Die 4 Dimensionen des Wandels

Der Großen Wandel kann auf vielfältige Art mitgetragen werden – so Joanna Macy, Grande Dame der Tiefenökologie. Mit „Großem Wandel“ ist eine grundlegende ökosoziale Transformation gemeint. Und dieser Wandel besteht nach Joanna Macy aus drei Dimensionen, die sie in ihrem Buch Geliebte Erde, gereiftes Selbst beschreibt (Paderborn 2009, 140-143):

Abwehrende und aufhaltende Aktionen haben das Ziel, weitere Zerstörung zu vermeiden oder zu verlangsamen. Dies ist wichtig, um Leben zu bewahren und verschafft erst einnmal Zeit.  Das allein reicht aber nicht, deshalb braucht es auch Veränderungen der Strukturen und Entwicklung von Alternativen. Alternative Handlunsgweisen entstehen, lebenszerstörende Strukturen werden durch lebensdienliche ersetzt. „In keinem anderen Zeitalter der menschlichen Geschichte sind so viele neue Handlungsweisen in so kurzer Zeit neu entstanden. Es mag für uns heute so aussehen, als seien sie unbedeutend, aber sie enthalten die Saaten der Zukunft“ (S. 141). Und damit sie bestehen bleiben und wirklich tief greifen können, braucht es einen Wandel im Bewusstsein. Joanna Macy spricht hier von einem „Prozess des Erwachens“. (Auf englisch findet man das hier auch online.)

Aus Joanna Macys drei Dimensionen des Wandels mache ich nun vier, denn „Alternativen entwickeln“ und „Strukturen ändern“ sind für mich zwei eigenständige Dimensionen.

Die 4 Dimensionen des Großen Wandels sind dann also:

  • Zerstörung aufhalten
  • Alternativen entwickeln
  • Strukturen ändern
  • Bewusstsein wandeln

Jede dieser vier Dimensionen ist wichtig, der „Große Wandel“ braucht alle vier. Jede dieser vier Dimensionen ist notwendig, aber keine alleine ist ausreichend, keine ist besser oder schlechter. Und jede dieser vier Dimensionen hat eine eigene Logik und auch eigene „Szenen“ und „Typen“.

Das Denken in diesen 4 Dimensionen hilft, um nicht den Kopf in den Sand zu stecken und um aus der Lähmung herauszukommen, die einem befällt, wenn man sieht, wie schlimm es um die Erde bestellt ist und wie groß der große Wandel doch ist. Denn es sind vier verschiedene Aufgaben. Damit wird der Wandel handhabbar(er).

Diese 4 Dimensionen sind hilfreich, um den eigenen Beitrag zu reflektieren: Wo fühle ich mich hingezogen? Wo will ich mitwirken? Wo habe ich Stärken? Oder andersrum: Was ist nicht meins, wo sollte ich mich lieber nicht verausgaben, sondern auf das Tun Anderer vertrauen? Oder: Wo engagiere ich mich aktiv (durch eigenes Tun) und wo eher passiv (zum Beispiel durch Spenden oder Mitgliedschaften)?

Und schließlich kann die Unterscheidung dieser 4 Dimensionen auch einen Beitrag leisten, redlich zu sein. Denn oft – und gerne – wird ökosozial Engagierten eine Art Doppelmoral vorgeworfen, wenn sie sich an einer Stelle engagieren und an einer anderen eben nicht. Wer sich für gutes Leben einsetzt, müsse dies bitteschön auch immer und überall tun, ansonsten sei er unglaubwürdig und überhaupt viel schlimmer als die, die gar nichts tun. Das ist natürlich Quatsch. Wenn sich jemand in einer Dimension stark engagiert, in einer anderen nicht, schmälert das nicht sein Tun.

3 Kommentare zu „Die 4 Dimensionen des Wandels“

  1. Pingback: 2018 – marthori

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

%d Bloggern gefällt das: