fasten, teilen, beten

Muss man als Christ eigentlich irgendwas machen? Hat man bestimmte Aufgaben zu erledigen, Praktiken zu vollziehen, Opfer zu bringen?

Nein. Muss man nicht, hat man nicht. Aber manchmal denke ich: Wär‘ doch eigentlich gar nicht so verkehrt. Nicht als moralische Verpflichtung, sondern als geistliche Übung.

Also an dieser Stelle ein kleines Plädoyer für geistliche Praktiken. Man muss sich nun keine besonders ausgefallenen Sachen ausdenken oder lange suchen. In der Begrpredigt spricht Jesus über das Fasten, das Almosengeben und das Beten. In der Bibel findet man das im 6. Kapitel des Matthäus-Evangeliums, in drei aufeinander folgenden Abschnitten.

Auf der Internetseite von David Steindl-Rasts Network für Grateful Living (gratefulness = Dankbarkeit) habe ich einen Text entdeckt, der diese drei Praktiken auf eine sehr einfache und zugleich faszinierend schlüssige Weise zusammenfügt. Diese drei Praktiken sind nämlich genau diejenigen Übungen, um wieder in Verbindung zu kommen. Oder anders gesagt: um Trennungen zu überwinden. Oder noch anders: um der Sünde zu begegnen. Sünde ist ja keine moralische Verfehlung, sondern ein Zustand des Getrenntseins, und zwar von Gott, von seinen Mitmenschen und von sich selbst: „Sünde steht für alles, was uns von unserem authentischen Selbst, voneinander und vom göttlichen Urgrund unseres Seins trennt.“

Diesen drei Dimensionen des Getrenntseins kann man begegnen:

„wir werden authentisch, indem wir uns darum bemühen; wir preisen unsere Zugehörigkeit zum Universum, indem wir miteinander teilen; wir verankern uns in Gott, indem wir uns in seine Stille hineinlassen, um vom Brunnen des Lebens zu trinken, der wahren Quelle unseres Seins.

Der überlieferte Fachausdruck für „sich bemühen“ ist Fasten (was einiges mehr bedeutet als Kasteiung beim Essen und Trinken). „Miteinander teilen“ bedeutet Wohltätigkeit (was einiges mehr meint als Almosen verteilen). Und für „uns im Sein verankern“ steht „Gebet“ (was mehr bedeutet als Gebete aufsagen). Fasten, Wohltätigkeit und Beten sind die drei Wege, um uns und unsere Welt nach Gottes Plan auszurichten, es sind die drei sich überschneidenden Pfade in die Freude der Fastenzeit hinein.

Fasten, Teilen und Beten. Das sind die drei Praktiken, um unseren drei Trennungen zu begegnen: dem Getrenntsein von unserem wahren Selbst, voneinander und von Gott.

Die Verankerung in Gott durch das Beten liegt nahe. Über den Zusammenhang von Fasten und „authentisch werden“ war ich im ersten Moment etwas verwundert, aber es stimmt schon: Durch bewussten Verzicht fange ich schnell an, wesentlich Fragen zu stellen (Was brauche ich wirklich? Was hält mich gefangen?) und bei längerem und intensivem Fasten stellt sich oft eine besondere Klarheit ein. Und das Teilen ist die Praxis, um sich miteinander zu verbinden – auch das ist völlig schlüssig. Hier würde ich aber ganz auf die Begriffe „Almosen“ und „Wohltätigkeit“ verzichten, denn sie fallen hinter echtes Teilen wieder zurück, weil sie die Trennungen aufrechterhalten. Teilen gerade nicht als „Mildtätigkeit“ oder „Charity“ zu verstehen, sondern als eine einzuübende Praxis des Miteinanderverbundenseins, ist ein guter Ansatz. Mal ehrlich: Wo teilen wir denn tatsächlich irgendwas? In unserem westlich-bürgerlichen Milieu ist das doch völlig unterentwickelt und weit (!) davon entfernt, dass dies ein christlicher Grundvollzug ist.

Und damit haben wir dann drei ganz wesentliche christliche Praktiken. Aber sie verstehen sich nicht von selbst, sie müssen wirklich geübt werden.

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1 Kommentar zu „fasten, teilen, beten“

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