2018

Mittlerweile ist das neue Jahr ja schon ein paar Tage alt, und mit diesem Abstand will ich ein paar Dinge nennen, die mir wichtig sind und von denen ich mir wünsche, dass sie mein Jahr prägen werden.

Mehr schreiben

Als ich mir zum Jahreswechsel überlegt habe, was in 2018 ansteht, was ich machen und gerne erreichen möchte, waren da immer wieder „Produkte“ darunter, die mit Schreiben zu tun haben. Ich hege ja keinerlei wissenschaftliche Absichten – und ich bin heilfroh darüber. Ein altes Projekt hängt immer noch in der Pipeline (und books-on-demand ist wirklich eine feine Sache!), die eine oder andere berufliche Doku steht noch aus, Blogartikelideen habe ich in Hülle und Fülle und, nennen wir es mal, Lebenskunst-Gebrauchstexte mag ich einfach.

Schreiben steht auch auf meiner Was-mir-gut-tut-Liste (#8, #9, #10). Also: Mehr schreiben. Einfach mehr schreiben dieses Jahr.

Früher nach Hause

Da ich öfter abends oder am Wochenende arbeiten muss, will ich unter der Woche früher Feierabend machen. Und zwar deutlich konsequenter als bisher. Um 16:00 Uhr ist jetzt Schluss. Ausnahmen bestätigen die Regel, klar aber grundsätzlich bin ich nur noch bis vier im Büro. Das heißt eine Stunde früher zuhause – und diese eine Stunde wirkt sich unglaublich positiv auf das Familienleben aus. Ich habe mir für die nächsten Wochen die 16Uhr-Marke im Kalender notiert. Einfach einen Strich auf Höhe von 16h gezogen, das ist eigentlich gar nicht schwer.

Weitermachen: Weniger Rechner, kein Smartphone

Mein Notebook war so alt, dass es irgendwann nicht mehr nutzbar war. Ich habe es weggetan und nicht sofort ein neues gekauft (auch aus dem Grund, weil ich überhaupt nicht wusste, was für eines). Das tat mir gut. Abends einfach mal auf dem Balkon sitzen und nicht vorm Rechner.

Da ich dann die Aktivitäten auf mein Smartphone verlagerte, habe ich auch das Smartphone weggelegt (ich habe zudem auch immer Pech mit meinen Smartphones, sie wollen nie so, wie ich es will und geben irgendwann ihren Geist auf – aber vielleicht soll es ja gerade so ein). Ich habe mir statt dessen ein Nokia 3310 gekauft, die 2017er-Edition. Da gab es sogar einen Lieferengpass, weil ich anscheinend nicht der einizige bin, der auf diese Idee kam. Mit meinem neuen Handy kann ich telefonieren und SMS schreiben, es hat einen Taschenrechner, einen  Wecker und eine Taschenlampe – wunderbar!

Dankbarkeitspraxis

Ich habe zwei spirituelle Praktiken: Herzensgebet und Dankbarkeitspraxis. Zu beidem habe ich hier auf dem Blog ja schon einiges geschrieben. Mein Artikel über die verschiedenen Dankbarkeitsübungen ist übrigens der meistgelesene auf dem Blog.

Seit dem letzten Jahr führe ich ein Dankbarkeitstagebuch, nicht täglich, aber doch sehr regelmäßig. Vorher habe ich mehrere Anläufe genommen, bis ich eine Variante entwickelt habe, die für mich wirklich funktioniert. Die Details erkläre ich später mal hier. Damit will ich weiter machen. Kaum etwas ist so wirkungsvoll und heilsam.

Heartfulness

Ich entdecke mein Herz (wenn das mal nichts ist!). Ich finde es erstaunlich, an wie vielen verschiedenen Stellen ich letztes Jahr auf dieses Thema gestoßen bin. Es sind ganz unterschiedliche Zugänge, aber das Spannende daran ist: organische, emotionale und spirituelle Dimensionen verweben sich miteinander. Dies ist verhältnismäßig neu, in den letzten Jahren scheint es da tatsächlich einige Erkenntnis-Durchbrüche gegeben zu haben, ich überblicke das noch nicht ganz. Ich ahne, dass da (für mich) ein wichtiger Schlüssel liegt. Wozu wird sich noch zeigen.

Es gibt Meditationen, die beim Herzen ansetzen. Zwei solcher Herz-Meditationen beschreibe ich im nächsten Blogpost, dann wird vielleicht deutlicher, was ich damit meine.

Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass Heartfulness in den nächsten Jahren einen Boom erleben wird. Ich habe ja nie so recht einen Zugang zur Achtsamkeitspraxis gefunden. Vielleicht ist mir bei der Mindfulness – Achtsamkeit ist ja der deutsche Übersetzungsversuch für das englische Mindfulness – einfach zuviel mind im Spiel.

Mein Platz im Wandel

Die letzten beiden Blogartikel (wir & jetzt und Die 4 Dimensionen des Wandels) haben sich ja mit der Frage nach dem eigenen Platz im Wandel beschäftigt. Das eigentliche Ding ist, diesen Platz zu finden und ihn einzunehmen.

Ich habe einige recht konkrete Ideen, angefangen dass ich meine Spendenpraxis überdenke und wohl ändern werde. Auch entdecke ich immer mehr, wie sehr mich das Stichwort „Grüne Reformation“ beschäftigt, und dass ich dazu tatsächlich etwas anbieten und beitragen kann (einen Blogbeitrag hatte ich ja bereits angekündigt, den ich ja noch schuldig geblieben bin).

