Sachenmachenliste und Büchergelesenhaufen 2016

Huuu, neues Jahr! Schnell noch der Rückblick. Diesmal in zweifacher Ausführung.

Hier erstmal der Rückblick auf die 2016er-Sachenmachen-Liste:

Diesen Blog habe ich – meinen geringen Kenntnissen entsprechend – etwas aufgehübscht. Etwas professioneller soll’s noch werden, das steht noch aus. Aber er soll als Blog erkennbar sein, ganz oldschool. — Im Hohen Venn waren wir, sogar zweimal. Schön da. — Ich habe an insgesamt 5 Seminaren teilgenommen (geplant waren 6), volles Programm. Und siehe, es war sehr gut. Sehr sehr. Thematisch drehte es sich dabei immer um Wandel & Transformation. Viel erfahren und gelernt, und auch auf einer Meta-Ebene prägend (ich bin ja selbst in der Bildungsarbeit tätig und gucke mir gerne was ab). —  Das Sommerfest wurde ein Herbstfest, richtig schön. Und so einfach: Termin festlegen, anderen Kita-Eltern bescheid geben, Kaffeemaschine im Garten installieren und Feuer anmachen. Fertig. — Ich bin ja kein großer Bibelleser (die Geschichten und die Weisheit finde ich toll, aber sowohl als literarisches Werk wie auch als heiliges Buch ist es für mich immer wieder schwierig), daher ab und an mal bestimmte Leseabsichten. Und hier bin ich auf eine wirklich interessante Idee gestoßen: alles, was Jesus gesagt hat, rot markieren. Also eine selbstgemachte Red-Letter-Edition. Noch lange nicht fertig, aber erkenntnisreich. — Das Lastenfahrrad ist noch nicht gekauft, ich liebäugle mittlerweile auch viel mehr mit einem E-Bike samt einem Kindersattel auf dem Oberrohr. — Das Familienseminar bei Sobonfu war richtig gut. Und bei uns reift die Idee, aus dem Format „Familienseminar“ bzw. „Familien auf Seminare“ etwas zu machen. — Sich mit dem Thema Zucker zu beschäftgigen war ein echter Augenöffner (hinter die Erkenntniss, dass eine handeslübliche Tafel Schokolade aus 50g – also der Hälfte! – an Zucker besteht, kann ich nun nicht mehr zurück). Aber zuckerfrei kann und will ich nicht. — Kohlenstofflich habe ich dieses Jahr Jan, Wolfgang, Yvonne, Sandra und Konrad aus meiner Twitteria kennengelernt, beim EmergentForum war ich leider doch nicht. — Ja, und der gute Ort, das wird. Sowohl an Ideen als auch konkret.

Ob es für dieses Jahr auch wieder eine Sachenmachenliste gibt? Ich weiß es noch nicht… Aber jetzt kommt Teil II des Jahresrückblicks:

Das hier sind die Bücher, die ich im letzten Jahr gekauft habe. Nicht alle ganz durchgelesen (Sachbücher lese ich eh nicht linear und außerdem hat Marshall McLuhan ja völlig recht!), aber zumindest erkenntnsigewinnend gelesen. Darum geht’s ja. Ich klage ja immer darüber, dass ich keine Zeit zum Lesen habe, aber mir scheint die These doch nicht ganz haltbar zu sein:

wp_20170104_007Ich will hier jetzt keine Buchbesprechung zu jedem einzelnen machen, nur ein paar rückblickende Beobachtungen aufzählen:

Ja, es sind ausschließlich Sachbücher. Zum Belletrsitiklesen habe ich einfach zu wenig Ruhe. Es gibt ein paar Bücher, die ich aus rein privatem bzw. aus rein beruflichem Interesse lese (letzteres waren eher Bibliotheksbücher, die sind hier nicht mit dabei), aber eigentlich ist das nur schwer zu trennen. Meine privaten und beruflichen Themen sind auch nicht immer zu trennen. Und das finde ich sehr gut so.

Die oberste Reihe sind die Bücher rund um Familie. Man erkennt wohl die Artgerecht/Achtsamkeits-Tendenz. „Wurzeln & Flügel“ habe ich gleich als Tipp in meinem Familienspiritualitäts-Blogpost aufgenommen. Den Doppelband von Joseph Cornell zur Naturerfahrung mit Kindern habe ich mir zugelegt, weil ich eine Waldgruppe in der Kita mache – und musste feststellen, dass Wald solch ein Selbstläufer ist, dass man gar keine Naturspiele braucht.

