einfaches Leben (2)

Einfaches Leben ist ja eine Sache, der ich mich verbunden fühle. Ich hatte hier auch schon einmal etwas dazu geschrieben. Aber was genau ist für mich eigentlich einfaches Leben?

Einfacher im Sinne von weniger: Das rechte Maß finden. Da wir in der westlichen Welt weit über unsere Maßstäbe leben, bedeutet ein rechtes Maß vor allem eines: weniger. Und zwar von (fast) allem. Auch wenn „weniger ist mehr“ wie ein Floskel klingt, merke ich immer wieder, dass sie stimmt, für mich stimmig ist.

„Weniger ist mehr“ gilt für mich nicht nur beim Verbrauch (Konsum), sondern auch bei all dem, was ich mental und emotional in mich reinlasse. Auch dazu hatte ich schon einmal etwas geschrieben. Es wird mir immer wichtiger.

Einfacher im Sinne von konzentrierter: Einen Fokus setzen. Das hat Daija auf liebevollerleben gut beschrieben:

„Unter einem einfachen Leben verstehe ich ein Leben, bei dem ich mich auf das, was mir wirklich wichtig ist, konzentriere; alles andere entferne ich in einem fortlaufenden Prozess, soweit dies möglich ist. […] Wenn man sich freiwillig für ein einfaches Leben entscheidet, geht es primär nicht um ein ‚Weniger‘ sondern um ein ‚Anders‘; in diesem Fall ist eher ein ’side-shifting‘ als ein ‚downshifting‘. […] Es geht darum, mehr Raum zu schaffen für individuell unterschiedliche Prioritäten: mehr mehr Zeit für zwischenmenschliche Beziehungen, Spiritualität, Lernen und persönliche Weiterentwicklung, Kreativität, Wohlbefinden oder soziales Engagement.

Einfacher im Sinne von natürlicher: Orientierung an der Natur. Dazu gehören möglichst natürliche Produkte und deren ebensolche Herstellung – bei all den Ambivalenzen, die damit oft verbunden sind (Wenn in unserer Biokiste manches Gemüse in Plastik eingepackt ist, ist das natürlich nicht Sinn der Sache. Wobei das andererseits auch wiederum kein Grund ist, keine Biokiste zu haben, denn Biogemüse in Plastik ist immer noch besser als konventionelles Gemüse in Plastik).

Orientierung an der Natur bedeutet für mich aber noch weit mehr: die Berücksichtigung von natürlichen Rhythmen wie den den Jahreszeiten (kleine Notiz dazu hier) und das Eingehen auf natürliche Entwicklungsschritte wie zum Beispiel beim „artgerecht“-Ansatz in der Erziehung.

Einige Erkenntnisse

Einfacher leben bedeutet für mich kein „Zurück“. Ich will nicht mit einem Steinzeit-Clan in einer Höhle leben. Ich will einfacher, nicht primitiver leben. Einfacher leben geht nach vorne, aber ohne ein „weiter so“.

Einfaches Leben verherrlicht nicht den Mangel, sondern sucht „ein Leben in Fülle“.  All das sage ich als jemand, der satt ist. Einfaches Leben ist ein Aufstand der Satten. Was die Idee nicht schmälert, aber man sollte es klar haben.

Ich lebe an vielen Punkten gar kein „einfaches Leben“. Aber trotzdem ist diese Idee für mich wichtig. Die Bilder, die ich mit einem einfachen Leben verbinde, sind für mich stark und wirksam, sie nähren und beruhigen mich.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.