Warum meine Konsumentscheidungen etwas bewirken

Es sind ja so einige Wahlen in diesem Jahr. Gerade deshalb sollte man dies nicht vergessen: Auch mein Einkaufszettel ist ein Wahlzettel.

Okay, das wussten wir schon. Aber ist uns wirklich klar, wie machtvoll unser Konsumverhalten ist? Wenn es stimmt – und es spricht einiges dafür – dass manche Großunternehmen politisch einflussreicher sind als Nationalstaaten, dann ist der tägliche Einkaufszettel weit mächtiger als der fünfjährliche Wahlzettel.

Ja klar, wenn alle zusammen…. die große Masse… das wäre was… Aber ich allein?

Warum bewirken meine Konsumentscheidung wirklich etwas? Warum macht mein Beitrag tatsächlich einen Unterschied? Beweisen kann ich’s natürlich nicht, aber es spricht einiges dafür. Drei wichtige Punkte. Mindestens.

  • Indem ich Alternativen suche, erschaffe ich sie.
  • Indem ich alternative (Produktions- und Handels-)Strukturen nutze, stärke ich sie wirtschaftlich.
  • Indem ich dazu beitrage, Alternativen zu nutzen, etablieren sie sich und werden normaler.

Die zentrale Erkenntnis für mich ist: Um Wirkung zu entfalten braucht man keine große Masse. Eine kritische Masse reicht völlig aus. Und die ist manchmal viel kleiner, als man denkt. Wenn sie es zur rechten Zeit über die Aufmerksamkeitsschwelle schafft, kann sie eine ganze Bewegung auslösen, wie“Zero Waste“ zum Beispiel. Und wenn nicht, werden eben weiterhin in zig Nischen Alternativen entwickelt und schon mal deren Kinderkrankheiten auskuriert.

Wenn kleine Dinge etwas bewirken – auch wenn sie weit unterhalb der Aufmerksamkeitsschwelle liegen und lange in Nischen inkubieren – befreien sie uns aus der Ohnmacht, eh nichts ändern zu können. Man tut also nicht nur etwas für die Sache, sondern die Sache ermächtigt einen auch. Schöne Sache! Heute ist die Strategie nicht, kaputt zu machen, was uns kaputt macht (aber das hat ja eh nie richtig funktioniert), sondern Alternativen zu suchen und diese praxistauglich zu machen. Das ist anfangs schwer, weil man oft gar nicht weiß, wonach man genau suchen soll. Das ist andererseits aber auch einfach, weil wir noch nie so vernetzt waren an Leuten, Ideen, Wissen und Inspiration.

Quelle: goodreads.com/quotes

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3 Kommentare zu „Warum meine Konsumentscheidungen etwas bewirken“

  1. Das ist eine verflucht privilegierte Position, muss ich leider sagen. Denn es ist nicht so, dass große Konzerne zunächst ihr Produktportfolio verändern: sie suchen dann schon mal neue Absatzmärkte für die Produkte, die in den ersten Märkten nicht mehr laufen. Wir hier sind von den chemisch intensiven Filmen auf die Digitalfotografie umgestiegen — Film wird für andere Märkte noch produziert. Das heißt, dass Menschen, die nicht über unseren — nach eurozentristischen Maßstäben gemessenem — Bildungsstandard verfügen und sich nich so einfach ihr Konsumverhalten verändern könnten, selbst wenn sie es reflektieren, dann die Sachen abbekommen.

    Ich habe auch keine Antwort. Aber ich finde diese Position greift zu kurz.

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    1. Klar ist das eine privilegierte Position. Aber wenn nicht die, die es können, nicht nur weniger sondern auch anders konsumieren, wer dann?
      Um bei Deinem Beispiel zu bleiben: ja, es wird noch Film konsumiert, aber weit weniger. Als ich vor 12 Jahren eine Spiegelreflexkamera kaufen wollte war digital für mich unerschwinglich. Heute wäre das anders, nicht, weil ich mehr Geld habe, sondern auch, weil sie heute günstiger sind. Irgendwann werden alle digital fotografieren.
      Vielleicht, und hier mutmaße ich, meint Martin aber mehr: Tauschen, Kostnixläden, Freecycle, das sind Alternativen die durch unsere Nachfrage leben.

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    2. Lieber koneu, 1000x sorry fürs so späte Antworten!
      Ja, das stimmt: Es werden neue Absatzmärkte gesucht, um den Konsumschrott woanders hinzukippen, wenn die Priviligierten bestimmte Dinge mehr kaufen. Aber hieße das denn im Umkehrschluss auch, dass solche Initiativen/Unternehmen wie etwas Fairphone nicht gut sind, weil dann andere Handyhersteller eben stärker außereuropäisch verkaufen? Es ist doch gerade wichtig, in solche Projekte erstmal Geld fließen zu lassen, um tatsächliche Alternativen entstehen zu lassen. Und Ideen wie Divest (das ist jetzt nicht die Konsumebene sondern die Investitionsebene, ich weiß) fußen doch gerade darauf, das Geld aus bestimmten Bereichen rauszunehmen. Auch diese Unternehmen können dann woanders hingehen und dort noch Schlimmweres anstellen. Ja. Aber gerade deshalb finde ich es wichtig, Alternativen wirklich marktreif zu machen. Und das geht u.a. über Kaufentscheidungen. Vielleicht ist es keine gute Antwort. Im Moment ist es aber die Antwort, die mich am meisten überzeugt – auch wenn sie durchaus etwas Naives hat, ja…

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