Hoffnungsgründe (activehope #02)

Wie gelingt es, die Hoffnung nicht zu verlieren? Ohne Hoffnung kann ich ja kaum Teil einer Veränderung sein, geschweige denn eines Wandels oder gar des „Großen Wandels“, wie Joanna Macy es nennt. Bevor ich über die vier Schritte von Joanna Macys Ansatz im Einzelnen blogge, springe ich einmal ins 10. Kapitel von „Hoffnung durch Handeln“, in dem Macy dieser Frage nachgeht.

Also: Woher nehme ich Hoffnung?

Eine wesentlicher Punkt ist, sich immer wieder ermutigende Beispiele aus der Geschichte vor Augen zu halten. Macy macht hieraus gleich zwei Punkte, nämlich zum einen nach inspirierenden Beispielen aus der Weltgeschichte zu suchen, zum anderen sich die Erfahrungen aus der eigenen Lebensgeschichte in Erinnerung zu rufen, in denen sich eine beharrliche Haltung gelohnt hat.

Ich möchte hier noch ergänzen, dass solche  Ermutigungen nicht unbedingt in der Vergangenheit gesucht werden müssen. Gerade ein wacher Blick für das Hier und Jetzt kann zu überraschenden und hoffnungmachenden Einsichten führen (auch wenn gegenwärtig vor lauter Krisen Hoffnung ja schon fast zynisch erscheint): So sind zum Beispiel die extreme Armut und die Kindersterblichkeit auf der Welt deutlich zurückgegangen. Und es gibt Belege, dass wir gegenwärtig in der friedvollsten Phase der Menschheitsgeschichte leben.

Als drittes – neben inpirierenden Beispielen aus der Geschichte und der eigenen Biografie – nennt Joanna Macy das Inbetrachtziehen des Phänomen der diskontinuierlichen Veränderung. Man kann durchaus den Mut verlieren, wenn man Wandel als einen ausschließlich gleichmäßig voranschreitenden Prozess versteht. Denn „neben der gleichmäßigen Veränderung gibt es auch diskontinuierliche, sprich sprunghafte oder nichtlineare, Veränderung. Plötzliche Umschwünge können auf überraschende Weise kommen, Strukturen, die so fest und dauerhaft erscheinen wie die Mauer in Berlin, können in sehr kurzer Zeit zusammenbrechen oder abgerissen werden. Wenn wir verstehen, wie diskontinuierliche Verändrung fuktioniert, bekommen wir wieder ein Gefühl für neue Möglichkeiten“ (Macy/Johnstone 2014: 174-175).

Meist hat dies mit einem „Kipp-Punkt“ zu tun, also mit dem Punkt, ab dem etwas ins Kippen kommt, ab dem eine gewisse Schwelle überschritten ist, hinter der sich die Veränderung nicht mehr gleichmäßig sondern sprunghaft vollzieht. Wir wissen in der Regel nicht, wie groß eine „kritische Masse“ sein muss, um einen Durchbruch zu erzielen, um eine andere Ebene zu erreichen. Aber dieses Phänomen, dass lediglich eine „kritische Masse“ und eben nicht die mögliche Gesamtmasse für einen Wandel erforderlich ist, finde ich ausgesprochen hoffnungsvoll.

Schließlich schlägt Joanna Macy noch vor, der Hoffnungslosigkeit dadurch zu begegnen, dass man selbst Zeuge des Großen Wandels wird. Der Weg entsteht schließlich beim Gehen. Und Alternativen zeigen sich (erst) dann, wenn man nach ihnen sucht. Macy führt noch einen fünften Punkt auf („den Hütern der Schwelle entgegentreten“), aber in meinen Augen ist das eher eine konkrete Übung, ein Tool. Dazu später in einem eigenen Beitrag noch einmal mehr…

Ich möchte noch etwas hinzufügen. Für mich ist es immer wieder hoffnungsstärkend, zu erkennen: Nichts beginnt bei Null. Allerorten gibt es bereits Anfänge, und seien sie noch so klein. Ich muss sie nur suchen, finden – und aufgreifen. Christlich gesprochen könnte man darin auch die Dynamik von „schon“ und „noch nicht“ sehen. Gemeint ist damit das Reich Gottes, das schon angebrochen, aber eben noch nicht vollendet ist. Ich mag diesen Gedanken. In diesem Zusammenhang sind auch viele Gleichnisse Jesu hoffnungsvoll, allen voran das vom Senfkorn: Aus Kleinem kann Großes werden. Beides entspricht meiner Erfahrung. Nicht immer, aber immer wieder.

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