Was mir gut tut

Eine lose Sammlung, der Dinge, die meist schnell und allein umsetzbar sind. Nicht nach Prioritäten geordnet:

#1  Aufräumen.
#2  Etwas wegwerfen.
#3  Etwas pflegen, reparieren oder in Ordnung bringen.
#4  Dankbarkeitstagebuch schreiben.
#5  Mit einem Kaffee in der Sonne sitzen, dabei nichts tun (tagsüber).
#6  Mit einem Tee auf dem Balkon sitzen, dabei nichts tun (abends).
#7  Herzensgebet, im Liegen (ich weiß, das ist unüblich, aber bei mir klappt das gut und ist genau richtig).
#8  Etwas fertig machen/abschließen (meist ist es ein Text).
#9  Etwas veröffentlichen (Blogartikel, Flyer, …)
#10  Etwas schreiben, mit Bleistift oder Füller (meist in mein Notizbuch).
#11  Draußen sein.
#12  Imagination (keine Imaginationsübung, sondern ein bestimmtes Bild – nein: zwei!).
#13  Viel Wasser und Tee trinken.
#14  Im Wald sein (Geruch, Bäume).
#15  Schlafen.
#16  In der Sauna sein (Holzgeruch, Hitze, Dunkelheit).
(wird fortgesetzt)

Was derzeit fehlt: Musik. Tanzen.

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Sachenmachenliste und Büchergelesenhaufen 2016

Huuu, neues Jahr! Schnell noch der Rückblick. Diesmal in zweifacher Ausführung.

Hier erstmal der Rückblick auf die 2016er-Sachenmachen-Liste:

Diesen Blog habe ich – meinen geringen Kenntnissen entsprechend – etwas aufgehübscht. Etwas professioneller soll’s noch werden, das steht noch aus. Aber er soll als Blog erkennbar sein, ganz oldschool. — Im Hohen Venn waren wir, sogar zweimal. Schön da. — Ich habe an insgesamt 5 Seminaren teilgenommen (geplant waren 6), volles Programm. Und siehe, es war sehr gut. Sehr sehr. Thematisch drehte es sich dabei immer um Wandel & Transformation. Viel erfahren und gelernt, und auch auf einer Meta-Ebene prägend (ich bin ja selbst in der Bildungsarbeit tätig und gucke mir gerne was ab). —  Das Sommerfest wurde ein Herbstfest, richtig schön. Und so einfach: Termin festlegen, anderen Kita-Eltern bescheid geben, Kaffeemaschine im Garten installieren und Feuer anmachen. Fertig. — Ich bin ja kein großer Bibelleser (die Geschichten und die Weisheit finde ich toll, aber sowohl als literarisches Werk wie auch als heiliges Buch ist es für mich immer wieder schwierig), daher ab und an mal bestimmte Leseabsichten. Und hier bin ich auf eine wirklich interessante Idee gestoßen: alles, was Jesus gesagt hat, rot markieren. Also eine selbstgemachte Red-Letter-Edition. Noch lange nicht fertig, aber erkenntnisreich. — Das Lastenfahrrad ist noch nicht gekauft, ich liebäugle mittlerweile auch viel mehr mit einem E-Bike samt einem Kindersattel auf dem Oberrohr. — Das Familienseminar bei Sobonfu war richtig gut. Und bei uns reift die Idee, aus dem Format „Familienseminar“ bzw. „Familien auf Seminare“ etwas zu machen. — Sich mit dem Thema Zucker zu beschäftgigen war ein echter Augenöffner (hinter die Erkenntniss, dass eine handeslübliche Tafel Schokolade aus 50g – also der Hälfte! – an Zucker besteht, kann ich nun nicht mehr zurück). Aber zuckerfrei kann und will ich nicht. — Kohlenstofflich habe ich dieses Jahr Jan, Wolfgang, Yvonne, Sandra und Konrad aus meiner Twitteria kennengelernt, beim EmergentForum war ich leider doch nicht. — Ja, und der gute Ort, das wird. Sowohl an Ideen als auch konkret.

