Wandel

Immer mehr merke ich, dass mich ein Grundthema begleitet: Wandel, Wandlung, Transformation.

Wie entwicklen sich Dinge weiter? Wie entsteht Neues? Woraus, wie und warum? Gibt es so etwas wie transformative Grundmuster? Und wie werden sie wirksam? Ich finde all das nicht nur spannend, sondern tatsächlich auch sehr lebenspraktisch.

Warum ausgerechnet dieses Thema? Einmal gibt es einen ganz schlichten biografischen Grund: Ich habe die Lebensmitte erreicht, zumindest die statistische. Interessanter Weise haben sich bei mir so manche Themen und Einstellungen in der letzten Zeit deutlich gewandelt (durchaus zum Guten) und ich habe das Gefühl, dass das tatsächlich mit meiner „Lebensmitte“ zusammenhängt. Dazu in einem anderen Blogbeitrag mehr.

Zum Zweiten glaube ich, dass wir in Zeiten des Wandels leben. Wenn man sich die Weltlage anschaut, kann man fast nur zu dem Schluss kommen, dass es ein Wandel zum Schlechten ist. Das setzt mir auch zu. Aber ich meine tatsächlich den Wandel zum Guten, mir geht es um das, was zum Beispiel Joanna Macy mit „Great Turning“ bzw. dem „Großen Wandel“ meint (kurz und kompakt dazu Peter Aschoff). Wir werden einen solchen Wandel nur schaffen, wenn wir den Weg zu einem einfachen Leben gehen. Allerdings nicht zurück (das ist mir zu regressiv, außerdem stimmt es auch nicht), sondern ganz neu hin zu einem einfachen und guten Leben, das es so noch nicht gab (also progressiv nach vorn, geht ja auch gar nicht anders). Und bei Lichte betrachtet leben wir in einer Zeit, in der wir eigentlich eine recht gute Ausgangslage haben, um einen solchen Wandel  herbeizuführen. Auch dazu an anderer Stelle einmal mehr. Außerdem will ich dabei sein. Momentan eher noch im Kleinen als im Großen. Ich will darüber bloggen: praktische Ideen, Einsichten, gute Bilder und Metaphern, vielleicht Tools und Übungen, Blogs verlinken, Wissens-Rhizome wachsen lassen.

Und schließlich kommt noch etwas Drittes hinzu: Mein Verständnis vom christlichen Glauben hat sich gewandelt. Ich bin mittlerweile der Überzeugung, dass es in erster Linie eine Transformationspraxis ist. Christlicher Glaube taucht in unseren Breiten ja eher als ein Ethik- und/oder als ein Kultur-Programm auf. Doch man erfasst den Clou wohl am besten, wenn man darin ein Transformationsprogramm sieht.

Als dogmatische Beschreibung der Welt/Gottes/des Menschen taugt eine Religion oder eine spirituelle Tradition nur sehr bedingt. Darum geht es auch gar nicht (nur leider wird sehr häufig so getan, als ginge es eben genau darum – mit verherrenden Auswirkungen!). Ob Befreiungs- oder Versöhnungsprozesse, der Weg vom falschen zum wahren Selbst, die Dinge, die geschehen, wenn etwas heil wird, die subtile Kraft der Stille – was es auch immer ist und wie man es auch immer bezeichnen mag: Es sind transformative Prozesse. Und an dieser Stelle kann die christliche Spiritualität etwas Wesentliches (und Wirksames) beitragen. Sie bietet Feste, Praktiken und Rituale, die genau dies feiern, einüben und ins Leben rufen. Wahrscheinlich gilt dies für viele spirituellen Traditionen, aber dazu kann ich wenig sagen, weil ich mich lediglich in meiner Tradition auskenne (und das ja auch nur fragmentarisch).

In der christlichen Tradition gibt es eine Menge an Transformationsweisheit zu entdecken. Bei Richard Rohr habe ich viel dazu gefunden. Aufschlussreich waren für mich Bücher wie Walter Winks „Wandlung der Mächte“ oder Sabine Boberts „Jesusgebet“. Noch neu ist für mich der Zusammenhangs von Liturgie und Therapie (ich bin zum Beispiel sehr beeindruckt von Andreas Eberts Familientherapieansatz). Interessant finde ich auch die Idee eines christlichen Lebensrads, also der Verbindung von Jahreskreis, eigener Entwicklung und theologischen Themen. Jan Frerichs hat mir einmal seinen Entwurf gezeigt, den ich sehr gelungen finde. Auch das ist im Grunde ein Transformationsansatz, den es aber erst noch zu entdecken gilt.

Zurück zu dem Grundthema. Drei Fragen beschäftigen mich besonders:

Wie vollzieht sich Wandel? Wie entsteht Neues – durch Umformen von Altem oder durch (Neu-)Geburt? Sind evolutionäre oder revolutionäre Prozesse nachhaltiger? Ist Transformation eine lineare oder zyklische (oder spirale?) Bewegung? Verläuft Wandel eher verborgen oder offenkundig? Anders gefragt: Gibt es so etwas wie transformative Grundprinzipien? Auch wenn Aussagen über das, was ist, immer kontextgebunden sind, gibt es vielleicht doch so etwas wie eine universale Tiefenschicht? Dies führt dann auch zu der Frage, ob individuelle und kollektive Transformationsprozesse ähnlich gebaut sind.

Inwiefern ist Wandel machbar? Oder: Wie kann man ihm Raum geben, sich zu entfalten? Was nährt, was erstickt ihn? Wann beginnt etwas zu kippen, wie viel Masse braucht es?

Und schließlich: Wie trägt er durch? Was kann oder muss man tun, dass er Wirkung entfaltet? Ich glaube, dass gerade dieser Frage oft zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Wie gesagt: Ich finde, dass das alles keine abstrakten Fragen sind, sondern äußerst konkrete. To be continued. Versprochen.

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