spirituell downshiften“

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