Ob es für dieses Jahr auch wieder eine Sachenmachenliste gibt? Ich weiß es noch nicht… Aber jetzt kommt Teil II des Jahresrückblicks:

Das hier sind die Bücher, die ich im letzten Jahr gekauft habe. Nicht alle ganz durchgelesen (Sachbücher lese ich eh nicht linear und außerdem hat Marshall McLuhan ja völlig recht!), aber zumindest erkenntnsigewinnend gelesen. Darum geht’s ja. Ich klage ja immer darüber, dass ich keine Zeit zum Lesen habe, aber mir scheint die These doch nicht ganz haltbar zu sein:

wp_20170104_007Ich will hier jetzt keine Buchbesprechung zu jedem einzelnen machen, nur ein paar rückblickende Beobachtungen aufzählen:

Ja, es sind ausschließlich Sachbücher. Zum Belletrsitiklesen habe ich einfach zu wenig Ruhe. Es gibt ein paar Bücher, die ich aus rein privatem bzw. aus rein beruflichem Interesse lese (letzteres waren eher Bibliotheksbücher, die sind hier nicht mit dabei), aber eigentlich ist das nur schwer zu trennen. Meine privaten und beruflichen Themen sind auch nicht immer zu trennen. Und das finde ich sehr gut so.

Die oberste Reihe sind die Bücher rund um Familie. Man erkennt wohl die Artgerecht/Achtsamkeits-Tendenz. „Wurzeln & Flügel“ habe ich gleich als Tipp in meinem Familienspiritualitäts-Blogpost aufgenommen. Den Doppelband von Joseph Cornell zur Naturerfahrung mit Kindern habe ich mir zugelegt, weil ich eine Waldgruppe in der Kita mache – und musste feststellen, dass Wald solch ein Selbstläufer ist, dass man gar keine Naturspiele braucht.

(Was hier völlig fehlt sind die Kinderbücher. Die meisten leihen wir uns zudem aus der Bibliothek aus)

Das Thema gewaltfreie Kommunikation brachte meine Frau letztes Jahr mit. Ich bin begeistert – weniger als Kommunikations-, sondern als Selbsterkundungsmethode. Und man kann sehen, wie vielseitig die GfK ist. Zwei Bücher (oben rechts) gehören in die Familienreihe, der Übungsbuch-Klassiker ins dienstliche Bücherregal und das „Exerzitien“-Buch nutzt GfK als spirituellen Übungsweg.

Wandel & Transformation – das ist die mittlere Reihe. Durchgearbeitet habe ich die beiden wirklich dicken Schinken von Ursula Seghezzi. Da mich die Frage interessiert, wie/ob ihr Lebensrad mit dem christlichen Kirchenjahr vereinbar ist, musste ich mir noch den Bieritz als Nachschlagewerk dazu kaufen. Zur Frage (bzw. dem Problem) des Naturbezugs des Christentums ist Hans-Joachim Werners „Eins mit der Natur“ ein wunderbarer Türöffner. Und ein Augenöffner ist Vivian Dittmars Gebrauchsanweisung für Gefühle. Dieses Buch, in dem Gefühle als „soziale Kräfte“ und der Umgang mit ihnen vorgestellt werden, ist gerade in unserer postfaktischen Zeit unendlich wichtig. Denn jetzt werden ständig auf ziemlich dumme Art „Vernunft“ und „Gefühle“ gegeneinander ausgespielt, sehr gefährlich! Lesen, lesen, lesen – am besten in Kombination mit Marshall Rosenberg! Über das Buch von Diana Richardson, das letzte in dieser Reihe, schweige ich mich hier aus : ))  Ich empfehle aber, in die Materie einzudringen.