(Was hier völlig fehlt sind die Kinderbücher. Die meisten leihen wir uns zudem aus der Bibliothek aus)

Das Thema gewaltfreie Kommunikation brachte meine Frau letztes Jahr mit. Ich bin begeistert – weniger als Kommunikations-, sondern als Selbsterkundungsmethode. Und man kann sehen, wie vielseitig die GfK ist. Zwei Bücher (oben rechts) gehören in die Familienreihe, der Übungsbuch-Klassiker ins dienstliche Bücherregal und das „Exerzitien“-Buch nutzt GfK als spirituellen Übungsweg.

Wandel & Transformation – das ist die mittlere Reihe. Durchgearbeitet habe ich die beiden wirklich dicken Schinken von Ursula Seghezzi. Da mich die Frage interessiert, wie/ob ihr Lebensrad mit dem christlichen Kirchenjahr vereinbar ist, musste ich mir noch den Bieritz als Nachschlagewerk dazu kaufen. Zur Frage (bzw. dem Problem) des Naturbezugs des Christentums ist Hans-Joachim Werners „Eins mit der Natur“ ein wunderbarer Türöffner. Und ein Augenöffner ist Vivian Dittmars Gebrauchsanweisung für Gefühle. Dieses Buch, in dem Gefühle als „soziale Kräfte“ und der Umgang mit ihnen vorgestellt werden, ist gerade in unserer postfaktischen Zeit unendlich wichtig. Denn jetzt werden ständig auf ziemlich dumme Art „Vernunft“ und „Gefühle“ gegeneinander ausgespielt, sehr gefährlich! Lesen, lesen, lesen – am besten in Kombination mit Marshall Rosenberg! Über das Buch von Diana Richardson, das letzte in dieser Reihe, schweige ich mich hier aus : ))  Ich empfehle aber, in die Materie einzudringen.

Christliche Spiritualität & weitere Weisheitstraditionen. Dazu gehören auch die gerade erwähnten Bücher zur Natur, zum Kirchenjahr und das Exerzitien-Buch. Über eine „Spirituality of Food“ schreibt die Quäkerin Lisa McMinn. Die Bücher von David Steindl-Rast und Henri Nouwen habe ich hier im Blog ja schon vielfältig verarbeitet. Das steht für das Buch von Richard Rohr über das falsche und das wahre Selbst noch aus. Das Buch werde ich mir nochmal als Passions-Lese vornehmen. Richard Rohr setzt hier Christi Sterben und Auferstehung in Bezug zum Sterben des Egos und der Auferstehung des Selbst. Zu gegebener Zeit dazu mehr hier im Blog. Dann noch ein paar Bücher zu anderen Weiheitstraditionen, vor allem John O’Donohues Anam Cara (das nicht unchristlich, aber vor allem keltisch ist) fehlte noch im Bücherregal.

Last but not least gleich vier Bücher aus dem Drachenverlag, meine Entdeckung des letzten Jahres. Der Drachenverlag gibt auch die OYA heraus und ich könnte glatt das halbe Sortiment aufkaufen (natürlich neben dem Sortiment des Arbor-Verlags – dieses Jahr nur ein Buch von dort, aber ein ganz wichtiges). Über Wendel Berrys „Körper und Erde“ ist auch schon ein Blogbeitrag in Arbeit, das Schwitzhüttenbuch wird mögen, wer Schwitzhütten mag und bei der Permakultur will ich der Frage nachgehen, inwiefern die Prinzipien (über den Ökoanbau hinaus) generell als Bausteine für „gutes Leben“ taugen.

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Familienspiritualität

Ich beschäftige mich (immer mal wieder) mit Spiritualität in der Familie. In unserer Familie. Und jetzt habe ich einmal versucht, die ganzen Ideen zusammenzuschreiben: das, was wir machen und das, was wir machen wollen. Ich schreibe dies hier auch, um mich selbst immer wieder an die Ideen zu erinnern – aber natürlich auch, um Anregungen zu geben.

