Hoffnung durch Handeln (activehope #01)

Es gibt zwei Arten von Hoffnung: Eine passive Hoffnung, die etwas erwartet und eine deutlich aktivere Form der Hoffnung, die wünscht und sich sehnt.

„Der eigentliche Unterschied liegt aber darin, wie wir mit unserer Hoffnung umgehen. Passive Hoffnung wartet darauf, dass äußere Wirkkräfte das herbeiführen, was wir uns wünschen. Hoffnung durch Handeln bedeutet, dass wir uns aktiv daran beteiligen, das herbeizuführen, was wir erhoffen“ (Joanna Macy/Chris Johnstone 2014, S. 16).

activehopeDas Zitat stammt aus dem Buch Hoffnung durch Handeln von Joanna Macy und Chris Johnstone. Das klingt etwas appellativ und daher gefallen mir der englische Originaltitel „Active Hope“ und der deutsche Untertitel „Dem Chaos standhalten, ohne verrückt zu werden“ auch viel besser.

Das Buch ist eine Quintessenz des tiefenökologischen Ansatzes, den Joanna Macy seit mehrern Jahrzehnten in unzähligen Workshops der Umwelt-, Friedens- und Versöhnungsarbeit entwickelt hat. Sie nennt diesen Ansatz auch „Die Arbeit, die wieder verbindet“, da genau dies ein wesentlicher Schritt ist, einen wirklichen Wandel herbeizuführen: sich wieder verbunden fühlen mit allem, was lebt und sich mit Gleichgesinnten zu verbinden, um durch gemeinsames Handelen die Selbstheilungskräfte der Erde zu wecken.

Zweierlei ist für ihren Ansatz wesentlich: Die Wahl, wie wir den Lauf der Dinge sehen wollen („drei Geschichten über unsere Zeit“) und den eigentlichen Prozess, der verbindenden Arbeit („die Spirale der Arbeit, die wieder verbindet“).

Kurz gesagt gibt es drei Möglichkeiten, unsere Welt mit all ihren Krisen und Katastrophen zu sehen (Joanna Macy geht es um die Zerstörung unsere Lebensgrundlagen im weitesten Sinne, aber es gilt für sämtliche Krisen): Wir können so weiter machen wie bisher, eventuell mit der einen oder anderen kleinen Optimierung. Macy nennt diees „Business as ususal“. Wir können oder wollen dabei nicht sehen, dass sich etwas ändern muss. Die zweite Möglichkeit nennt Macy den „fortschreitenden Zerfallsprozess“. Hier sehen wir zwar sehr deutlich, was alles schief läuft, aber wir fühlen uns ohnmächtig. Die Krisen sind so gewaltig, dass wir überwältigt dastehen. Die dritte Geschichte – ja, natürlich ist es die, um die es im Folgenden gehen wird – ist die Geschichte vom „Großen Wandel“:

„Es geht dabei um den Übergang der zum Scheitern verurteilten Wirtschaft der industriellen Wachstumsgesellschaft zu einer das Leben erhaltenden Gesellschaft, mit der wir die Selbstheilungskräfte der Erde unterstützen. Dieser Prozess ist bereits in vollem Gange“ (S. 36).

Alles drei sind Geschichten, Erzählungen, Narrative über unsere Welt. Die Welt selbst ist nicht so, sondern es sind drei verschiedene Varianten, wie wir die Welt und uns darin sehen (wollen). Wir haben die Wahl, welche Geschichte wir erzählen wollen.

Aber was tun, um aus dem „business as usual“ auszusteigen und und nicht der Geschichte vom „fortschreitenden Zerfallsprozess“ zuviel Glauben zu schenken? Wir kommen zum Kern von Active Hope: „Hoffnung durch Handeln ist eine Praxis. Wie Tai Chi oder Gartenarbeit ist es eher ein Tun als etwas, was wir haben. Sie besteht in einem Prozess, den wir auf jede Situation anwenden können.“ (S. 17).

Dieser Prozess besteht aus vier aufeinanderfolgenden Schritten:

  • Dankbarkeit,
  • den Schmerz um die Welt würdigen,
  • mit neuen Augen sehen,
  • Weitergehen und Handeln.

Diese vier Schritte sind die Verdichtung von Macys jahrzehntelanger Erfahrung in der Tiefenökologie. Die Phasen sind eine „Quelle der Stärkung und der Erkenntnis“. Sie sollen uns ermutigen, immer wieder zu erkennen, „dass wir größer, stärker, tiefgründiger und kreativer sind, als man uns im Laufe unserer Erziehung zu glauben gelehrt hat“ (S. 45). Spiralförmig ist der Prozess deshalb, weil weder eine lineare noch eine zyklische Sicht der Dinge vorherrschen. Man kann auf dieses Modell immer wieder zurückgreifen und es auf nahezu jede Situation anwenden: für das eigene Tun, als Reflexionsmodell für Initiativen, für die Gestaltung von Workshops, als didaktische Kategorien in der Bildungsarbeit, als therapeutischen Ansatz, als spirituelles Programm.

Was mich an Joanna Macys Ansatz fasziniert? Macy geht es bei „Active Hope“ nicht um Optimismus, sondern um Absicht. Dies ist ein ganz entscheidender Schlüssel (mag er auch schlicht sein). Und die vier Schritte ihrer Arbeit unterscheiden sich deutlich von gängigen Problemlösungsansätzen. Es ist ein Transformationsansatz, der gerade dadurch kraftvoll sein kann, wenn er mit spirituellen Traditionen verbunden wird. Joanna Macy entwickelt ihre Arbeit aus ihrem buddhistischen Hintergrund. Ich wiederum erkenne – gerade in den vier Schritten – deutliche christliche Essentials.

Daher will ich über die Dankbarkeit, den Schmerz, das Sehen mit neuen Augen und das Weitergehen nach und nach bloggen: über Macys Ideen und meine christliche Sicht einer aktiven Hoffnung.

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5 Kommentare zu „Hoffnung durch Handeln (activehope #01)“

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