Christliche Spiritualität & weitere Weisheitstraditionen. Dazu gehören auch die gerade erwähnten Bücher zur Natur, zum Kirchenjahr und das Exerzitien-Buch. Über eine „Spirituality of Food“ schreibt die Quäkerin Lisa McMinn. Die Bücher von David Steindl-Rast und Henri Nouwen habe ich hier im Blog ja schon vielfältig verarbeitet. Das steht für das Buch von Richard Rohr über das falsche und das wahre Selbst noch aus. Das Buch werde ich mir nochmal als Passions-Lese vornehmen. Richard Rohr setzt hier Christi Sterben und Auferstehung in Bezug zum Sterben des Egos und der Auferstehung des Selbst. Zu gegebener Zeit dazu mehr hier im Blog. Dann noch ein paar Bücher zu anderen Weiheitstraditionen, vor allem John O’Donohues Anam Cara (das nicht unchristlich, aber vor allem keltisch ist) fehlte noch im Bücherregal.

Last but not least gleich vier Bücher aus dem Drachenverlag, meine Entdeckung des letzten Jahres. Der Drachenverlag gibt auch die OYA heraus und ich könnte glatt das halbe Sortiment aufkaufen (natürlich neben dem Sortiment des Arbor-Verlags – dieses Jahr nur ein Buch von dort, aber ein ganz wichtiges). Über Wendel Berrys „Körper und Erde“ ist auch schon ein Blogbeitrag in Arbeit, das Schwitzhüttenbuch wird mögen, wer Schwitzhütten mag und bei der Permakultur will ich der Frage nachgehen, inwiefern die Prinzipien (über den Ökoanbau hinaus) generell als Bausteine für „gutes Leben“ taugen.

Meine Schwelle (besser) hüten

Womit will ich mich beschäftigen? Womit mich umgeben? Was will ich in mir bewegen? Was will ich Raum zum Wachsen geben? Das sind wichtige Fragen in einer Welt mit unendlichen Möglichkeiten, mit einer Informationsflut nach der anderen und mit einer permanent mitlaufenden Aufmerksamkeitsökonomie.

Das Ganze lässt sich gut zuspitzen: Was will ich nähren? Denn was man nährt, wächst. Das ist die bekannte Geschichte mit den zwei Wölfen. Und davor liegt noche eine Frage: Was will ich überhaupt in mich hineinlassen? Was will ich also über meine Schwelle lassen?

Das, was man hineinlässt, sind ja nicht nur Sachen, die man über die Haustür-Schwelle trägt – aber schon das ist ein gutes Bild! Was ich in mich hineinlasse bzw. an mich heranlasse kann drei verschiedene „Aggregatformen“ haben: Menschen, Ideen oder Dinge. Daraus ergeben sich dann drei Fragen:

  • Von welchen Menschen lasse ich mich berühren?
  • Welche Ideen bewege ich?
  • Mit welchen Dingen umgebe ich mich?

Ich merke, wie wichtig diese Fragen für mich werden. Und ich merke, dass ich reduzieren muss. Weil ich an Grenzen stoße. Nicht aus Gründen einer begrenzten Aufnahmefähigkeit oder weil ich keine Lust mehr auf Horizonterweiterung hätte. Sondern weil ich in den letzten zwei, drei Jahren bei mir sehr eindeutig folgenden Zusammenhang erkennen konnte: Umso mehr ich aufnehme, desto weniger handele ich.

Also: Welche Menschen, Ideen und Dingen will ich hinein-/heranlassen und nähren?

Beim Umgang mit den Dingen finde ich die Minimalsmusdebatten sehr anregend. Aber ich bin kein Minimalist, ich bin eher ein Rightsizer (die wunderbare Unterscheidung von Minimalismus und Rightsizing habe ich von hier).

Bei der Frage, welche Ideen ich für mich bewegen und wachsen lassen will, hilft mir das Bloggen. Und ihr kennt ja nur den veröffentlichten Eisberg über Wasser – wenn ihr wüsstest, was so alles im Entwürfe-Ordner liegt…!