 

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Väterliches Herz

Matthew Fox, der alte Haudegen, nennt neun Eigenschaften eines „väterlichen Herzens“.

Wie so oft bei Matthew Fox kommt seine Zusammenstellung eher intuitiv-assoziativ daher – aber das muss ja nicht schecht sein. Ich finde sie gut, wahr und schön. Daher stelle ich sie hier ein. Als Anregung.

Ich zitiere dazu jeweils ein, zwei Sätze der neun Eigenschaften:

1. Liebevolle Fürsorge. Das väterliche Herz umsorgt. […]

2. Großzügiges Geben. Das väterliche Herz ist ein gebendes, ein großzügiges Herz. Kinder können das Beste aus einem Mann herausholen, und das ist die Fähigkeit zu großzügigem Geben. […]

3. Zuhören. Das väterliche Herz ist auch aufnehmend; es hört zu. Es schreibt nichts vor und antwortet nicht mit dem Aktions-Reaktions-Schema des Reptiliengehirns. […]

4. Vorausschauen. Ein väterliches Herz berücksichtigt die Zukunft. Es begreift, das ein Vater sterblich ist und nicht immer dasein wird. Es sorgt für die Zukunft […]

5. Ermutigung. Ein väterliches Herz ist ein ermutigendes Herz. Es hilft seinen Kindern dabei, selbst Mut zu entwickeln, indem es sie lehrt, wie man stark genug für die Reise des Lebens wird …]

6. Den Überblick bewahren. […] Weil es nicht in der Vergangenheit lebt und keinen Groll mit sich herumträgt, sondern vielmehr gesunde Ventile für seinen Zorn findet, ist es auch nicht verbittert. Verntile wie das Heilen und Dienen. […]

7. Spielerisch und zugewandt. Ein väterliches Herz ist spielerisch-ausgelassen und liebevoll zugewandt. […]

8. Schutz. Ein väterliches Herz beschützt. […]

9. Unterweisung. Ein guter Vater lehrt und unterweist. […]

(Quelle: Matthew Fox, Die verborgene Spiritualität des Mannes, 2011, S. 233-234)

Matthew Fox bezieht dies übrigens nicht nur auf biologisches Vatersein, sondern auf alle Arten von Vaterschaften. Und das väterliche Herz richtet sich nicht nur auf Kinder, sondern auch auf Gemeinschaften. Das nur als Ergänzung.

Ich höre es für mich aber trotzdem erst einmal ganz im buchstäblichen Sinne…

Kinder in den Wald

In der Kita vom Hannoverjungen habe ich im letzten Jahr Waldtage gemacht, insgesamt zwölf Stück. Im Grunde waren es Waldvormittage: Eine feste Gruppe mit acht Vier- und Fünfjährigen, eine  Erzieherin der Kita und ich zogen für 3 Stunden in den nahe gelegenen Wald(streifen).

Fünf Gedanken will ich hier teilen. Und danach meine Lieblings-Waldbücher empfehlen.

Wald ist ein Selbstläufer. Man muss fast nichts machen. Das musste ich erst lernen. Am Anfang hatte ich immer kleine Spiele vorbereitet, so die Klassiker: Suchaufträge, Fühlmemory usw. Aber die Kinder wollten das gar nicht, sie wollten einen anderen Klassiker: Freispiel. Einfach im Wald sein: Toben, Buddeln, Entdecken, Bauen. Sie wissen etwas mit sich und dem Wald anzufangen. Wir mussten wenig „machen“, hauptsächlich den Rahmen gestalten: Nest bauen, Morgenlied singen, frühstücken. Und zum Schluss wieder in den Kreis und ein Abschlusslied singen.

Die Gestimmtheit im Wald. Wald ist etwas Besonderes. Es gibt einige Landschaften, die eine ganz eigene Gestimmtheit ausstrahlen: Küste, Berge, Wüste… Und eben auch der Wald. Das merken auch die Kinder. Ich habe den Eindruck, dass sie anders spielen. Und das liegt nicht einfach nur am draußen sein, es hat etwas mit dem Wald selbst zu tun. Das fiel mir besonders im Vergleich zur Wiese auf. Einige wenige Male haben wir einen Teil der Zeit auf einer parkähnlichen Wiese neben dem Wald verbracht. Das Spiel und die Stimmung der Kindern waren anders. Ich empfand einen unterschwellige Aufforderung nach Animation und Entertainment, die ich im Wald so nie gespürt habe.

Wald bietet viel. Wald geht bei fast jedem Wetter. Während man in der Kita bei Regen natürlich drin bleibt, ist Regen im Wald kein großes Problem. Die Bäume halten einiges ab, zur Not spannt man eine Plane und matschige Erde ist ja eh wunderbar (das eine oder andere Mal hatte ich echt ein bisschen Sorge, Ärger von den anderen Eltern zu bekommen, weil die Kinder wirklich richtig, richtig dreckig zurückkamen). – Was der Wald auch wie kaum eine andere Umgebung bietet: Man kann sich dort wunderbar gemeinsam und alleine beschäftigen. Man kann jederzeit wechseln, grad was für einen am besten passt. Immer wieder gab es Kinder, die für eine zeitlang ganz alleine gespielt haben.

