Über das Fürbitten

In letzter Zeit habe ich mich immer mal wieder mit der Praxis des Fürbittens auseinander gesetzt. Eine Erkenntnis ist, dass es eine ganz wesentliche Art des Betens ist. Und eine andere, dass ich mit der Art des Fürbittens, wie sie in evangelischen Gottesdiensten üblich ist, immer weniger anfangen kann. Schon als Kind fand ich den Fürbittenteil im Gottesdienst zäh und langatmig. Heute stört  mich vor allem das gelehrte Geschwätz. Umso wohlfeiler man formuliert, desto mehr hält man sich die Sache vom Leib.

Weil man im Protestantismus immer viele Worte machen muss (sonst wirkt diese Religion ja anscheind nicht) und man Gott auch am besten noch einmal ordentlich darlegt, was er an Maßnahmen zu tun habe (auch Gott bedarf schließlich gutgemeinter Bildungsveranstaltungen), wird in die Fürbitten noch einmal alles an Theologie und Pädagogik reingepackt, was einem lieb und teuer ist. Vom Genre her ist das, was in der evangelischen Fürbittpraxis geschieht, eher eine Predigt als ein Gebet. Und wenn dem tatsächlich so sein sollte, befürchte ich, dass es wirkungslos ist.

Fürbitte verstehe ich so: Es gibt eine Anrufung Gottes und die Nennung konkreter Menschen oder bestimmter Personengruppen, derer Gott sich erbarmen möge. Das war’s. Ich muss nicht begründen, warum mir diese Menschen so wichtig sind, dass ich sie in meine Fürbitte einschließe, ich muss Gott überlassen, was er zu tun gedenkt und ich muss mich nicht exponieren, indem ich gelehrt oder ausschweifend formuliere.

Die Gottesdienstpraxis kann ich nicht ändern, umso mehr stellt sich die Frage nach der eigenen Gebetspraxis. Mir ist da zum Beispiel aufgefallen, dass Fürbitten etwas erstaunlich Leibliches ist. Im Grunde wie alle religiösen Handlungen, weil sie ohne Leib nicht denkbar wären. Aufgefallen ist mir das, als ich gemerkt habe, dass es für mich eine Art „natürliche“ Haltung beim Fürbitten gibt, und zwar im Liegen, flach auf dem Rücken, und mit den Händen auf dem Körper ruhend. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie lande ich meist in dieser Position, wenn ich mir Zeit zum Beten nehme.

Zwei Sachen finde ich daran interessant: Ich schlafe dabei nicht ein, was eigentlich schnell passiert, wenn ich flach auf dem Rücken liege. Und meine Hände liegen nicht irgendwo, sondern wandern an ganz bestimmte Stellen (wobei ich mittlerweile nicht mehr weiß, ob ich das nun bewusst mache, weil ich es mir öfter vergegenwärtigt habe): Entweder liegen beiden Hände auf dem Herzchakra oder eine Hand auf dem Herz-, die andere auf dem Sakralchakra. Ich finde das auch völlig stimmig.

Und  noch ein körperlicher Aspekt: Wenn ich fürbitte – auch (oder gerade?) in einer sprachlich sehr reduzierten Form, zum Beispiel: „Christus, erbarme dich XY“ – komme ich dem anderen recht nahe. Es ist schon etwas Intimes. Aber gerade das ist für mich ein Indiz, dass die Fürbitte eben nicht bloß eine Textgattung ist.

Mir kommen dabei auch merkwürdige Fragen in den Sinn. Zum Beispiel, ob ich das „darf“. Das ist nämlich dann eine Frage, wenn ich davon ausgehe, dass Beten bzw. Fürbitten tatsächlich eine Wirkung hat und nicht nur reflexive Selbstbefriedigung ist. Oder: Wenn ich für andere bitte, müsste ich ich dann nicht erstmal für die „eigenen“ Lieben bitten? Und schließlich: Wie ist das eigentlich mit den Toten, bedürfen sie der Fürbitte?

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3 Kommentare zu „Über das Fürbitten“

  1. Ich habe schon oft „Fürbitten“ Gebete geschrieben, für Taufen, Hochzeitsfeiern, Kindergottesdienste…. Sie wurden ganz einfach gehalten, daher weiß ich gar nicht ob es so „richtig“ ist. Zuerst haben wir einfach für viele Dinge danke gesagt, danach um etwas gebeten. (Fröhlichkeit beim Taufkind zum Beispiel) Sie wurden mit den Gedanken bei den Hauptpersonen geschrieben, es wurden die innigsten Gedanken dort hineingeschrieben. Es fühlt sich jedesmal richtig und schön an und ist persönlicher als jede andere Form. Passender finde ich, so wie ich meinen Glauben gestalte und lebe

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    1. danke für deine gedanken! mir gefällt es gut, die bitten auf jemand ganz konkret zu beziehen (täufling,…).

      mein unbehagen ging in eine andere richtung: ich habe manchmal das gefühl, dass die fürbitten sehr umfassend sind. zwar schön formuliert, aber gerade dadurch auch unpersönlich. und dann habe ich halt oft das gefühl, dass sie eigentlich einem anderen zweck dienen, zum beispiel der belehrung der anwesenden, versteckten appellen oder einer klaren ansage an gott, in der man sich ziemlich erhebt, weil man ja anscheinend gleich die lösung kennt. das meinte ich…

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  2. Ja, mit den Fürbitten ist das so eine Sache. Ich glaube, ich verstehe worum es dir geht. Ja, es liegt etwas die Gefahr in der Fürbitte daraus eine Predigt eine Vorlesung oder eine Anleitung für Gott zu machen …
    Ich schätze die Fürbitten im Kloster Nütschau sehr. Sie werden jeden Tag einmal zum Gottesdienst für die anwesende Gemeinde geöffnet. Jeder, der was auf dem Herzen hat, kann seine Fürbitte und oder seinen Dank aussprechen … wunderbar ..
    Dein Wille geschehe, dein Erbarmen, deine Gnade – darum zu bitten, dafür zu danken das ist mir wichtig.
    Dieses „Jesus Christus, Erbarme dich XY“ finde ich auch sehr schön und wirksam in mir in der Form des mantrischen Herzensgebetes, (Hab ich von Sabine Bobert irgendwo gelesen) Einfach für einen Menschen zu bitten, für meine Unruhe, für Frieden zwischen A und B … usw. und dies einige Atemzüge bis MInuten zu wiederholen. Es ist doch irgendwie deutlich mehr als Selbstberuhigung und Mentaltechnik …
    … Jesus Christus, Erbarme Dich unser … Lass Dein Licht leuchten!

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