2018

Mittlerweile ist das neue Jahr ja schon ein paar Tage alt, und mit diesem Abstand will ich ein paar Dinge nennen, die mir wichtig sind und von denen ich mir wünsche, dass sie mein Jahr prägen werden.

Mehr schreiben

Als ich mir zum Jahreswechsel überlegt habe, was in 2018 ansteht, was ich machen und gerne erreichen möchte, waren da immer wieder „Produkte“ darunter, die mit Schreiben zu tun haben. Ich hege ja keinerlei wissenschaftliche Absichten – und ich bin heilfroh darüber. Ein altes Projekt hängt immer noch in der Pipeline (und books-on-demand ist wirklich eine feine Sache!), die eine oder andere berufliche Doku steht noch aus, Blogartikelideen habe ich in Hülle und Fülle und, nennen wir es mal, Lebenskunst-Gebrauchstexte mag ich einfach.

Schreiben steht auch auf meiner Was-mir-gut-tut-Liste (#8, #9, #10). Also: Mehr schreiben. Einfach mehr schreiben dieses Jahr.

Früher nach Hause

Da ich öfter abends oder am Wochenende arbeiten muss, will ich unter der Woche früher Feierabend machen. Und zwar deutlich konsequenter als bisher. Um 16:00 Uhr ist jetzt Schluss. Ausnahmen bestätigen die Regel, klar aber grundsätzlich bin ich nur noch bis vier im Büro. Das heißt eine Stunde früher zuhause – und diese eine Stunde wirkt sich unglaublich positiv auf das Familienleben aus. Ich habe mir für die nächsten Wochen die 16Uhr-Marke im Kalender notiert. Einfach einen Strich auf Höhe von 16h gezogen, das ist eigentlich gar nicht schwer.

Weitermachen: Weniger Rechner, kein Smartphone

Mein Notebook war so alt, dass es irgendwann nicht mehr nutzbar war. Ich habe es weggetan und nicht sofort ein neues gekauft (auch aus dem Grund, weil ich überhaupt nicht wusste, was für eines). Das tat mir gut. Abends einfach mal auf dem Balkon sitzen und nicht vorm Rechner.

Da ich dann die Aktivitäten auf mein Smartphone verlagerte, habe ich auch das Smartphone weggelegt (ich habe zudem auch immer Pech mit meinen Smartphones, sie wollen nie so, wie ich es will und geben irgendwann ihren Geist auf – aber vielleicht soll es ja gerade so ein). Ich habe mir statt dessen ein Nokia 3310 gekauft, die 2017er-Edition. Da gab es sogar einen Lieferengpass, weil ich anscheinend nicht der einizige bin, der auf diese Idee kam. Mit meinem neuen Handy kann ich telefonieren und SMS schreiben, es hat einen Taschenrechner, einen  Wecker und eine Taschenlampe – wunderbar!

Dankbarkeitspraxis

Ich habe zwei spirituelle Praktiken: Herzensgebet und Dankbarkeitspraxis. Zu beidem habe ich hier auf dem Blog ja schon einiges geschrieben. Mein Artikel über die verschiedenen Dankbarkeitsübungen ist übrigens der meistgelesene auf dem Blog.

Seit dem letzten Jahr führe ich ein Dankbarkeitstagebuch, nicht täglich, aber doch sehr regelmäßig. Vorher habe ich mehrere Anläufe genommen, bis ich eine Variante entwickelt habe, die für mich wirklich funktioniert. Die Details erkläre ich später mal hier. Damit will ich weiter machen. Kaum etwas ist so wirkungsvoll und heilsam.

Heartfulness

Ich entdecke mein Herz (wenn das mal nichts ist!). Ich finde es erstaunlich, an wie vielen verschiedenen Stellen ich letztes Jahr auf dieses Thema gestoßen bin. Es sind ganz unterschiedliche Zugänge, aber das Spannende daran ist: organische, emotionale und spirituelle Dimensionen verweben sich miteinander. Dies ist verhältnismäßig neu, in den letzten Jahren scheint es da tatsächlich einige Erkenntnis-Durchbrüche gegeben zu haben, ich überblicke das noch nicht ganz. Ich ahne, dass da (für mich) ein wichtiger Schlüssel liegt. Wozu wird sich noch zeigen.