Warum Wald? Bindung vor Bildung ist ja eins der Mantren der bedürfnisorientierten Erziehung. Ich finde das auch ganz richtig. Und neben der Bindung/Beziehung zu Eltern, Geschwistern, Familie und Freunden ist für mich eben auch die Bindung zur Natur von ganz großer Bedeutung. Ich glaube, dass es keine Überdosis Natur gib (wohl aber eine Überdosis Gruppenraum!). Also: Raus, so oft es geht! Aber eben nicht nur einfach nach draußen , sondern möglichst naturnah. Wenn man die drei bisherigen Gedanken zusammennimmt – Selbstläufer, Gestimmtheit und Potenzial – dann frage ich mich, warum Kindergarten-Kinder nicht viel, viel öfter in der Natur sind.

Input & Output. 12 mal vormittags in den Wald erforderte exakt eine Woche Überstunden und 3 Tage Urlaub. Das ist machbar. Besser ist es natürlich, wenn man sich das mit mehreren teilt, aber mir war wichtig, dass es überhaupt losgeht und funktioniert, da ist es nicht verkehrt, wenn das in einer Hand liegt. Ich hatte nicht immer Lust dazu, aber jedes Mal war ich nachher glücklich (siehe den zweiten Punkt!). Den Kindern hat’s richtig gut gefallen. Und auf einmal gab es noch eine zweite Waldgruppe für eine andere Kita-Gruppe. Wegen der Gerechtigkeit (ich finde, Wald selbst hätte als Argument gereicht, aber so ist es natürlich auch gut). Der Hannoverjunge kommt nun in die Schule, heute war der letzte Kindergartentag. Aber die Waldtage gehen weiter. Die nächsten Väter stehen schon in den Startlöchern.

***

Hier nun meine Lieblings-Waldbücher. Es gibt zu dem Thema mittlerweile Unzähliges, daher empfehle ich gerne eine kleine, feine Auswahl.

Aber weiterhin gilt, was ich ganz am Anfang schon geschrieben habe: Der Wald ist ein Selbstläufer, man braucht also auch keine Bücher. Doch ich stöbere immer gerne und mir hilft das, mich selbst einzustimmen.

Ich glaube, man kann grob zwei Arten von Naturerfahrung(sspiel)en unterscheiden: nämlich das Erforschen der Natur und das sich Verbinden mit der Natur. Mein Ansatz zielt vor allem auf die Verbundenheit. In den vier folgenden Büchern findet man einige richtig tolle Ideen und Übungen dazu.

Eines „meiner“ ersten Naturbücher war Susanne Fischer-Rizzis Mit der Wildnis verbunden – Kraft schöpfen, Heilung finden (antiquarisch, es gibt aber eine Neuauflage). Es ist schon recht speziell, eine Mischung aus Weisheitswissen und Naturspiritualität, wunderbar. Es kreist immer wieder um das, was ich oben als „Gestimmtheit“ bezeichnet habe. Und übers ganze Buch verteilt sind ca. 50 „Ideen zum Ausprobieren“. Nicht unbedingt für Kindergartenkinder geeignet, aber für sich selbst: zum selbst Ausprobieren und zum Reinkommen in eine ganz andere Beziehung zur Natur. (Danke Joerg!)

Ein gutes Buch mit vielen konkreten Ideen zu Naturaktionen und -spielen ist Waldfühlungen (gibt’s auch als Wiesen-, Wasser- und Wetterfühlungen). Die Naturideen sind nach Jahreszeiten geordnet, die Wahrnehmungsübungen nochmal nach Sinnen sortiert. Und vor allem viel zu Bäumen (inklusive Mythologie und Geschichten zu den verschiedenen Bäumen), mich faszinieren Bäume einfach…

In der Naturwerkstatt Landart aus dem AT Verlag gibt es neben viel Grundlegendem zur Naturkunst auch ein extra Kapitel rund um Landart mit Kindergartenkinder (ebenso auch für Schulkinder, Jugendliche und Erwachsene). Auch wenn ich es nicht ausprobiert habe, scheint mir das sehr praxistauglich zu sein. Und über Landart hinaus finden sich hier auch etliche weitere gute Aktionen zur Naturverbundenheit, es muss nicht immer gleich ein Kunstwerk erschaffen werden.

Michael Kalffs Handbuch zur Natur- und Umweltpädagogik (nur noch antiquarisch, je nach Angebotslage recht teuer, aber lohnend!) ist ein Klassiker. Im Untertitel wird gleich der „Umwelt“-Begriff zurechtgerückt, denn es geht um ein „tieferes Mitweltverständnis“, und so ist das Buch im Grunde eine Art Tiefenökologie-Pädagogik, auch wenn dieser Begriff gar nicht fällt. Das Buch zielt auf eine meditative Naturbegegnung und -erfahrung, dazu bietet Michael Kalff gute didaktische Reflexionen. Anfang der 90er geschrieben, atmet es auch noch etwas den Geist der 80er, ich mag das. Sehr textlastig, sehr gehaltvoll.

Wer Aktionen und Ideen sucht, bei denen stärker das Entdecken & Erforschen im Vordergrund steht, sollte unbedingt den Ordner Kinder entdecken die Natur – Aktionsordner von der Naturschutzjugend (NAJU) bestellen. Allerdings richten sich die Aktionen an Kinder ab 6 Jahren, also für Kindergartenkinder eher nicht geeignet. Das passt aber auch zu meiner Erfahrung, dass die mitgenommenen Becherlupen überhaupt nicht der Renner waren…

Last but not least will ich noch den Natur-Spiele-Klassiker von Joseph Cornell erwähnen: Mit Cornell die Natur erleben – Naturerfahrungsspiele für Kinder und Jugendliche. Es ist quasi eine Kreuzung von Umweltbildung mit amerikanischer New Games-Tradition. Joseph Cornell hat in seiner Didaktik eine  vierschrittige Dramaturgie entwickelt: 1. Begeisterung wecken, 2. Konzentriert wahrnehmen, 3. Unmittelbar erfahren/verbinden, 4. Gemeinsam teilhaben. Diese vier Typen und auch die Abfolge finde ich plausibel und ich habe meine Ideen-Sammlung danach strukturiert.