Bei den Menschen geht es mir weniger um konkrete Personen (denn das ist ja leicht: ich weiß sehr gut, mit wem ich Kontakt will und mit wem nicht), sondern um Szenen, um Communities. Auch wenn heute so viel miteinander vernetzt ist, leben wir doch in einer Gesellschaft, die aus zigtausendmillionen Filterbubbles besteht. Zu welchen will ich gehören?

Gesellschaftlich gilt das Phänomen der Filterbubbles ja eher als ein Problem. Man nistet sich in seiner Nische ein und hält sie für die Welt. Es gibt einige Strategien dagegen (wenn man denn will), aber mir geht’s hier ja gerade um die gegenteilige Dynamik: die in mich hereinschwappende Flut zu begrenzen. So genommen ist es ein Plädoyer für die Filterbubbles. Denn dies hat einen Vorteil: Es erleichtert Commitment. Und ich merke, dass ich mich stärker committen muss.

Habe ich mein Commitment klar, weiß der Schwellenhüter, was zu tun ist. Beachte ich meine Schwelle nicht (weil ich keinen Sinn dafür habe oder weil der Schwellenhüter grad im Urlaub ist…), ist Commitment nur schwer möglich.

zufrieden entschieden

Schon einmal von der Abstimmungs-Methode systemisches Konsensieren gehört? Diese Methode verdient es, bekannt und verbreitet zu werden. Deshalb hier ein paar Zeilen dazu – und etwas Material.

Systemisches Konsensieren ist eine wunderbare Alternative zu unserer klassischen Abstimmungsmethode, der Mehrheitsentscheidung. Bei einer Mehrheitsentscheidung werden die Stimmen gezählt, die einen Vorschlag befürworten. Je nach Verfahren (einfache, relative, absolute Mehrheit) kommt man dann zu einem Ergebnis. Doch dieses Ergebnis ist – in sehr vielen Fällen! – gerade nicht das beste. Denn ein Mehrheitsentscheid berücksichtigt nicht, wie zufrieden die Leute mit der Entscheidung sind, ob die Entscheidung auch nach längerer Zeit noch tragfähig ist und welches Konfliktpotenzial in ihr liegt. Oft, sehr oft, kommt es dann im Laufe der Zeit zu einer schleichenden Sabotage des Beschlusses – nicht aus Böswilligkeit, sondern weil der Konsens gar kein echter Konsens war.

Wie wäre es stattdessen mit Entscheidungen, mit denen alle zufrieden sind!?

Das geht doch gar nicht!

Doch, geht.

Und deshalb finde ich es so wichtig, die Methode „Systemisches Konsensieren“ zu vebreiten. Gerade im kirchlichen Kontext, in dem man ja sehr auf „einvernehmliche Entscheidungen“ bedacht ist, ist dies eine echte Alternative zur Mehrheitsentscheidung.

Entwickelt haben die Methode Erich Visotschnig und Siegfried Schrotta. Die Idee ist ziemlich… schlicht. Aber gerade das ist das Geniale daran. Es ist keine Raketenwissenschaft, und wenn man sie verstanden hat und einmal geprobt hat, dann „kann“ man sie bereits. So einfach.

Beim systemischen Konsensieren sind zwei Dinge anders als beim klassischen Abstimmen: Es wird der Widerstand jeder einzelnen Alternative erhoben, und dieser wird in seiner Intensität gemessen. Das systemische Konsensieren misst also das Konfliktpotenzial. Und damit sieht und würdigt es die Bedürfnisse der Einzelnen.

Mehrheitsentscheidung:  Zustimmung zählen  — >  Alternative mit der größten Zustimmung ist die Lösung.

Systemisches Konsensieren:  Widerstand messen  — >  Alternative mit dem geringsten Widerstand ist die Lösung.

WP_20160426_002Jeder Beteiligte nennt für jede einzelne Lösung, wie hoch sein Widerstand ist, dazu wählt er eine Zahl zwischen „0“ (keinerlei Widerstand) und „10“ (maximaler Widerstand). Dies wird notiert, dann werden pro Alternative alle Widerstände zum Gesamtwiderstand zusammengezählt. Die Variante mit dem geringsten Gesamtwiderstand ist (wahrscheinlich) die Lösung. Hier im Bild einmal die Widerstandsstimmern von 14 Leuten, die über 7 Alternativen (A bis G) abgestimmt haben.