Es gibt Meditationen, die beim Herzen ansetzen. Zwei solcher Herz-Meditationen beschreibe ich im nächsten Blogpost, dann wird vielleicht deutlicher, was ich damit meine.

Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass Heartfulness in den nächsten Jahren einen Boom erleben wird. Ich habe ja nie so recht einen Zugang zur Achtsamkeitspraxis gefunden. Vielleicht ist mir bei der Mindfulness – Achtsamkeit ist ja der deutsche Übersetzungsversuch für das englische Mindfulness – einfach zuviel mind im Spiel.

Mein Platz im Wandel

Die letzten beiden Blogartikel (wir & jetzt und Die 4 Dimensionen des Wandels) haben sich ja mit der Frage nach dem eigenen Platz im Wandel beschäftigt. Das eigentliche Ding ist, diesen Platz zu finden und ihn einzunehmen.

Ich habe einige recht konkrete Ideen, angefangen dass ich meine Spendenpraxis überdenke und wohl ändern werde. Auch entdecke ich immer mehr, wie sehr mich das Stichwort „Grüne Reformation“ beschäftigt, und dass ich dazu tatsächlich etwas anbieten und beitragen kann (einen Blogbeitrag hatte ich ja bereits angekündigt, den ich ja noch schuldig geblieben bin).

 

Advertisements

Sachenmachenliste und Büchergelesenhaufen 2016

Huuu, neues Jahr! Schnell noch der Rückblick. Diesmal in zweifacher Ausführung.

Hier erstmal der Rückblick auf die 2016er-Sachenmachen-Liste:

Diesen Blog habe ich – meinen geringen Kenntnissen entsprechend – etwas aufgehübscht. Etwas professioneller soll’s noch werden, das steht noch aus. Aber er soll als Blog erkennbar sein, ganz oldschool. — Im Hohen Venn waren wir, sogar zweimal. Schön da. — Ich habe an insgesamt 5 Seminaren teilgenommen (geplant waren 6), volles Programm. Und siehe, es war sehr gut. Sehr sehr. Thematisch drehte es sich dabei immer um Wandel & Transformation. Viel erfahren und gelernt, und auch auf einer Meta-Ebene prägend (ich bin ja selbst in der Bildungsarbeit tätig und gucke mir gerne was ab). —  Das Sommerfest wurde ein Herbstfest, richtig schön. Und so einfach: Termin festlegen, anderen Kita-Eltern bescheid geben, Kaffeemaschine im Garten installieren und Feuer anmachen. Fertig. — Ich bin ja kein großer Bibelleser (die Geschichten und die Weisheit finde ich toll, aber sowohl als literarisches Werk wie auch als heiliges Buch ist es für mich immer wieder schwierig), daher ab und an mal bestimmte Leseabsichten. Und hier bin ich auf eine wirklich interessante Idee gestoßen: alles, was Jesus gesagt hat, rot markieren. Also eine selbstgemachte Red-Letter-Edition. Noch lange nicht fertig, aber erkenntnisreich. — Das Lastenfahrrad ist noch nicht gekauft, ich liebäugle mittlerweile auch viel mehr mit einem E-Bike samt einem Kindersattel auf dem Oberrohr. — Das Familienseminar bei Sobonfu war richtig gut. Und bei uns reift die Idee, aus dem Format „Familienseminar“ bzw. „Familien auf Seminare“ etwas zu machen. — Sich mit dem Thema Zucker zu beschäftgigen war ein echter Augenöffner (hinter die Erkenntniss, dass eine handeslübliche Tafel Schokolade aus 50g – also der Hälfte! – an Zucker besteht, kann ich nun nicht mehr zurück). Aber zuckerfrei kann und will ich nicht. — Kohlenstofflich habe ich dieses Jahr Jan, Wolfgang, Yvonne, Sandra und Konrad aus meiner Twitteria kennengelernt, beim EmergentForum war ich leider doch nicht. — Ja, und der gute Ort, das wird. Sowohl an Ideen als auch konkret.