***

Was mir gefehlt hat, ist eine gute Liedersammlung. Entweder habe ich falsch gesucht oder es gibt wirklich nichts Dolles. Ich werde auf jeden Fall nochmal meine Sammlung an Schöpfungs- & Naturliedern zusammenstellen, das kommt aber gesondert in einem Blogpost (und dann nicht nur für Kinder).

Wir haben zum Abschluss immer das Lied „Du hast uns deine Welt geschenkt“ gesungen. Mit zwei kleinen Änderungen: Statt „Herr“ singen wir „Gott“, und nach jeder Strophe rufen die Kinder rein, welche zwei Naturdinge wir in die nächste Strophe einbauen. Irgendetwas, das wir an dem Tag gesehen haben.

Sachenmachenliste und Büchergelesenhaufen 2016

Huuu, neues Jahr! Schnell noch der Rückblick. Diesmal in zweifacher Ausführung.

Hier erstmal der Rückblick auf die 2016er-Sachenmachen-Liste:

Diesen Blog habe ich – meinen geringen Kenntnissen entsprechend – etwas aufgehübscht. Etwas professioneller soll’s noch werden, das steht noch aus. Aber er soll als Blog erkennbar sein, ganz oldschool. — Im Hohen Venn waren wir, sogar zweimal. Schön da. — Ich habe an insgesamt 5 Seminaren teilgenommen (geplant waren 6), volles Programm. Und siehe, es war sehr gut. Sehr sehr. Thematisch drehte es sich dabei immer um Wandel & Transformation. Viel erfahren und gelernt, und auch auf einer Meta-Ebene prägend (ich bin ja selbst in der Bildungsarbeit tätig und gucke mir gerne was ab). —  Das Sommerfest wurde ein Herbstfest, richtig schön. Und so einfach: Termin festlegen, anderen Kita-Eltern bescheid geben, Kaffeemaschine im Garten installieren und Feuer anmachen. Fertig. — Ich bin ja kein großer Bibelleser (die Geschichten und die Weisheit finde ich toll, aber sowohl als literarisches Werk wie auch als heiliges Buch ist es für mich immer wieder schwierig), daher ab und an mal bestimmte Leseabsichten. Und hier bin ich auf eine wirklich interessante Idee gestoßen: alles, was Jesus gesagt hat, rot markieren. Also eine selbstgemachte Red-Letter-Edition. Noch lange nicht fertig, aber erkenntnisreich. — Das Lastenfahrrad ist noch nicht gekauft, ich liebäugle mittlerweile auch viel mehr mit einem E-Bike samt einem Kindersattel auf dem Oberrohr. — Das Familienseminar bei Sobonfu war richtig gut. Und bei uns reift die Idee, aus dem Format „Familienseminar“ bzw. „Familien auf Seminare“ etwas zu machen. — Sich mit dem Thema Zucker zu beschäftgigen war ein echter Augenöffner (hinter die Erkenntniss, dass eine handeslübliche Tafel Schokolade aus 50g – also der Hälfte! – an Zucker besteht, kann ich nun nicht mehr zurück). Aber zuckerfrei kann und will ich nicht. — Kohlenstofflich habe ich dieses Jahr Jan, Wolfgang, Yvonne, Sandra und Konrad aus meiner Twitteria kennengelernt, beim EmergentForum war ich leider doch nicht. — Ja, und der gute Ort, das wird. Sowohl an Ideen als auch konkret.

Ob es für dieses Jahr auch wieder eine Sachenmachenliste gibt? Ich weiß es noch nicht… Aber jetzt kommt Teil II des Jahresrückblicks:

Das hier sind die Bücher, die ich im letzten Jahr gekauft habe. Nicht alle ganz durchgelesen (Sachbücher lese ich eh nicht linear und außerdem hat Marshall McLuhan ja völlig recht!), aber zumindest erkenntnsigewinnend gelesen. Darum geht’s ja. Ich klage ja immer darüber, dass ich keine Zeit zum Lesen habe, aber mir scheint die These doch nicht ganz haltbar zu sein:

wp_20170104_007Ich will hier jetzt keine Buchbesprechung zu jedem einzelnen machen, nur ein paar rückblickende Beobachtungen aufzählen:

Ja, es sind ausschließlich Sachbücher. Zum Belletrsitiklesen habe ich einfach zu wenig Ruhe. Es gibt ein paar Bücher, die ich aus rein privatem bzw. aus rein beruflichem Interesse lese (letzteres waren eher Bibliotheksbücher, die sind hier nicht mit dabei), aber eigentlich ist das nur schwer zu trennen. Meine privaten und beruflichen Themen sind auch nicht immer zu trennen. Und das finde ich sehr gut so.

Die oberste Reihe sind die Bücher rund um Familie. Man erkennt wohl die Artgerecht/Achtsamkeits-Tendenz. „Wurzeln & Flügel“ habe ich gleich als Tipp in meinem Familienspiritualitäts-Blogpost aufgenommen. Den Doppelband von Joseph Cornell zur Naturerfahrung mit Kindern habe ich mir zugelegt, weil ich eine Waldgruppe in der Kita mache – und musste feststellen, dass Wald solch ein Selbstläufer ist, dass man gar keine Naturspiele braucht.

