Dinge hinkriegen (1) – Alltagskram

Seit ich Kinder habe, habe ich das Gefühl, immer hinterher zu hecheln, ständig irgendwelche Dinge nicht hinzuzkriegen. Ich habe dieses Gefühl nicht permanent, aber regelmäßig. Irgendwie gehört es wohl zum Vatersein bzw. Kinderhaben dazu. Wenn dem so ist, dann hat das zwei Konsequenzen.

Erstens: Es grundsätzlich zu akzeptieren. Es geht weniger darum, mein Leben zu optimieren, sondern meine Haltung zu überdenken. Zweitens: Es braucht ein paar möglichst einfache Prinzipien, wie ich gut durch Tag und Leben komme. Ich will mich dabei weder in den Grundsätzlichkeiten der Vereinbarkeitsdebatte noch in Zeitmangementtipps verzetteln. Ich habe einmal zusammengetragen, was ich hilfreich finde.

Pen & Paper. Das wichtigste (und einzige) Tool, das ich habe: Mein ToDo-Buch. Es ist eine schwarze Notizbuchkladde im A5-Format mit nummerierten Blanko-Blättern. Darein schreibe ich alles, was an Aufgaben anfällt, und zwar sowohl berufliche wie auch private, kurzfristige wie langfristige Aufgaben. Ich finde es wichtig, alles an einem Ort zu haben. Wenn die Aufgabe erfüllt ist, streiche ich sie durch, wenn die ganze Seite erledigt ist, reiße ich sie heraus. Fertig. Ich habe imer mal wieder mit verschiedenen Rubriken experimentiert (zum Beispiel nach Tätigkeiten sortiert: telefonieren, überweisen, recherchieren, schreiben, konzipieren etc), aber umso differenzierter das Ganze angelegt ist, desto weniger taugt es für mich. Ich nutze keine digitalen Tools. Das liegt daran, dass ich ein Pen-and-Paper-Mensch bin. Ich habe so die beste Übersicht, das handschriftliche Niederschreiben (und Durchstreichen!) ist ein wichtiger Akt und wenn das Tool mal abstürzt, hebe ich es einfach wieder auf und muss keine Sorge haben, dass es nicht wieder hochfährt.

Effektiv vor effizient. Es gibt viele gute Zeitmanagement-Tipps. Doch oft kreisen sie darum, die Effizienz zu steigern. Mir ist aber mittlerweile wichtiger, dass bestimmte Aufgaben wirksam erledigt werden (wirksam, nicht perfekt!) und ich habe gemerkt, dass mir Effektivität wichtiger ist als Effizienz. Natürlich könnte ich die Effizienz an vielen Stellen noch steigern, aber die Energie setze ich lieber in die Effektivität. Effektiv zu sein macht auch viel mehr Spaß als effizient zu sein. Das, was ich dann nicht hinkriege, ist wahrscheinlich einfach zu viel – und nicht einfach durch höhrer Effizienz zu lösen.

In den Tagesablauf einbauen. Wiederkehrenden Angelegenheit müssen einen Platz im Tagesablauf finden können. Zumindest theoretisch. Was dort nicht rein passt, passt einfach nicht. Ende.

Mit dem Tagesrhythmus arbeiten. Ich merke deutlich, dass es für bestimmte Aufgaben die richtige und die falsche Tagesszeit gibt. Ich nutze das allerdings zu wenig. Langfristig will ich versuchen, auch stärker mit den Jahreszeiten und der Witterung zu arbeiten (aber davon bin ich weit entfernt).

Mit dem Job koppeln. Ich versuche, möglichst viele Besorgungen direkt vor oder nach der Arbeit zu erledigen, damit entfällt ein Anfahrtsweg. Zum Friseur gehe ich immer in der Nähe meiner Arbeitsstelle, oft in der Mittagspause.

Die Auswahl reduzieren, wo immer es geht. Ich hatte darauf ja schon mal beim Jeans-Kauf hingewiesen. Und selbst bei der Bewältigung der Informationsflut, die auf mich einstürzt, nutze ich das (immer öfter): Ich lese möglichst viel zu meinen thematischen Schwerpunkten. Darüber hinaus nur das, was mir von anderen empfohlen wird (meist via Twitter). Sonst nichts.

Viele Termine und Verpflichtungen sind nicht wirklich wichtig. Sie mögen dringend sein, aber nicht wichtig. Nun gut, das ist bekannt. Mir hilft immer mal wieder diese kleine Übung: Stell dir vor, wie du in einem (in zwei, fünf, zehn) Jahren über diesen Termin denken wirst: Wird der Termin in der Rückschau immer noch wichtig gewesen sein? Wurde dort tatsächlich eine Entscheidung getroffen, die bis heute Auswirkungen hat? Die Antwort wird in den meisten Fällen „nein“ lauten. Die Welt dreht sich weiter, auch wenn ich den Termin absage. Eine von Richard Rohrs 5 initiatorischen Wahrheiten lautet ja: „Du  bist nicht wichtig.“ Und das stimmt. Omnipotenzphantasien sollte man eh nicht zu viel Raum geben.

Kleine Zeitfenster nicht verplanen. Es bringt eh nichts.

Schlafen, wenn immer es möglich ist. Es bringt mehr, als alles andere.

Was (noch) nicht klappt: Meine Energie-Räuber ausrotten. Abends sitze ich oft zu lange vor dem Rechner und dödele so rum. Schlafen zu gehen wäre wesentlich sinnvoller. Oder mit Freunden zu telefonieren (dazu später mehr). Oder einfach im Wohnzimmer zu tanzen (auch dazu später mehr). Kann ich nicht oder will ich nicht?

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2 Kommentare zu „Dinge hinkriegen (1) – Alltagskram“

  1. Wunderbar auf den Punkt gebracht. Bei Mir funktioniert auch nur pen & paper. To do Liste und dann terminieren. David Allens Brain Dump und dann alles streichen, was ich nicht machen muss und will. Privat krieg ich das meist hin, wenn ich im Job zu zeitfressenden, unsinnigen Sachen nein sagen muss faellt Mir das schwer – machst Du das?
    Insgesamt faellt mir wohl ’nein‘ sagen schwer – und oft auch um Hilfe bitten.
    168h Hours koennte Dir gefallen, wenn nicht das Buch dann zeichne mal zwei Wochen Lang auf, wie Du Deine Zeit verbringst. Das half bei mir bezgl des Vertroedelns, aber auch beim Priorisieren.

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    1. 168Stunden habe ich bei dir schon entdeckt! Werde ich mir noch genauer anschauen, Tabelle habe ich schon ausgedruckt. Grundsätzlich ist es gut, in Wochen zu denken. Ich hätte besser schreiben sollen: „Was in den WOCHENablauf nicht rein passt, passt nicht“. Das macht mehr Sinnn.

      Ich habe eine sehr große Themenvielfalt bei meinem Job, dass heißt, ich muss mich stark begrenzen. Daher auf deine Frage: Ja, ich mach das. Für mich ist diese „Übung“ mit der vorausschauend-rückblickenden Frage nach der Auswirkung dafür gut und sinnvoll, dass ich mich nicht geißele, wenn ich etwas absagen muss. Wenn ich sie von vornherein bei allem anwenden würde, hätte ich ja den ganzen Tag frei! (Kleiner Scherz) Geht ja auch nicht…

      Jetzt muzss ich erstmal die nächsten Teile tippen…

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