Ob es für dieses Jahr auch wieder eine Sachenmachenliste gibt? Ich weiß es noch nicht… Aber jetzt kommt Teil II des Jahresrückblicks:

Das hier sind die Bücher, die ich im letzten Jahr gekauft habe. Nicht alle ganz durchgelesen (Sachbücher lese ich eh nicht linear und außerdem hat Marshall McLuhan ja völlig recht!), aber zumindest erkenntnsigewinnend gelesen. Darum geht’s ja. Ich klage ja immer darüber, dass ich keine Zeit zum Lesen habe, aber mir scheint die These doch nicht ganz haltbar zu sein:

wp_20170104_007Ich will hier jetzt keine Buchbesprechung zu jedem einzelnen machen, nur ein paar rückblickende Beobachtungen aufzählen:

Ja, es sind ausschließlich Sachbücher. Zum Belletrsitiklesen habe ich einfach zu wenig Ruhe. Es gibt ein paar Bücher, die ich aus rein privatem bzw. aus rein beruflichem Interesse lese (letzteres waren eher Bibliotheksbücher, die sind hier nicht mit dabei), aber eigentlich ist das nur schwer zu trennen. Meine privaten und beruflichen Themen sind auch nicht immer zu trennen. Und das finde ich sehr gut so.

Die oberste Reihe sind die Bücher rund um Familie. Man erkennt wohl die Artgerecht/Achtsamkeits-Tendenz. „Wurzeln & Flügel“ habe ich gleich als Tipp in meinem Familienspiritualitäts-Blogpost aufgenommen. Den Doppelband von Joseph Cornell zur Naturerfahrung mit Kindern habe ich mir zugelegt, weil ich eine Waldgruppe in der Kita mache – und musste feststellen, dass Wald solch ein Selbstläufer ist, dass man gar keine Naturspiele braucht.

(Was hier völlig fehlt sind die Kinderbücher. Die meisten leihen wir uns zudem aus der Bibliothek aus)

Das Thema gewaltfreie Kommunikation brachte meine Frau letztes Jahr mit. Ich bin begeistert – weniger als Kommunikations-, sondern als Selbsterkundungsmethode. Und man kann sehen, wie vielseitig die GfK ist. Zwei Bücher (oben rechts) gehören in die Familienreihe, der Übungsbuch-Klassiker ins dienstliche Bücherregal und das „Exerzitien“-Buch nutzt GfK als spirituellen Übungsweg.

Wandel & Transformation – das ist die mittlere Reihe. Durchgearbeitet habe ich die beiden wirklich dicken Schinken von Ursula Seghezzi. Da mich die Frage interessiert, wie/ob ihr Lebensrad mit dem christlichen Kirchenjahr vereinbar ist, musste ich mir noch den Bieritz als Nachschlagewerk dazu kaufen. Zur Frage (bzw. dem Problem) des Naturbezugs des Christentums ist Hans-Joachim Werners „Eins mit der Natur“ ein wunderbarer Türöffner. Und ein Augenöffner ist Vivian Dittmars Gebrauchsanweisung für Gefühle. Dieses Buch, in dem Gefühle als „soziale Kräfte“ und der Umgang mit ihnen vorgestellt werden, ist gerade in unserer postfaktischen Zeit unendlich wichtig. Denn jetzt werden ständig auf ziemlich dumme Art „Vernunft“ und „Gefühle“ gegeneinander ausgespielt, sehr gefährlich! Lesen, lesen, lesen – am besten in Kombination mit Marshall Rosenberg! Über das Buch von Diana Richardson, das letzte in dieser Reihe, schweige ich mich hier aus : ))  Ich empfehle aber, in die Materie einzudringen.