(Was hier völlig fehlt sind die Kinderbücher. Die meisten leihen wir uns zudem aus der Bibliothek aus)

Das Thema gewaltfreie Kommunikation brachte meine Frau letztes Jahr mit. Ich bin begeistert – weniger als Kommunikations-, sondern als Selbsterkundungsmethode. Und man kann sehen, wie vielseitig die GfK ist. Zwei Bücher (oben rechts) gehören in die Familienreihe, der Übungsbuch-Klassiker ins dienstliche Bücherregal und das „Exerzitien“-Buch nutzt GfK als spirituellen Übungsweg.

Wandel & Transformation – das ist die mittlere Reihe. Durchgearbeitet habe ich die beiden wirklich dicken Schinken von Ursula Seghezzi. Da mich die Frage interessiert, wie/ob ihr Lebensrad mit dem christlichen Kirchenjahr vereinbar ist, musste ich mir noch den Bieritz als Nachschlagewerk dazu kaufen. Zur Frage (bzw. dem Problem) des Naturbezugs des Christentums ist Hans-Joachim Werners „Eins mit der Natur“ ein wunderbarer Türöffner. Und ein Augenöffner ist Vivian Dittmars Gebrauchsanweisung für Gefühle. Dieses Buch, in dem Gefühle als „soziale Kräfte“ und der Umgang mit ihnen vorgestellt werden, ist gerade in unserer postfaktischen Zeit unendlich wichtig. Denn jetzt werden ständig auf ziemlich dumme Art „Vernunft“ und „Gefühle“ gegeneinander ausgespielt, sehr gefährlich! Lesen, lesen, lesen – am besten in Kombination mit Marshall Rosenberg! Über das Buch von Diana Richardson, das letzte in dieser Reihe, schweige ich mich hier aus : ))  Ich empfehle aber, in die Materie einzudringen.

Christliche Spiritualität & weitere Weisheitstraditionen. Dazu gehören auch die gerade erwähnten Bücher zur Natur, zum Kirchenjahr und das Exerzitien-Buch. Über eine „Spirituality of Food“ schreibt die Quäkerin Lisa McMinn. Die Bücher von David Steindl-Rast und Henri Nouwen habe ich hier im Blog ja schon vielfältig verarbeitet. Das steht für das Buch von Richard Rohr über das falsche und das wahre Selbst noch aus. Das Buch werde ich mir nochmal als Passions-Lese vornehmen. Richard Rohr setzt hier Christi Sterben und Auferstehung in Bezug zum Sterben des Egos und der Auferstehung des Selbst. Zu gegebener Zeit dazu mehr hier im Blog. Dann noch ein paar Bücher zu anderen Weiheitstraditionen, vor allem John O’Donohues Anam Cara (das nicht unchristlich, aber vor allem keltisch ist) fehlte noch im Bücherregal.

Last but not least gleich vier Bücher aus dem Drachenverlag, meine Entdeckung des letzten Jahres. Der Drachenverlag gibt auch die OYA heraus und ich könnte glatt das halbe Sortiment aufkaufen (natürlich neben dem Sortiment des Arbor-Verlags – dieses Jahr nur ein Buch von dort, aber ein ganz wichtiges). Über Wendel Berrys „Körper und Erde“ ist auch schon ein Blogbeitrag in Arbeit, das Schwitzhüttenbuch wird mögen, wer Schwitzhütten mag und bei der Permakultur will ich der Frage nachgehen, inwiefern die Prinzipien (über den Ökoanbau hinaus) generell als Bausteine für „gutes Leben“ taugen.

Familienspiritualität

Immer (mal) wieder beschäftige mich mit Spiritualität in der Familie. In unserer Familie. Und jetzt habe ich versucht, die all das zusammenzuschreiben: das, was wir machen und das, was wir machen wollen. Ich schreibe dies vor allem auch deshalb, um mich selbst immer wieder an die Ideen zu erinnern.

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Christliche Familienspiritualität hat für mich drei große Zugänge: der Jahreskreis, Praktiken und Lebenshaltungen, die Spiritualität nähren (Wurzeln). Es mag sicherlich noch anderes geben, aber diese drei Zugänge sind für mich die wesentlichen.

Beim Jahreskreis braucht man gute Ideen, bei den Praktiken muss man oft erst ein bisschen rumprobieren und bei den Wurzeln braucht es den Blick dafür, wie man sie im Alltag nähren kann.

 

Jahreskreis: Feste feiern

Wenn man die Feste des Jahreskreises feiert, immer und immer wieder, wird man dreierlei entdecken: Es gibt einen zyklischen Ablauf in der Zeit, es gibt Gründe zum Feiern und den Festen und Zeiten wohnen bestimmte Themen inne.

Im Grunde sind es ja zwei Jahreskreise, nämlich das Kirchenjahr und der Verlauf der Jahreszeiten. Beide hängen an etlichen Stellen zusammen und gerade diese Beziehungen sind spannend. Sie sind nicht immer sofort eingänglich, bieten aber viele Erkenntnisse über unsere Welt (…und was sie im Innersten zusammenhält). Gerade die alten (Kirchenjahres-)Feste und Bräuche haben oft eine Tiefe und Weisheit, die sich nicht immer sogleich erschließt. Wer hier gerne etwas tiefer bohren oder einfach nur anregend stöbern möchte, dem sei das beste Buch zum Thema empfohlen: Die Heilkraft der Feste von Hans Gerhard Behringer.

fffEine recht einfache Sache ist es ja, an den öffentlichen Festen teilzunehmen, also beispielsweise beim Martins-Umzug mitziehen oder den Erntedank-Gottesdienst besuchen.