Jetzt gibt es zwei besondere Fälle:

Bei der Alternative mit dem geringsten Gesamtwiderstand sind einige wenige hohe Einzel-Widerstände dabei (dies ist der Fall im Bild, siehe die blau eingekreiste 7). Diese Leute werden nun gefragt: „Was fehlt dir? Was brauchst du noch, damit du mit der Entscheidung leben kannst?“ Meist – und das ist das Erstaunliche! – sind das unspektakuläre und einfache Dinge. Beim klassischen Mehrheitsentscheid spielen diese Bedürfnisse keine Rolle. Stattdessen wird oft signalsiert, jetzt aber bitteschön mal kein „schlechter Verlierer“ zu sein!

Der andere Fall: Es gibt eine Lösung, deren Widerstand niedriger ist als alle anderen, die aber  trotzdem viele einzelne Widerstandswerte im mittleren Bereich hat (oder höher). Dann ist diese Alternative zwar die beste Lösung, aber keine gute. Besser ist es, noch einmal neu über das Probelm nachzudenken.

Für einen Presbyteriums-Workshop hatte ich dazu zwei Probeabstimmungen als Rollenspiel vorbereitet. Das Handout dazu ist kurz und kompakt und kann hier als PDF heruntergeladen und genutzt werden. Empfehlenswert ist die Seite http://www.sk-prinzip.eu der Entwickler des Systemischen Konsensierens. Besonders gut haben mir die Tipps und Materialien auf www.systemisches-konsensieren-berlin.de gefallen!

Entdeckt habe ich diese Methode übrigens in Vivian Dittmars „Kleiner Gefühlskunde für Eltern“ (nebenbei bemerkt ein ganz wunderbares Buch, Danielle vom Gewünschtesten Wunschkind hat eine Rezension darüber geschrieben, aber auch die amazon-Rezensionen sprechen ja für sich). In dem Abschnitt „Verbindende Lösungen in Gruppen: Es geht!“ (S. 186-189) beschreibt sie, wie sie systemisches Konsensieren mit ihren Kindern anwendet.

Ich mag mich täuschen, aber ich glaube, dass diese Methode im kirchlichen Kontext bisher völlig unbekannt ist (im Gegensatz zur Szene der intentionalen Gemeinschaften, wie mir scheint). Das würde ich gerne ändern. Bedürfnisse in den Blick zu nehmen und anzuerkennen, Konfliktpotenzial sichtbar zu machen (und nicht wie oft bei Mehrheitsentscheiden durch geschickte Abstimmungsformulierungen „wegzudrücken“) und tragfähige Lösungen zu suchen ist letztlich nichts Geringes als Versöhnungsarbeit.

Und ich bin sehr an Erfahrungen in Presbyterien und auf Synoden (!?) interessiert! Ich kann auch gerne für einen Workshop vorbeikommen…

täglich 3x

Ich lese gerade immer mal wieder in Zen To Done (PDF), also Leo Babautas Weiterentwicklung von David Allens Getting Things Done. Sehr empfehlenwert! Was ich davon umsetzen werde, weiß ich noch nicht, aber Leo Babautas Herangehensweise und der Ton, in dem er schreibt, gefallen mir.

Unabhängig von solchen recht strukturierten Krieg-deine-Aufgaben-geregelt-Systemen – egal wie komplex oder einfach sie gebaut sind – mag ich aber auch gerne „Rezepte“, also Tipps, die oft etwas schlicht und direktiv sind, aber manchmal durchaus sympathisch.