Christliche Spiritualität & weitere Weisheitstraditionen. Dazu gehören auch die gerade erwähnten Bücher zur Natur, zum Kirchenjahr und das Exerzitien-Buch. Über eine „Spirituality of Food“ schreibt die Quäkerin Lisa McMinn. Die Bücher von David Steindl-Rast und Henri Nouwen habe ich hier im Blog ja schon vielfältig verarbeitet. Das steht für das Buch von Richard Rohr über das falsche und das wahre Selbst noch aus. Das Buch werde ich mir nochmal als Passions-Lese vornehmen. Richard Rohr setzt hier Christi Sterben und Auferstehung in Bezug zum Sterben des Egos und der Auferstehung des Selbst. Zu gegebener Zeit dazu mehr hier im Blog. Dann noch ein paar Bücher zu anderen Weiheitstraditionen, vor allem John O’Donohues Anam Cara (das nicht unchristlich, aber vor allem keltisch ist) fehlte noch im Bücherregal.

Last but not least gleich vier Bücher aus dem Drachenverlag, meine Entdeckung des letzten Jahres. Der Drachenverlag gibt auch die OYA heraus und ich könnte glatt das halbe Sortiment aufkaufen (natürlich neben dem Sortiment des Arbor-Verlags – dieses Jahr nur ein Buch von dort, aber ein ganz wichtiges). Über Wendel Berrys „Körper und Erde“ ist auch schon ein Blogbeitrag in Arbeit, das Schwitzhüttenbuch wird mögen, wer Schwitzhütten mag und bei der Permakultur will ich der Frage nachgehen, inwiefern die Prinzipien (über den Ökoanbau hinaus) generell als Bausteine für „gutes Leben“ taugen.

Familienspiritualität

Immer (mal) wieder beschäftige mich mit Spiritualität in der Familie. In unserer Familie. Und jetzt habe ich versucht, die all das zusammenzuschreiben: das, was wir machen und das, was wir machen wollen. Ich schreibe dies vor allem auch deshalb, um mich selbst immer wieder an die Ideen zu erinnern.

WP_20160824_001 (2)

Christliche Familienspiritualität hat für mich drei große Zugänge: der Jahreskreis, Praktiken und Lebenshaltungen, die Spiritualität nähren (Wurzeln). Es mag sicherlich noch anderes geben, aber diese drei Zugänge sind für mich die wesentlichen.

Beim Jahreskreis braucht man gute Ideen, bei den Praktiken muss man oft erst ein bisschen rumprobieren und bei den Wurzeln braucht es den Blick dafür, wie man sie im Alltag nähren kann.

 

Jahreskreis: Feste feiern

Wenn man die Feste des Jahreskreises feiert, immer und immer wieder, wird man dreierlei entdecken: Es gibt einen zyklischen Ablauf in der Zeit, es gibt Gründe zum Feiern und den Festen und Zeiten wohnen bestimmte Themen inne.

Im Grunde sind es ja zwei Jahreskreise, nämlich das Kirchenjahr und der Verlauf der Jahreszeiten. Beide hängen an etlichen Stellen zusammen und gerade diese Beziehungen sind spannend. Sie sind nicht immer sofort eingänglich, bieten aber viele Erkenntnisse über unsere Welt (…und was sie im Innersten zusammenhält). Gerade die alten (Kirchenjahres-)Feste und Bräuche haben oft eine Tiefe und Weisheit, die sich nicht immer sogleich erschließt. Wer hier gerne etwas tiefer bohren oder einfach nur anregend stöbern möchte, dem sei das beste Buch zum Thema empfohlen: Die Heilkraft der Feste von Hans Gerhard Behringer.

fffEine recht einfache Sache ist es ja, an den öffentlichen Festen teilzunehmen, also beispielsweise beim Martins-Umzug mitziehen oder den Erntedank-Gottesdienst besuchen.

Deutlich Anspruchsvoller wird es, die Kirchenjahres- oder Jahreszeitenfeste Zuhause in der Familie zu begehen. Es braucht zum einen gute Anregungen, zum anderen muss man rechtzeitig dran denken. Meistens scheitert es wohl aus diesen beiden Gründen. Eine praktische und gehaltvolle Inspirationsquelle ist für uns die (katholische) Internetseite Familien feiern Feste der Diözesen Innsbruck und Bozen-Brixen geworden.