Deutlich Anspruchsvoller wird es, die Kirchenjahres- oder Jahreszeitenfeste Zuhause in der Familie zu begehen. Es braucht zum einen gute Anregungen, zum anderen muss man rechtzeitig dran denken. Meistens scheitert es wohl aus diesen beiden Gründen. Eine praktische und gehaltvolle Inspirationsquelle ist für uns die (katholische) Internetseite Familien feiern Feste der Diözesen Innsbruck und Bozen-Brixen geworden.

 

Praktiken: Die eigene Spiritualität ausdrücken

Das Nächste sind religiöse Praktiken: Singen, Beten, Erzählen, Meditieren, Segnen (und das schon erwähnte Feiern gehört natürlich auch in diese Reihe, aber das Feiern des Jahresverlaufs ist für mich halt nochmal ein ganz eigener Zugang). All diese Praktiken sind einfach, elementar und da sie seit Jahrtausenden gepflegt werden irgendwie auch archaisch.

Singen. Ich bin immer wieder beeindruckt, was Singen für eine Kraft und Tiefe hat. Beim Singen kann das Herz aufgehen. Singen ist etwas sehr Körperliches. Und wenn man singt, erlebt man, selbst Urheber zu sein – wohl eine der wichtigsten Erfahrungen, die man in dieser Welt machen kann. Singen kann man in vielen Varianten: vorsingen (vor allem beim Einschlafen), gemeinsam singen, mitsingen (z.B. zur CD), alleine singen.

Beten. Ich mag ritualisierte, vorformulierte Gebete. Dazu habe ich hier schon etwas geschrieben. Beim freien Beten finde ich gut, wenn es eine gewisse Struktur hat. Eine tolle Sache ist es, mit den „Perlen des Glauben“ zu beten (auch hierzu später mehr…). Und dann gibt es auch die Idee, auch mit Kindern das Herzensgebet zu beten. Dazu sollten die Kinder aber etwas älter sein (daher habe ich damit noch keine Erfahrung), außerdem empfielt Rüdiger Maschwitz einige Dinge zu beachten.

Erzählen und Vorlesen. Religionen sind Erzähltraditionen. Und Erzählen ist ein Kulturgut. Ich bin kein so guter Erzähler (zumindest im Vergleich zu meiner Frau), ich verlege mich hier aufs Vorlesen. Aber das ist ja auch gut. Mit Kinderbibeln habe ich bisher noch nicht so viel Erfahrung. Nur so viel: Ich mag Kees de Kort und Jörg Zink. Die Kees de Kort-Bilderbücher sind ja sehr bekannt (hier eine tolle Reportage über ihn). Weniger bekannt, trotzdem ein Klassiker, ist „meine“ alte Kinderbibel: Der Morgen weiß mehr als der Abend von Jörg Zink. Ich finde sie erzählerisch und theologisch großartig. Allerdings sollte man sich unbedingt antiquarisch die vergriffene Auflage aus dem Kreuz-Verlag besorgen, nicht die aktuell erhältliche Neuveröffentlichung aus dem Nikol-Verlag (ästhetisch deutlich schlechter!).

Zum Meditieren zählen für mich Stille-Übungen, WahrnehmungsÜbungen (den Atem wahrnehmen, die Natur wahrnehmen) und das Imaginieren. In der Praxis sind es meist Mischformen. Ein klein bisschen Erfahrung haben wir damit schon gemacht, auch hier kommt noch ein eigener Beitrag. Auf meiner Liste ganz oben stehen diese beiden Bücher: Stillsitzen wie ein Frosch und Kinder endtdecken ihre innere Kraft.

Aufs Segnen bin ich erst gar nicht gekommen. Aber mir wird es immer wichtiger. Das eine ist: sich segnen zu lassen. Das haben wir zum Beispiel mal auf dem Schwanberg gemacht (in dem die Segnung fester Bestandteil des Morgengottesdienstes ist). Schön finde ich, sich als Familie segnen zu lassen – also nicht nur die Kinder. Das andere ist: selbst zu segnen. Ich glaube, dass dies eine ganz wesentliche Aufgabe von Eltern ist: ihre Kinder zu segnen, ihnen die Hände aufzulegen und ein Segenswort zu sprechen, ihnen die Kraft zuzusprechen, die trägt. Vielleicht später dazu einmal mehr, ich muss damit erst selbst noch mehr Erfahrung machen. Aber erstaunlich, dass das Segnen eher unüblich ist. — Kurz & kompakt zum Segnen von Kindern ist diese Handreichung (eher ein Handzettel) der Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung. Sehr ausführlich & empfehlenswert ist die Arbeitshilfe über das Segnen der Württembergischen Landeskirche.

Spirituelle Lebenshaltungen nähren

Bei diesem dritten Zugang geht es um all das, was Spiritualität im Alltag nährt, fördert, ermöglicht. Hier könnte man nun unzählige Sachen aufzählen, aber ich finde es anregender, nur wenige aber wesentliche Haltungen zu nennen. Hier meine fünf Favoriten: Verbundenheit, Mitgefühl, Achtsamkeit, Staunen, Schöpferischsein. Zu jedem Aspekt ist viel zu sagen, aber ich mach es kurz (auch weil ich selbst noch gar nicht so viel beisteueren kann).

