Drei Wurzeln

Hier ist der zweite Beitrag in meiner was mir (als Vater) wichtig ist-Reihe.

Wichtig ist mir ein guter Kontakt zu den eigenen biografischen Wurzeln. Vielleicht ist das ein Thema, das in der zweiten Lebenshälfte (erst? wieder?) seine ganze Bedeutung entfaltet. Aber gerade deshalb finde ich es wichtig, hierauf ein paar Gedanken zu verschwenden.

Durch Friedrich Assländer bin ich auf einen Gedanken von Thich Nath Hanh aufmerksam geworden, der drei biografische Wurzeln unterscheidet: die biologische, die spirituelle und die geografische:

Thich Nath Hanh, einer der bedeutendsten Zenlehrer der Gegenwart, erwähnte in einem Vortrag […] dass unser Menschsein an drei Wurzeln hängt, der biologischen Wurzel, der geographischen und der spirituellen. Mir wurde durch diese Bemerkung bewusst, dass die Elemente „Heimat“, „Spiritualität“ und „Ahnenreihe“, die ich schon lange in Aufstellungen einsetze, eng zusammengehören. Sie sind unsere drei entscheidenden Wurzeln, von denen wesentliich das Gelingen unseres Leben abhängt. […] Es zeigte sich immer wieder, ohne gute Verbindung zu allen drei Quellen ist Erfolg und Lebensglück schwer möglich“ (Friedrich Assländer: Die Kraft der drei Wurzeln“, Systemische AufstellungsPraxis, H. 1, 2007, 24-26, S. 24)

Ich finde diese drei Wurzeln sehr einleuchtend, wäre selbst aber gar nicht auf dieses „Gesamtpaket“ gekommen (…und es mag sein, dass es auch noch weitere wichtige Wurzeln gibt). Alle drei geben verschiedene Antworten auf die Fragen: Wo komme ich her? Wo gehöre ich hin? Und später vielleicht einmal: Wovon will ich mich abgrenzen? Die Bedeutung dieser Wurzeln zeigt sich sicherlich in besonderer Weise dann, wenn der Zugang zu ihnen auf dramatische Weise verschüttet ist: zum Beispiel durch Flucht und Vertreibung oder durch die Unkenntnis, von wem man abstammt.

Mich interessiert vor allem, inwiefern diese drei Dimensionen im Familienleben überhaupt eine bewusste Rolle spielen. Welche praktischen Ideen gibt es, um diese Wurzeln im Familienalltag stärker zur Geltung komen zu lassen?

Ein paar fragmentarische Stichpunkte will ich kurz nennen:

Spirituelle Wurzel

Dass mir die spirituellen Wurzeln wichtig sind, wird wohl nicht verwundern. Zum Thema religiöse Erziehung folgen hier im Blog noch eigene Beiträge, gerade dazu will ich den Blog ja auch nutzen. Und ich muss gestehen: Auch wenn wir beide als Eltern ja „vom Fach“ sind, merke ich recht deutlich, wie anspruchsvoll die Sache mit der religiösen Erziehung ist. Ich glaube, hier gibt es auch bei den Eltern, denen dies wichtig ist, mehr Unsicherheit als Sicherheit. Ein paar Ideen werde ich im Laufe der Zeit noch beisteuern.

Geografische Wurzel

Wir sind bisher zwei mal umgezogen. Zwar immer innerhalb der Norddeutschen Tiefebene (Funfact: Die Kölner Bucht zählt dazu!), aber ich stelle mir schon die Frage, ob Köln jetzt die Heimat der beiden Jungs ist bzw. wird. Und ich merke, dass der Drang ein Haus kaufen zu wollen, ganz stark etwas mit dem Wunsch nach geografischen Wurzeln zu tun hat.

Biologische Wurzel

Hier ist sicherlich der einfachste Weg, viel Kontakt mit der Großfamilie zu ermöglichen. Bei uns ist das schon nicht so einfach, weil unsere Herkunftsfamilien recht klein sind (zumindest auf meiner Seite). Onkel und Tante bzw. Cousin und Cousine haben der Hannoverjunge und der kleine Wuppertaler nur auf mütterlicher Seite – und die wohnen auch noch alle in Wien, wir sehen sie daher nur einmal im Jahr. Eine ganz andere Idee, wie man das Bewusstsein stärken kann, in einer Ahnenreihe zu stehen, habe ich bei Felix Rohner-Dobler gefunden: Nicht nur die Geburtstage der Kinder „groß“ feiern, sondern gerde auch die Geburtstage der Eltern und Großeltern! Simpel, aber gut. Solche Ideen sind’s, die ich suche!

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3 Kommentare zu „Drei Wurzeln“

  1. Eine schöne Idee, die drei Wurzeln auf den konkreten Familienalltag zu beziehen.
    Zwei Ideen habe ich zu der biologischen Wurzel:
    Die Vorfahren können in einer kleinen Ahnengalerie einen Platz in der Wohnung bekommen. Es müssen ja nicht gleich die sieben Generationen sein, die bei der Aufstellungsarbeit eine Rolle spielen. Aber warum nicht drei Generationen vor den Kindern? An ihre Urgroßeltern, also an die Großeltern der Eltern, gibt es ja in der Regel in der Familie noch viele Erinnerungen.
    Und als Aufstellerin kann ich natürlich sagen: wenn die Eltern die eigene Verbindung zu ihren Vorfahren klären – Verstrickungen auflösen und Verbundenheit stärken – dann tun sie ihren Kindern damit etwas Gutes. Nichts, was die unmittelbar zu spüren bekommen, aber etwas, das sich heilsam für alle in der Familie auswirkt. :-)

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