Hier nun eine/meine Dreier-Regel, die ich gerade ausprobiere, die aber so gut ist, dass ich sie bereits im Teststadium gerne veröffentliche:

  • Mache jeden Tag etwas Unangenehmes! (im Sinne von: etwas Unerledigtes, das du ständig vor dir herschiebst)
  • Mache jeden Tag etwas für jemand Anderen! (es reicht schon eine Kleinigkeit)
  • Bringe jeden Tag etwas in Ordnung! (das kann auch so etwas Einfaches sein wie eine Glühbirne auswechseln oder Schuhe putzen).

Eine Hilfe ist es, sich in der ersten Zeit die Dinge kurz zu notieren.

An die Quelle dieser Dreierregel kann ich mich nicht mehr erinnern. Es ist wohl eine Mischung aus irgendwo aufgeschnappt und selbst zusammengestellt. Das lassen zumindest meine Notizen vermuten…

Dinge hinkriegen (2) – Familienleben

Dinge hinkriegen – nach dem Alltagskram jetzt rund ums Familienleben. Es geht nicht um Tipps und Techniken, sondern um die Grundhaltungen.

Gestaltete Zeiten. Ich halte wenig von der Idee einer „Quality-Time“. Zum einen zeigt das ja nur, dass wir ein akutes Zeitproblem haben (und deshalb schon „qualitative“ von nicht so qualitativen Zeiten unterscheiden wollen), zum anderen beschwört es einen Anspruch herauf, von dem ich mich gerade frei machen will (dass es nämlich dann besonders toll sein muss). Was ich aber sehr mag sind wiederkehrende Zeiten. Sie sind also schon dadurch gestaltet, dass sie erwartbar sind, ritualisiert. Die abendliche „Erzähl deine Geschichte, was du heute gemachst hast, von Bett zu Bett“-Runde, zum Beispiel. Ich habe gemerkt – hier muss ich mich einmal selbst loben – wie gut und hilfreich das Ritual-Radar ist, das ich hier für genau diesen Zweck vorgestellt habe. Ich habe dadurch gemerkt, dass mir diese Zeiten zwar wirklich wichtig sind, ich sie aber letztlich doch mehr dem Zufall überlasse als sie bewusst zu inszenieren.

Möglichst früh Zuhause sein. Gunter Dueck hat das wunderbar auf den Punkt gebracht: Väter gehören nach 17:00 nicht mehr ins Büro. Er sei immer um halb fünf nach Hause gegangen, bis sein Sohn 12 Jahre alt war. Ich finde das sehr gut, dass er das gerade auch als Manager sagt. Und er hat absolut recht: Leute, die viel arbeiten und lange am Arbeiten sind, haben einfach ihr Zeitmanagement nicht im Griff. Oder ihre Unabkömmlichkeitsneurose. Ausnahmen gibt es immer, natürlich. Aber sie dürfen nicht als Legitimation missbraucht werden, dass es ja gar nicht anders ginge. Mir fällt auf, wie viele ältere Väter sagen, dass sie „damals“ echt etwas verpasst hätten und nun bereuen, so wenig zuhause gewesen zu sein. Anfangs hielt ich das für netten (Männer-)Smalltalk. Mittlerweile denke ich, dass es echt ein starkes Bereuen ist. Ich habe immer mal wieder Termine am Abend und am Wochenende. Das sind alles Überstunden, die es mir ermöglichen, deutlich vor fünf nach Hause zu kommen (und ja, ich mach das auch noch nicht konsequent genug!).

Überlebensmodus und Entfaltungsmodus reflektieren. In einem der besten Elternratgeber, den ich bisher gelesen habe (vielleicht folgt hier im Blog noch eine kleine Rezension…) beschreiben Daniel Siegel und Tina Bryson, dass es faktisch zwei Ziele in der Erziehung gibt: Überleben und Entfalten. Im Grunde sind das zwei Grundmodi des Familienlebens: Es gibt Momente, Phasen oder Zeiten, in denen man einfach das ganze Theater nur überstehen  will, Hauptsache man kommt ohne große Kollateralschäden in den nächsten Tag. Und dann gibt es den Wunsch nach Entfaltung und Erfüllung, nach dem guten Leben, den großen Ideen, die man für sich und die Seinen hat. Siegel und Bryson beschreiben nun, dass gerade in den Überlebensmomenten durchaus gute Ansatzpunkte für den Entfalten-Modus liegen. Das mag etwas „advanced“ klingen, aber ich will hier nicht in die Feinheiten dieses Ansatzes einsteigen. Für mich reicht es manchmal schon, zu wissen, dass es diese beiden Modi gibt (und das ich sie wähle). Und wenn ich zu stark im Überlebensmodus reagiere, dass ich mich darin erinnere, dass es auch noch einen anderen Modus gibt.