Zur Verbundenheit habe ich ja schon etwas ausführlicher gebloggt. Hier geht’s erstmal um die Verbundenheit mit der eigene Familie, später mit den „Peers“ und natürlich mit der Natur. Anregend kann es auch sein, die eigenen Wurzeln zu bedenken.

Eine gute Idee, Mitgefühl zu entwickeln, ist das Geschichtenvorlesen (oder Bilderbuchangucken) und sich dann in die einzelnen Leute hineinzuversetzen: Wie fühlen sie sich wohl gerade? Und: Kennst du das auch, wie würdest du dich in der Situation fühlen?

Achtsamkeit – ein weites Feld. Mir fällt Achtsamkeit oft schwer, aber andererseits nervt mich Unachstamkeit kolossal. Eine schöne Inspirationsquelle ist der Blog Achstamkeit im Alltag leben und natürlich die Internetseite des Arbor-Verlags.

Staunen ist schon etwas Tolles. Staunen heißt ja, auf etwas Unerwartetes zu treffen und sich davon begeistern zu lassen. Ich staune immer wieder, worüber meine Kindern staunen. Wie kann man es fördern? „Add Magic to the Ordinary“ vielleicht? Oder einfach selber staunen…

Und schließlich ist da noch das Entdecken, selbst etwas zu erschaffen, schöpferisch zu sein. Zu erleben, selbst Urheber zu sein, Schöpferkraft zu besitzen – das geht natürlich gut bei allem Kreativen. Schönheit spielt dabei keine Rolle – der Satz „Das hast du aber schön gemacht!“ ist daher auch nichts so glücklich – sondern das sich Ausdrücken und Erschaffen. Wenn im christlichen/kirchlichen Kontext betont wird, dass der Mensch „Ebenbild Gottes“ sei, wird daraus meist Würde und Wert des Menschen abgeleitet. Viel näherliegend finde ich allerdings folgenden Zusammenhang: Wenn Gott der Schöpfer ist und der Mensch das Ebenbild Gottes, dann ist der Mensch… genau, selbst auch Schöpfer. Darum geht’s!

 

Zum Stöbern: die Perlen

hkdfEs gibt viele Bücher (und auch Internetseiten) rund um Spiritualität und Religion in der Familie. Allerdings gibt es auch sehr viel Gedöns. Daher möchte ich hier einige Perlen verlinken…

Beim Thema Feste feiern hatte ich ja schon auf die Internetseite Familien feiern Feste hingewisen. Das umfassende Buch „Die Heilkraft der Feste“ ist nur noch antiquarisch oder beim Autor selbst zu erhalten.

ggbZu den Praktiken, den „Ausdrucksformen“, kann ich das Buch Gemeinsam Gott begegnen sehr empfehlen. Dort beschreibt Rüdiger Maschwitz den Ansatz Kinder geistlich zu begleiten – in Abgrenzung zur Formulierung „Kinder religiös zu erziehen“. Ein paar Ideen finden sich auch auf seiner Internetseite kinder-geistlich-begleiten.de (etwas altbackener Look, aber guter Inhalt).

wufAnton Bucher, katholischer Religionspädagog-Prof, hat ein schönes Buch über spiritulle Erziehung geschrieben: Wurzeln und Flügel – Wie spirituelle Erziehung für das Leben stärkt. Er versteht Spiritualität als Verbundensein, und zwar mit natur & Kosmos, mit der sozialen Mitwelt, mit einem höheren, göttlichen Wesen und mit dem Selbst (also ziemlich genau das, was ich auch in meinem Blogbeitrag getrenntsein & verbundensein beschreibe). Alle vier Dimensionen werden gut verständlich erklärt und mit etlichen Anregungen versehen.

Wer schöne kreative Ideen sucht, viele Kunst- und Natur-Sachen, der findet auf dem Blog Explore and Express tolle Anregungen. Das Blog ist stark von Montessori und Godly Play geprägt und ist für mich ein Top-Tipp!

Etwas mehr churchy ist die Seite Spiritual Child Network. Der eigentliche Tipp ist die dazugehörende Facebook-Gruppe. Einfach mal abonnieren und gucken, ob es für einen passt…

10pfspLast but überhaupt nicht least noch das Buch 10 Principles for Spiritual Parenting. Leider gibt es das nicht auf deutsch. Mit guten Fragen für Kinder und für die ganze Familie, um in das jeweilige Thema einzusteigen plus Affirmationen & Mantren für Eltern und Kinder.

Beten mit Kindern

WP_20160511_002Als ich anfing, mich mit Beten mit Kindern zu beschäftigen, stieß ich auf dieses Buch: Heidi & Jörg Zink: Wie Sonne und Mond einander rufen. Ein Klassiker, leider vergriffen, aber antiquarisch noch erhältlich.

Das Buch ist wunderbar: unpathetisch und weise. (Das einzige, was etwas stört, ist die gelegentliche Gleichsetzung von „Eltern“ und „Mutter“. Da alles andere wirklich gut ist, lese ich darüber einfach hinweg).

In vier Kapiteln gibt es Gebete und Gedanken zu den verschiedenen Anlässen: Tagesablauf, Jahresverlauf, Geburtstag & Taufe, Gebete der Eltern für die Kinder. Dazwischen immer wieder Reflexionen übers Beten und Tipps für den religiösen Familienalltag.