WP_20160824_001 (2) Weiterlesen „Familienspiritualität“

getrenntsein & verbundensein

Update: Diesen Artikel habe ich im Mai 2017 leicht überarbeitet: Die Grafik ist präziser aber auch umfangreicher geworden. Dementsprechend habe ich den Text bei den Erklärungen zur Grafik etwas angepasst.

Jesus wird gefragt: Meister, welches ist das höchste Gebot im Gesetz? Jesus aber antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt (5.Mose 6,5). Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst (3.Mose 19,18). In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.
(Matthäus 22, 35-40)

Gottesliebe, Nächstenliebe, Selbstliebe – diese drei Arten der Liebe fassen kurz & knapp zusammen, wie christliche Lebenspraxis aussehen könnte. Und es ist eine Struktur, die (fast) alle spirituellen Bezüge umfasst: die Beziehung zu mir selbst, zu den Anderen und zu Gott.

In letzter Zeit entdecke ich immer wieder Puzzle-Stückchen hierzu. Vor einiger Zeit bin ich bei David Steindl-Rast auf den Gedanken gestoßen, dass die religiösen Praktiken fasten, teilen und beten Wege darstelle, das Getrenntsein von mir selbst, den Anderen und von Gott zu überwinden. Das nächste Fundstück kam dann bei Henri Nouwen: Er beschreibt drei Bewegungen, drei Dynamiken auf dem spirituellen Weg, die ebenfalls dieser Struktur entsprechen. Und Möglichkeiten, wie man Selbst- und Nächstenliebe üben kann, findet man zum Beispiel bei den Exerzitien der Nächstenliebe.

All das passt wunderbar zusammen und ich habe diese „Beziehungs-Struktur“ einmal skizziert.

Die Trias im „Höchsten Gebots“ ist schön und gut, doch für mich mich fehlt da noch etwas Wesentliches: die Erde selbst, unsere natürliche Umgebung. Die Verbindung mit der Natur, mit allem, was lebt bzw. die Liebe zu unserer Heimat Erde samt allen Erdlingen ist existenziell, gerade auch in spiritueller Hinsicht.

In meiner Skizze geht es mir ums Verbundensein. Genauer: Um die Zustände des Getrenntsein und die Wege, wieder in Verbindung zu kommen. Man kann auch noch einen Schritt weiter – bzw. tiefer – gehen und sagen, dass dies die vier Dimensionen sind, in denen wir Versöhnung brauchen.

Fügt man all dies zusammen, sieht das so aus:

 

Auch wenn im Liebesgebot knapp und klar formuliert ist, dass sich Selbst- und Fremdliebe die Waage halten sollen, wurde die Selbstliebe im Christentum oft verdrängt. Das ist tragisch, aber es zeigt sich ja – leider – immer wieder, dass der Inhalt und die Wirkungsgeschichte von Religion oft auseinandergehen. Oft sind es einfach Ungleichgewichte in diesen Beziehungen. Gerade bin ich wieder auf ein Beispiel gestoßen: In einer Kita-Konzeption habe ich den Satz gefunden, dass die religiöse Erziehung darauf ziele, „Gott und den Nächsten zu lieben“ – ausgerechnet die Beziehung zu sich selbst und zur Natur fehlen! Dabei sind diese – gerade auch ihre spirituellen Dimensionen – in meinen Augen für 2- bis 5-Jährige ganz wichtig.

Damit sind wir bei einem weiteren Schatten der christlichen Tradition, der völligen Naturvergessenheit. Dies kann natürlich nicht dem Liebesgebot angelastet werden, aber es haut zumindest noch einmal in dieselbe Kerbe. Mir ist diese vierte Liebes- bzw. Verbindungsdimension wichtig, für mich ist sie auch deutlicher Bestandteil des christlichen Glaubens (Beweisführung später an anderer Stelle), daher ergänze ich sie hier. Ich habe sie übrigens nicht „Schöpfungsliebe“ genannt, weil die Schöpfung ja auch mich und meine Mitmenschen miteinschließt. Mir geht es um die natürliche Umwelt, um unsere Heimat Erde, um Pflanzen und Tiere, und um all unsere Geschwister, wie Franziskus sie im Sonnengesang besingt: Feuer, Erde, Wasser, Luft, Sonne, Mond und Sterne. Die Beziehung zur Natur mag zu biblischen Zeiten viel präsenter gewesen sein und bedurfte weniger einer gesonderten Erwähnung. Heute ist sie wichtiger denn je. Und wenn wir uns auf den Weg machen, unsere Beziehung zur Erde mitsamt ihren Lebewesen neu auszurichten, hat dies auch unmittelbarte Auswirkungen auf die anderen drei Beziehungen.