Vertrauen, das es sich (gut) entwickeln wird. „Alles ist nur eine Phase. Man weiß nur nicht, wie lange sie dauert.“ Klingt vielleicht ein bisschen witzig, ist aber ein weiser Satz. Ein sehr weiser Satz sogar. Und auch wenn es vielleicht platt klingt, mir hat dieser Satz tatsächlich schon des öfteren geholfen.

Was (noch) nicht klappt: Von den Rhythmen und Bedürfnissen der kindlichen Entwicklung her denken. Mir fällt immer wieder auf, wie sehr wir uns in unserem Tun an die Fremdlogiken der uns umgebenden Systemen angepasst haben. Die alles dominierende Grundlogik ist die Erwerbsarbeit. Dementsprechend suchen wir nach Betreuungsmöglichkeiten, die die Zeiten der Erwerbsarbeit abdecken. Deshalb unterwerfen wir uns wiederum den Abholzeiten dieser Einrichtungen. Und so weiter. Das ist alles auch logisch und nachvollziehbar. Aber es ist schon erschreckend, dass wir kaum (gar nicht?) von der Logik der kindlichen Entwicklung her denken. Unserem Hannoverjungen tut beispielsweise ein Mittagsschläfchen nach wie vor sehr gut (er ist viereinviertel), in der Kita gab es das aber nur in der U3-Betreuung. Und das ist nur ein Beispiel unter tausend anderen. Unser (Alltags-)Leben ist eine Verschachtelung von zig Fremdlogiken miteinander, um alles am Laufen zu halten. Hmm…

Was fehlt: Personal (kleiner Scherz). Nein, der Clan.

Dinge hinkriegen (1) – Alltagskram

Seit ich Kinder habe, habe ich das Gefühl, immer hinterher zu hecheln, ständig irgendwelche Dinge nicht hinzuzkriegen. Ich habe dieses Gefühl nicht permanent, aber regelmäßig. Irgendwie gehört es wohl zum Vatersein bzw. Kinderhaben dazu. Wenn dem so ist, dann hat das zwei Konsequenzen.

Erstens: Es grundsätzlich zu akzeptieren. Es geht weniger darum, mein Leben zu optimieren, sondern meine Haltung zu überdenken. Zweitens: Es braucht ein paar möglichst einfache Prinzipien, wie ich gut durch Tag und Leben komme. Ich will mich dabei weder in den Grundsätzlichkeiten der Vereinbarkeitsdebatte noch in Zeitmangementtipps verzetteln. Ich habe einmal zusammengetragen, was ich hilfreich finde.

Pen & Paper. Das wichtigste (und einzige) Tool, das ich habe: Mein ToDo-Buch. Es ist eine schwarze Notizbuchkladde im A5-Format mit nummerierten Blanko-Blättern. Darein schreibe ich alles, was an Aufgaben anfällt, und zwar sowohl berufliche wie auch private, kurzfristige wie langfristige Aufgaben. Ich finde es wichtig, alles an einem Ort zu haben. Wenn die Aufgabe erfüllt ist, streiche ich sie durch, wenn die ganze Seite erledigt ist, reiße ich sie heraus. Fertig. Ich habe imer mal wieder mit verschiedenen Rubriken experimentiert (zum Beispiel nach Tätigkeiten sortiert: telefonieren, überweisen, recherchieren, schreiben, konzipieren etc), aber umso differenzierter das Ganze angelegt ist, desto weniger taugt es für mich. Ich nutze keine digitalen Tools. Das liegt daran, dass ich ein Pen-and-Paper-Mensch bin. Ich habe so die beste Übersicht, das handschriftliche Niederschreiben (und Durchstreichen!) ist ein wichtiger Akt und wenn das Tool mal abstürzt, hebe ich es einfach wieder auf und muss keine Sorge haben, dass es nicht wieder hochfährt.

