Warum ändert man nichts? (activehope #04)

Es ist schon ein bisschen her, dass ich begonnen habe, Joanna Macys Active Hope-Ansatz einmal „durchzubloggen“. Aber nun geht es weiter. Bevor der zweite von vier Schritten dran ist („Den Schmerz würdigen“) gibt es zunächst noch ein paar Hintergründe, warum man sich selbst so oft im Wege steht, etwas (oder sich?) zu ändern.

Joanna Macy nennt sieben Gründe, die unsere Veränderungsbereitschaft blockieren:

  • Ich glaube nicht, dass es so schlimm ist,
  • ich bin nicht dafür zuständig,
  • ich will nicht auffallen,
  • etwas zu ändern würde meine eigenen Interessen bedrohen,
  • ich fühle mich wie gelähmt und weiß nicht, was ich tun soll,
  • es lohnt sich nicht, etwas zu unternehmen, denn es ändert sowieso nichts,
  • es regt mich so auf, dass ich lieber gar nicht daran denke.

Also: Die Wirklichkeit nicht wahrhaben wollen (1), sie nicht verändern wollen (2-4) oder meinen, sie nicht verändern zu können (5-7) – alles recht hartnäckige Fälle!

Und es gibt einen weiteren, tieferen Grund: Die Angst vor dem Schmerz, wenn man sich wirklich auf das Hin-Sehen und Verändern-Wollen einlässt. Hieraus entwickelt Macy dann den 2. Schritt von Active Hope. Dazu später mehr.

Schon allein diese 7 Blockierungen zu erkennen, ist hilfreich. Denn um sie zu überwinden bedarf es, je nach dem, wozu man tendiert, andere Bewältigungsmechanismen.

Ein gängiges Mittel, um andere zu überzeugen, etwas zu ändern, ist Aufklärung durch Information. Doch genau an dieser Stelle ist Joanna Macy eher skeptisch:

„Organisationen, die sich mit Umweltfragen und sozialem Wandel beschäftigen, tappen häufig in die Falle anzunehmen, die Menschen würden aktiv werden und die Dinge angehen, wenn sie nur wüssten, wie schlimm es steht. Deshalb legen sie das Hauptgewicht darauf, Informationen und Argumente unter die Leute zu bringen und unterstreichen diese noch mit schockierenden Fakten, Grafiken und Bildern. Nun ist es zwar richtig und unerlässlich, das Bewusstsein zu wecken – aber was geschieht, wenn die Leute sich schon so überwältigt fühlen, dass sie das Gefühl haben, noch mehr Kummer und Stress könnten sie gar nicht bewältigen? Oder wenn sie glauben, sie müssten sich gegen negatives Denken schützen? In diesen Fällen erhöht die Präsentation von schockierenden Tatsachen oft nur den Widerstand“ (Macy/Johnstone, Hoffnung durch Handeln, Stuttgart 2014, S. 74-75).

Bewusstseinweckung ohne Betroffenheitslähmung. Das ist wohl ein schmaler Grat. Oder die Quadratur des Kreises. Und genau das ist Macys Thema.

Aus ihren Überlegungen ziehe ich für mich drei gute Aspekte heraus:

Die eigenen Blockierungen erkennen. Geht nur bei einem selbst, nicht bei anderen. Aber damit sind wir ja auch schon mitten im Thema. Vielleicht hilft es einfach, eine Liste mit den eigenen Blockierungsgründen aufzustellen. Entweder ganz allgemein – hier hatte ich das vor einiger Zeit schon einmal für mich gemacht – oder konkret auf ein Problem bezogen. Gerade dann sind Macys sieben Blockierungsgründe hilfreich.

Dem Phänomen der „erlernten Hilflosigkeit“ begegnen. Dieses Phänomen beschreibt der großartige Jorge Bucay in der Geschichte vom angeketten Elefanten.

Nachzulesen in „Komm, ich erzähl dir eine Geschichte“ und zum Mitlesen hier (S. 7-11). Erlernte Hilflosigkeit gründet in mangelnder Selbstwirksamkeitserfahrung, man hat das Gefühl, Veränderung werden grundsätzlich vom Außen bestimmt. Dass Gute daran ist: Man kann es  auch wieder verlernen, eben indem man selbstwirksame Erfahrungen macht. Joanna Macy nennt außerdem noch drei Dinge, die man gut brauchen kann, um handlunsgfähig zu werden: Wissen, Rüstzeug und Verbündete. Ich formuiere es als Fragen:

  • Habe ich das richtige (das heißt: not-wendige) Wissen?
  • Habe ich das richtige (das heißt: not-wendige) Rüstzeug (Fähigkeiten, aber auch Methoden, Tools, Tipps, Anleitungen)?
  • Habe ich die richtigen (das heißt: not-wendigen) Verbündeten?

Und schließlich: Den Mut haben, durch den Schmerz zu gehen. Das mag etwas pathetisch klingen, aber es ist wichtig. Langläufig wollen wir allem Negativen ausweichen. Es ist aber wichtig, das Schmerzhafte, dass sich bei einem Wandel einstellen wird, zu würdigen, es möglichst auch auszudrücken – gleichzeitig aber nicht in ihm zu versinken, sondern durch es durchzugehen. Schon wieder ein schmaler Grat. Um die wandelnde Kraft der Trauer geht es dann im nächsten Blogbeitrag. Und das ist Schritt Nummer 2 vom Active Hope-Vierschritt.

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