Noch ein paar Hinweise zu einigen Formulierungen und Zuordnungen.

Die Idee mit den Bewegungen stammt von Henri Nouwen. Ich habe aber andere Formulierungen gewählt: „Vom falschen Selbst zum wahren Selbst“ stammt von Richard Rohr. „Von der Ablehnung zur Einladung“ orientiert sich auch an Henri Nouwen (er nennt es „Von der feindseligen Ablehnung zur Gastfreundschaft“). Hinter „Von der Entfremdung zur Lebendigkeit“ steckt meine Beobachtung, dass die Entfremdung von der Natur die stärkste Entfremdung ist, der wir derzeit unterliegen (so sehe ich es zumindest) und dass man gerade in der Natur Lebenskraft und Lebendigkeit erfahren kann. „Hesychia“ bei der Gottesbeziehung bedeutet Herzensruhe/Herzensfrieden.

Dass man den Verbindungsdimensionen konkrete „klassische“ religiöse Praktiken zuordnen kann, habe ich von David Steindl-Rast übernommen. Beten ist naheliegend. Auch Teilen dürfte sich von selbst verstehen. Hier ist allerdings wichtig, dass es sich wirklich um Teilen handelt, nicht um Spenden. Zum Verständnis des Teilens hatte ich vor ein paar Jahren schon einmal eine kleine Notiz auf diakonisch.de geschrieben, die immer noch lesenswert ist. Wenn man beginnt, zu reduzieren und auf bestimmte Dinge – ob für kurz oder lang  – verzichtet, kommt man sehr schnell bei sich selbst an. Jeder der fastet kann diese Erfahrung machen. Daher passt das Fasten in der Tat gut zur Beziehung mit mir selbst. Allerdings geht es hier wirklich um Fasten im klassischen Sinne, also um ein bewusst gewähltes Verzichten auf materielle Dinge. Die immer alberner werdende Fastanaktion der evangelischen Kirche („Sieben Wochen Ohne“) geht einen anderen Weg. Beim Danken stellt sich meist ein Gefühl von Abhängigkeit (im Sinne von Verwobenheit, Verbundenheit, Angewiesensein) ein, und oft auch ein Gefühl von Lebendigkeit. Daher habe ich es der Verbindung mit „allem, was lebt“ zugeordnet.

Ergänzt habe ich das Ganze um weitere Ansätze, die helfen, sich zu verbinden. Im Gegensatz zur ersten Version habe ich dies nun noch präzisiert und sie 3 verschiedenen Katageorien zugeordnet. Bei der Lebenspraxis geht es um sehr grundsätzliche Praxis: Bedürfnisse erkunden, Gastfreundschaft üben, im Einklang mit der Natur leben und Gebetspraxis. Danach führe ich einige Ansätze auf zur tieferen Erkundung & heilsamen Unterstützung. Die Sammlung ist natürlich subjektiv, sie entspricht meinen persönlichen Vorlieben. Alles, was ich hier aufgeführt habe, schätze ich sehr, und ich halte es vor allem für wirksam. Es sind für mich nicht bloß Methoden und Tools, sondern tatsächlich spirituelle Ansätze. Abschließend gibt es noch einige ausgewählte Übungen/Meditationen für die Alltagspraxis. Hier geht es um Verbindungspraktiken, die mit wenig Aufwand und alleine durchführbar sind. Das Herzensgebet (Verbindung mit Gott) und das Sitzen in Stille (Verbindung mit mir) erschließen sich wohl von selbst. Die Übungen zur Disidentifikation (Roberto Assagioli), zur Herzens-Verbindung (die ich bei Anna Gamma gefunden habe) zum „Bauchen“ (aus einem Naturpädagogik-Handbuch von Michael Kalff) und die Sitzplatz-Übung (ein Klassiker der Wildnispädagogik) stelle ich nochmal als eigenen Beitrag vor.

