Meine Schwelle (besser) hüten

Womit will ich mich beschäftigen? Womit mich umgeben? Was will ich in mir bewegen? Was will ich Raum zum Wachsen geben? Das sind wichtige Fragen in einer Welt mit unendlichen Möglichkeiten, mit einer Informationsflut nach der anderen und mit einer permanent mitlaufenden Aufmerksamkeitsökonomie.

Das Ganze lässt sich gut zuspitzen: Was will ich nähren? Denn was man nährt, wächst. Das ist die bekannte Geschichte mit den zwei Wölfen. Und davor liegt noche eine Frage: Was will ich überhaupt in mich hineinlassen? Was will ich also über meine Schwelle lassen?

Das, was man hineinlässt, sind ja nicht nur Sachen, die man über die Haustür-Schwelle trägt – aber schon das ist ein gutes Bild! Was ich in mich hineinlasse bzw. an mich heranlasse kann drei verschiedene „Aggregatformen“ haben: Menschen, Ideen oder Dinge. Daraus ergeben sich dann drei Fragen:

  • Von welchen Menschen lasse ich mich berühren?
  • Welche Ideen bewege ich?
  • Mit welchen Dingen umgebe ich mich?

Ich merke, wie wichtig diese Fragen für mich werden. Und ich merke, dass ich reduzieren muss. Weil ich an Grenzen stoße. Nicht aus Gründen einer begrenzten Aufnahmefähigkeit oder weil ich keine Lust mehr auf Horizonterweiterung hätte. Sondern weil ich in den letzten zwei, drei Jahren bei mir sehr eindeutig folgenden Zusammenhang erkennen konnte: Umso mehr ich aufnehme, desto weniger handele ich.

Also: Welche Menschen, Ideen und Dingen will ich hinein-/heranlassen und nähren?

Beim Umgang mit den Dingen finde ich die Minimalsmusdebatten sehr anregend. Aber ich bin kein Minimalist, ich bin eher ein Rightsizer (die wunderbare Unterscheidung von Minimalismus und Rightsizing habe ich von hier).

Bei der Frage, welche Ideen ich für mich bewegen und wachsen lassen will, hilft mir das Bloggen. Und ihr kennt ja nur den veröffentlichten Eisberg über Wasser – wenn ihr wüsstest, was so alles im Entwürfe-Ordner liegt…!

Bei den Menschen geht es mir weniger um konkrete Personen (denn das ist ja leicht: ich weiß sehr gut, mit wem ich Kontakt will und mit wem nicht), sondern um Szenen, um Communities. Auch wenn heute so viel miteinander vernetzt ist, leben wir doch in einer Gesellschaft, die aus zigtausendmillionen Filterbubbles besteht. Zu welchen will ich gehören?

Gesellschaftlich gilt das Phänomen der Filterbubbles ja eher als ein Problem. Man nistet sich in seiner Nische ein und hält sie für die Welt. Es gibt einige Strategien dagegen (wenn man denn will), aber mir geht’s hier ja gerade um die gegenteilige Dynamik: die in mich hereinschwappende Flut zu begrenzen. So genommen ist es ein Plädoyer für die Filterbubbles. Denn dies hat einen Vorteil: Es erleichtert Commitment. Und ich merke, dass ich mich stärker committen muss.

Habe ich mein Commitment klar, weiß der Schwellenhüter, was zu tun ist. Beachte ich meine Schwelle nicht (weil ich keinen Sinn dafür habe oder weil der Schwellenhüter grad im Urlaub ist…), ist Commitment nur schwer möglich.

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4 Kommentare zu „Meine Schwelle (besser) hüten“

  1. Nochmal. Da war der Finger schneller als das Hirn. Danke für diesen wertvollen Post. Ich werde ihn teilen sobald ich dazu komme.

    In meinem Fall war es nur gerade nicht anders möglich. Ich hatte die Chance mich erkenntlich zu zeigen. Mich zu revanchieren. Das habe ich shcon so lange angeboten udn jetzt war endlich die Gelegenheit. Dass daraus ein Mammutprojekt wird und ich innerhalb von 24h zwei Vorträge redigieren musste… uff, das war nicht geplant. Jetzt fehlt mir die Hälfte der Nacht und dieser Vormittag. Aber ich bin froh, es gemacht zu haben. Ich setz mich jetzt auf die Couch, leg die Beine hoch und denke darüber nach, welche Menschen, Dinge und Ideen ich in Zukunft an mich ranlassen möchte… Dein Blog gehört jedenfalls dazu.

    Danke für den Link! Sehr gut!

    Gefällt 1 Person

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