Effektiv vor effizient. Es gibt viele gute Zeitmanagement-Tipps. Doch oft kreisen sie darum, die Effizienz zu steigern. Mir ist aber mittlerweile wichtiger, dass bestimmte Aufgaben wirksam erledigt werden (wirksam, nicht perfekt!) und ich habe gemerkt, dass mir Effektivität wichtiger ist als Effizienz. Natürlich könnte ich die Effizienz an vielen Stellen noch steigern, aber die Energie setze ich lieber in die Effektivität. Effektiv zu sein macht auch viel mehr Spaß als effizient zu sein. Das, was ich dann nicht hinkriege, ist wahrscheinlich einfach zu viel – und nicht einfach durch höhrer Effizienz zu lösen.

In den Tagesablauf einbauen. Wiederkehrenden Angelegenheit müssen einen Platz im Tagesablauf finden können. Zumindest theoretisch. Was dort nicht rein passt, passt einfach nicht. Ende.

Mit dem Tagesrhythmus arbeiten. Ich merke deutlich, dass es für bestimmte Aufgaben die richtige und die falsche Tagesszeit gibt. Ich nutze das allerdings zu wenig. Langfristig will ich versuchen, auch stärker mit den Jahreszeiten und der Witterung zu arbeiten (aber davon bin ich weit entfernt).

Mit dem Job koppeln. Ich versuche, möglichst viele Besorgungen direkt vor oder nach der Arbeit zu erledigen, damit entfällt ein Anfahrtsweg. Zum Friseur gehe ich immer in der Nähe meiner Arbeitsstelle, oft in der Mittagspause.

Die Auswahl reduzieren, wo immer es geht. Ich hatte darauf ja schon mal beim Jeans-Kauf hingewiesen. Und selbst bei der Bewältigung der Informationsflut, die auf mich einstürzt, nutze ich das (immer öfter): Ich lese möglichst viel zu meinen thematischen Schwerpunkten. Darüber hinaus nur das, was mir von anderen empfohlen wird (meist via Twitter). Sonst nichts.

Viele Termine und Verpflichtungen sind nicht wirklich wichtig. Sie mögen dringend sein, aber nicht wichtig. Nun gut, das ist bekannt. Mir hilft immer mal wieder diese kleine Übung: Stell dir vor, wie du in einem (in zwei, fünf, zehn) Jahren über diesen Termin denken wirst: Wird der Termin in der Rückschau immer noch wichtig gewesen sein? Wurde dort tatsächlich eine Entscheidung getroffen, die bis heute Auswirkungen hat? Die Antwort wird in den meisten Fällen „nein“ lauten. Die Welt dreht sich weiter, auch wenn ich den Termin absage. Eine von Richard Rohrs 5 initiatorischen Wahrheiten lautet ja: „Du  bist nicht wichtig.“ Und das stimmt. Omnipotenzphantasien sollte man eh nicht zu viel Raum geben.

Kleine Zeitfenster nicht verplanen. Es bringt eh nichts.

Schlafen, wenn immer es möglich ist. Es bringt mehr, als alles andere.

Was (noch) nicht klappt: Meine Energie-Räuber ausrotten. Abends sitze ich oft zu lange vor dem Rechner und dödele so rum. Schlafen zu gehen wäre wesentlich sinnvoller. Oder mit Freunden zu telefonieren (dazu später mehr). Oder einfach im Wohnzimmer zu tanzen (auch dazu später mehr). Kann ich nicht oder will ich nicht?