Die kleine Skizze soll zeigen, dass es spirituell gesehen mehere Beziehungen gibt – und damit mehrere Zustände des Getrenntseins und Wege, diesem Getrenntsein wieder etwas entgegen zu setzen. Alle vier Beziehungen wirken aufeinander. Und alles zusammen ist dann – auch wenn es etwas oldschool klingt – Frömmigkeitspraxis. Diese Praxis sollte ausgewogen sein – wie das genau aussieht, muss jeder für sich selbst herausfinden, auch das ist Teil der Praxis.

Ein „Höchstes Gebot“ – mit dem ja der Blogbeitrag begann – würde ich so formulieren:

Suche die Verbindung
zu dir selbst
zu den Menschen um dich herum
zur Erde mit allem, was auf ihr lebt
zu Gott

Verharre nicht im Getrenntsein
Es ist nicht heilsam
Mache dich auf den Weg
Prüfe alles, was dir begegnet und behalte das Gute

Lass dich versöhnen
mit dir selbst
mit den Menschen um dich herum
mit der Erde samt allem, was auf ihr lebt
mit Gott

 

Beten mit Kindern

WP_20160511_002Als ich anfing, mich mit Beten mit Kindern zu beschäftigen, stieß ich auf dieses Buch: Heidi & Jörg Zink: Wie Sonne und Mond einander rufen. Ein Klassiker, leider vergriffen, aber antiquarisch noch erhältlich.

Das Buch ist wunderbar: unpathetisch und weise. (Das einzige, was etwas stört, ist die gelegentliche Gleichsetzung von „Eltern“ und „Mutter“. Da alles andere wirklich gut ist, lese ich darüber einfach hinweg).

In vier Kapiteln gibt es Gebete und Gedanken zu den verschiedenen Anlässen: Tagesablauf, Jahresverlauf, Geburtstag & Taufe, Gebete der Eltern für die Kinder. Dazwischen immer wieder Reflexionen übers Beten und Tipps für den religiösen Familienalltag.

Ein Abschnitt beschäftigt sich ganz grundlegend mit dem „Kindergebet in der Familie“ (S. 117-118). Er beginnt mit einer interessanten Beobachtung:

„Es war noch nie so schwierig, sich in religiösen Dingen auszusprechen, wie heute. Nicht, weil der Glaube selbst schwieriger geworden wäre – der Glaube war auch früher nichts Einfaches – sondern deshalb, weil wir heute mehr von uns verlangen. Unsere Großeltern begnügten sich mit gelernten Versen. Wir verlangen von uns eigene Worte, die unserer besonderen und eigenen Überzeugung Ausdruck geben“ (S. 117).

Es ist knapp vierzig Jahre her, dass die Zinks dies geschrieben haben. Dies spiegelt sicherlich die 70er-Jahre wider, in der nach langer Zeit der Verkrustung nun neu und eigenständig formuliert und gesprochen werden wollte. Aber der Gedanke, nicht zu viel zu verlangen, gefällt mir. Und ich nehme ihn als Plädoyer für vorformulierte, für liturgische Gebete.

Ein paar Hinweise zum Beten möchte ich hier wiedergeben. Da das Buch vergriffen ist, zitiere ich mal etwas ausführlicher.

Wenn man auf vorformulierte Gebete zurückgreift, sollten sie nicht kindisch sein:

„Wenn wir mit Kindern beten, sprechen wir Worte, die sich wie so vieles, was sie hören und nachsprechen, in ihr Herz und Gedächtnis fast unauslöschlich einprägen. Sie sind in der Erinnerung des erwachsenen Menschen mehr oder weniger bewußt noch da und reden und deuten weiter. Wir sollten mit Kindern also Gebete lernen, mit denen der fünfzehnjährige Junge und die vierzigjährig Frau noch etwas anfangen können und mit denen sie sich nicht kindisch vorkommen müssen, wenn sie sie noch einmal zu sprechen versuchen. Kinder werden mit den Worten, die sie lernen erwachsen. Verse, mit denen sie nicht erwachsen werden können, weil sie kindisch und für den Vierzigjährigen nicht mehr wahr sind, sind darum auch für das Kind nicht geeignet. Ein Kind braucht nicht nur das ‚Kindgemäße‘. Es braucht ganz ebenso Gedanken von Erwachsenen, und das heißt: Worte, in die es erst durch langes Hören allmählich eindringt. Wenn die Eltern ein Gebet sprechen, das dem Kind ‚zu hoch‘ ist, weil es dem Anspruch von Erwachsenen entspricht, öffnet sich ihm eine große und fremde Welt, in die hineinzuwachsen ja eben seine Aufgabe und seine Chance ist. […] ‚So legt euch denn, ihr Brüder, in Gottes Namen nieder‘ – diesen Vers betet das Vierjährige mit, und derselbe Vers ist für den Siebzigjährigen immer noch gültig“ (S. 117, 118).