Ein Abschnitt beschäftigt sich ganz grundlegend mit dem „Kindergebet in der Familie“ (S. 117-118). Er beginnt mit einer interessanten Beobachtung:

„Es war noch nie so schwierig, sich in religiösen Dingen auszusprechen, wie heute. Nicht, weil der Glaube selbst schwieriger geworden wäre – der Glaube war auch früher nichts Einfaches – sondern deshalb, weil wir heute mehr von uns verlangen. Unsere Großeltern begnügten sich mit gelernten Versen. Wir verlangen von uns eigene Worte, die unserer besonderen und eigenen Überzeugung Ausdruck geben“ (S. 117).

Es ist knapp vierzig Jahre her, dass die Zinks dies geschrieben haben. Dies spiegelt sicherlich die 70er-Jahre wider, in der nach langer Zeit der Verkrustung nun neu und eigenständig formuliert und gesprochen werden wollte. Aber der Gedanke, nicht zu viel zu verlangen, gefällt mir. Und ich nehme ihn als Plädoyer für vorformulierte, für liturgische Gebete.

Ein paar Hinweise zum Beten möchte ich hier wiedergeben. Da das Buch vergriffen ist, zitiere ich mal etwas ausführlicher.

Wenn man auf vorformulierte Gebete zurückgreift, sollten sie nicht kindisch sein:

„Wenn wir mit Kindern beten, sprechen wir Worte, die sich wie so vieles, was sie hören und nachsprechen, in ihr Herz und Gedächtnis fast unauslöschlich einprägen. Sie sind in der Erinnerung des erwachsenen Menschen mehr oder weniger bewußt noch da und reden und deuten weiter. Wir sollten mit Kindern also Gebete lernen, mit denen der fünfzehnjährige Junge und die vierzigjährig Frau noch etwas anfangen können und mit denen sie sich nicht kindisch vorkommen müssen, wenn sie sie noch einmal zu sprechen versuchen. Kinder werden mit den Worten, die sie lernen erwachsen. Verse, mit denen sie nicht erwachsen werden können, weil sie kindisch und für den Vierzigjährigen nicht mehr wahr sind, sind darum auch für das Kind nicht geeignet. Ein Kind braucht nicht nur das ‚Kindgemäße‘. Es braucht ganz ebenso Gedanken von Erwachsenen, und das heißt: Worte, in die es erst durch langes Hören allmählich eindringt. Wenn die Eltern ein Gebet sprechen, das dem Kind ‚zu hoch‘ ist, weil es dem Anspruch von Erwachsenen entspricht, öffnet sich ihm eine große und fremde Welt, in die hineinzuwachsen ja eben seine Aufgabe und seine Chance ist. […] ‚So legt euch denn, ihr Brüder, in Gottes Namen nieder‘ – diesen Vers betet das Vierjährige mit, und derselbe Vers ist für den Siebzigjährigen immer noch gültig“ (S. 117, 118).

Und Gebete sollen natürlich keinen theologischen Quatsch vermitteln. Gerade auch deshalb, weil sich Gebete (wie Lieder) leicht einnisten. Oft hilft es schon, mit einem Gebet nicht zu viel zu sagen.

„Es ist gut, wenn wir vor Gott – und auch vor den Menschen – im Gebet nicht zu viel sagen. Wer etwa sagt: ‚Ich bin klein, mein Herz mach (oder gar ist) rein, laß niemand drin wohnen als Jesus allein‘, sagt zu viel. So fromm ist kein Einsiedler in der Wüste, daß in seinem Herzen niemand mehr wohnt als Jesus allein. Im Herzen eines Kindes sollen Eltern und Geschwister wohnen und Platz haben […]. (S. 118)

In ein Gebet gehören keine Deutungen. Ein Gebet dient dem Ausdrücken der eigenen Frömmigkeit und nicht der Verkündigung oder Erziehung.

Und ein letzter Tipp: Eltern sollten (ein paar) Gebete auswendig lernen.

Dazu gleich zwei Vorschläge aus dem Buch.

Als Abendgebet:

Die Nacht bricht an
über Stadt und Feld.
Gott segne die Erde,
behüte die Welt.

Als Tischgebet kann man einen Vers aus Christian Morgensterns „Liebe Sonne, liebe Erde“ mit „Alle guten Gaben“ verbinden:

Einer:
Erde, die uns dies gebracht,
Sonne, die es reif gemacht,
liebe Sonne, liebe Erde,
euer nicht vergessen werde!

Alle:
Alle guten Gaben,
alles, was wir haben,
kommt, o Gott, von dir.
Wir danken dir dafür. Amen.

Grenzarbeit

Vor Kurzem blieb ich an diesem Satz hängen:

„Gerade im Experimentieren mit Grenzen spiegelt sich das tiefe Bedürfnis nach Entwicklung […]“ (Marascha Daniela Heisig).

Gefunden habe ich den Satz in einem Buch über therapeutische Naturarbeit (S. 41). Ich konnte dem natürlich sofort zustimmen. Doch dann kam mir in den Sinn, dass bei Kinder gerne exakt das Gegenteil geraten wird: Kindern müssten Grenzen gesetzt werden! Weil sie das bräuchten und letztlich sogar einforderten. Und wer seinen Kindern keine setze, ziehe kleine Tyrannen heran oder könne sich schlicht nicht durchsetzen. Wer will das schon.

Kindern Grenzen zu setzen ist einer der populärsten Weiterlesen „Grenzarbeit“