Dinge hinkriegen (2) – Familienleben

Dinge hinkriegen – nach dem Alltagskram jetzt rund ums Familienleben. Es geht nicht um Tipps und Techniken, sondern um die Grundhaltungen.

Gestaltete Zeiten. Ich halte wenig von der Idee einer „Quality-Time“. Zum einen zeigt das ja nur, dass wir ein akutes Zeitproblem haben (und deshalb schon „qualitative“ von nicht so qualitativen Zeiten unterscheiden wollen), zum anderen beschwört es einen Anspruch herauf, von dem ich mich gerade frei machen will (dass es nämlich dann besonders toll sein muss). Was ich aber sehr mag sind wiederkehrende Zeiten. Sie sind also schon dadurch gestaltet, dass sie erwartbar sind, ritualisiert. Die abendliche „Erzähl deine Geschichte, was du heute gemachst hast, von Bett zu Bett“-Runde, zum Beispiel. Ich habe gemerkt – hier muss ich mich einmal selbst loben – wie gut und hilfreich das Ritual-Radar ist, das ich hier für genau diesen Zweck vorgestellt habe. Ich habe dadurch gemerkt, dass mir diese Zeiten zwar wirklich wichtig sind, ich sie aber letztlich doch mehr dem Zufall überlasse als sie bewusst zu inszenieren.

Möglichst früh Zuhause sein. Gunter Dueck hat das wunderbar auf den Punkt gebracht: Väter gehören nach 17:00 nicht mehr ins Büro. Er sei immer um halb fünf nach Hause gegangen, bis sein Sohn 12 Jahre alt war. Ich finde das sehr gut, dass er das gerade auch als Manager sagt. Und er hat absolut recht: Leute, die viel arbeiten und lange am Arbeiten sind, haben einfach ihr Zeitmanagement nicht im Griff. Oder ihre Unabkömmlichkeitsneurose. Ausnahmen gibt es immer, natürlich. Aber sie dürfen nicht als Legitimation missbraucht werden, dass es ja gar nicht anders ginge. Mir fällt auf, wie viele ältere Väter sagen, dass sie „damals“ echt etwas verpasst hätten und nun bereuen, so wenig zuhause gewesen zu sein. Anfangs hielt ich das für netten (Männer-)Smalltalk. Mittlerweile denke ich, dass es echt ein starkes Bereuen ist. Ich habe immer mal wieder Termine am Abend und am Wochenende. Das sind alles Überstunden, die es mir ermöglichen, deutlich vor fünf nach Hause zu kommen (und ja, ich mach das auch noch nicht konsequent genug!).

Überlebensmodus und Entfaltungsmodus reflektieren. In einem der besten Elternratgeber, den ich bisher gelesen habe (vielleicht folgt hier im Blog noch eine kleine Rezension…) beschreiben Daniel Siegel und Tina Bryson, dass es faktisch zwei Ziele in der Erziehung gibt: Überleben und Entfalten. Im Grunde sind das zwei Grundmodi des Familienlebens: Es gibt Momente, Phasen oder Zeiten, in denen man einfach das ganze Theater nur überstehen  will, Hauptsache man kommt ohne große Kollateralschäden in den nächsten Tag. Und dann gibt es den Wunsch nach Entfaltung und Erfüllung, nach dem guten Leben, den großen Ideen, die man für sich und die Seinen hat. Siegel und Bryson beschreiben nun, dass gerade in den Überlebensmomenten durchaus gute Ansatzpunkte für den Entfalten-Modus liegen. Das mag etwas „advanced“ klingen, aber ich will hier nicht in die Feinheiten dieses Ansatzes einsteigen. Für mich reicht es manchmal schon, zu wissen, dass es diese beiden Modi gibt (und das ich sie wähle). Und wenn ich zu stark im Überlebensmodus reagiere, dass ich mich darin erinnere, dass es auch noch einen anderen Modus gibt.

Vertrauen, das es sich (gut) entwickeln wird. „Alles ist nur eine Phase. Man weiß nur nicht, wie lange sie dauert.“ Klingt vielleicht ein bisschen witzig, ist aber ein weiser Satz. Ein sehr weiser Satz sogar. Und auch wenn es vielleicht platt klingt, mir hat dieser Satz tatsächlich schon des öfteren geholfen.

Was (noch) nicht klappt: Von den Rhythmen und Bedürfnissen der kindlichen Entwicklung her denken. Mir fällt immer wieder auf, wie sehr wir uns in unserem Tun an die Fremdlogiken der uns umgebenden Systemen angepasst haben. Die alles dominierende Grundlogik ist die Erwerbsarbeit. Dementsprechend suchen wir nach Betreuungsmöglichkeiten, die die Zeiten der Erwerbsarbeit abdecken. Deshalb unterwerfen wir uns wiederum den Abholzeiten dieser Einrichtungen. Und so weiter. Das ist alles auch logisch und nachvollziehbar. Aber es ist schon erschreckend, dass wir kaum (gar nicht?) von der Logik der kindlichen Entwicklung her denken. Unserem Hannoverjungen tut beispielsweise ein Mittagsschläfchen nach wie vor sehr gut (er ist viereinviertel), in der Kita gab es das aber nur in der U3-Betreuung. Und das ist nur ein Beispiel unter tausend anderen. Unser (Alltags-)Leben ist eine Verschachtelung von zig Fremdlogiken miteinander, um alles am Laufen zu halten. Hmm…

Was fehlt: Personal (kleiner Scherz). Nein, der Clan.

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