Und Gebete sollen natürlich keinen theologischen Quatsch vermitteln. Gerade auch deshalb, weil sich Gebete (wie Lieder) leicht einnisten. Oft hilft es schon, mit einem Gebet nicht zu viel zu sagen.

„Es ist gut, wenn wir vor Gott – und auch vor den Menschen – im Gebet nicht zu viel sagen. Wer etwa sagt: ‚Ich bin klein, mein Herz mach (oder gar ist) rein, laß niemand drin wohnen als Jesus allein‘, sagt zu viel. So fromm ist kein Einsiedler in der Wüste, daß in seinem Herzen niemand mehr wohnt als Jesus allein. Im Herzen eines Kindes sollen Eltern und Geschwister wohnen und Platz haben […]. (S. 118)

In ein Gebet gehören keine Deutungen. Ein Gebet dient dem Ausdrücken der eigenen Frömmigkeit und nicht der Verkündigung oder Erziehung.

Und ein letzter Tipp: Eltern sollten (ein paar) Gebete auswendig lernen.

Dazu gleich zwei Vorschläge aus dem Buch.

Als Abendgebet:

Die Nacht bricht an
über Stadt und Feld.
Gott segne die Erde,
behüte die Welt.

Als Tischgebet kann man einen Vers aus Christian Morgensterns „Liebe Sonne, liebe Erde“ mit „Alle guten Gaben“ verbinden:

Einer:
Erde, die uns dies gebracht,
Sonne, die es reif gemacht,
liebe Sonne, liebe Erde,
euer nicht vergessen werde!

Alle:
Alle guten Gaben,
alles, was wir haben,
kommt, o Gott, von dir.
Wir danken dir dafür. Amen.

Ritual-Radar

Rituale im Familienleben sind ja ein beliebtes Thema. Und eigentlich ist dazu auch alles schon einmal gesagt worden.

Aber jetzt bin ich doch noch auf eine schöne Sache gestoßen, (m)ein Ritual-Radar.

Von der zeitlichen Struktur kann man ja zwischen wiederkehrenden Ritualen des Jahreskreises und Ritualen im Lebenslauf (in der Regel einmalig, aber das muss nicht zwingend so sein) unterscheiden. Bleiben wir bei den wiederkehrenden Ritualen, denn die Lebenslauf-Rituale sind in aller Regel Weiterlesen „Ritual-Radar“

Drei Wurzeln

Hier ist der zweite Beitrag in meiner was mir (als Vater) wichtig ist-Reihe.

Wichtig ist mir ein guter Kontakt zu den eigenen biografischen Wurzeln. Vielleicht ist das ein Thema, das in der zweiten Lebenshälfte (erst? wieder?) seine ganze Bedeutung entfaltet. Aber gerade deshalb finde ich es wichtig, hierauf ein paar Gedanken zu verschwenden.

Durch Friedrich Assländer bin ich auf einen Gedanken von Thich Nath Hanh aufmerksam geworden, der drei biografische Wurzeln unterscheidet: Weiterlesen „Drei Wurzeln“

sterben können

Ich wollte immer schon mal etwas dazu bloggen, wie mich mein Vatersein verändert hat. Eine Sache ist mir nämlich vor einiger Zeit sehr deutlich bewusst geworden. Drumherum wollte ich dann noch ein bisschen was Lustiges schreiben, zum Beispiel dass ich mittlerweile alles (alles!) auch einhändig kann (weil man ja ständig ein Kind auf dem Arm hat) oder dass ich erst als Vater entdeckt habe, wie lecker Fenchel schmeckt.

Jetzt ist aber vor ein paar Tagen die Debatte um #regrettingmotherhood aufgeploppt. Und ich lass jetzt mal alles Lustige weg und nenne nur diese eine Sache, die mich sehr grundlegend verändert. Weiterlesen „sterben können“