 

Praktiken: Die eigene Spiritualität ausdrücken

Das Nächste sind religiöse Praktiken: Singen, Beten, Erzählen, Meditieren, Segnen (und das schon erwähnte Feiern gehört natürlich auch in diese Reihe, aber das Feiern des Jahresverlaufs ist für mich halt nochmal ein ganz eigener Zugang). All diese Praktiken sind einfach, elementar und da sie seit Jahrtausenden gepflegt werden irgendwie auch archaisch.

Singen. Ich bin immer wieder beeindruckt, was Singen für eine Kraft und Tiefe hat. Beim Singen kann das Herz aufgehen. Singen ist etwas sehr Körperliches. Und wenn man singt, erlebt man, selbst Urheber zu sein – wohl eine der wichtigsten Erfahrungen, die man in dieser Welt machen kann. Singen kann man in vielen Varianten: vorsingen (vor allem beim Einschlafen), gemeinsam singen, mitsingen (z.B. zur CD), alleine singen.

Beten. Ich mag ritualisierte, vorformulierte Gebete. Dazu habe ich hier schon etwas geschrieben. Beim freien Beten finde ich gut, wenn es eine gewisse Struktur hat. Eine tolle Sache ist es, mit den „Perlen des Glauben“ zu beten (auch hierzu später mehr…). Und dann gibt es auch die Idee, auch mit Kindern das Herzensgebet zu beten. Dazu sollten die Kinder aber etwas älter sein (daher habe ich damit noch keine Erfahrung), außerdem empfielt Rüdiger Maschwitz einige Dinge zu beachten.

Erzählen und Vorlesen. Religionen sind Erzähltraditionen. Und Erzählen ist ein Kulturgut. Ich bin kein so guter Erzähler (zumindest im Vergleich zu meiner Frau), ich verlege mich hier aufs Vorlesen. Aber das ist ja auch gut. Mit Kinderbibeln habe ich bisher noch nicht so viel Erfahrung. Nur so viel: Ich mag Kees de Kort und Jörg Zink. Die Kees de Kort-Bilderbücher sind ja sehr bekannt (hier eine tolle Reportage über ihn). Weniger bekannt, trotzdem ein Klassiker, ist „meine“ alte Kinderbibel: Der Morgen weiß mehr als der Abend von Jörg Zink. Ich finde sie erzählerisch und theologisch großartig. Allerdings sollte man sich unbedingt antiquarisch die vergriffene Auflage aus dem Kreuz-Verlag besorgen, nicht die aktuell erhältliche Neuveröffentlichung aus dem Nikol-Verlag (ästhetisch deutlich schlechter!).

Zum Meditieren zählen für mich Stille-Übungen, WahrnehmungsÜbungen (den Atem wahrnehmen, die Natur wahrnehmen) und das Imaginieren. In der Praxis sind es meist Mischformen. Ein klein bisschen Erfahrung haben wir damit schon gemacht, auch hier kommt noch ein eigener Beitrag. Auf meiner Liste ganz oben stehen diese beiden Bücher: Stillsitzen wie ein Frosch und Kinder endtdecken ihre innere Kraft.

Aufs Segnen bin ich erst gar nicht gekommen. Aber mir wird es immer wichtiger. Das eine ist: sich segnen zu lassen. Das haben wir zum Beispiel mal auf dem Schwanberg gemacht (in dem die Segnung fester Bestandteil des Morgengottesdienstes ist). Schön finde ich, sich als Familie segnen zu lassen – also nicht nur die Kinder. Das andere ist: selbst zu segnen. Ich glaube, dass dies eine ganz wesentliche Aufgabe von Eltern ist: ihre Kinder zu segnen, ihnen die Hände aufzulegen und ein Segenswort zu sprechen, ihnen die Kraft zuzusprechen, die trägt. Vielleicht später dazu einmal mehr, ich muss damit erst selbst noch mehr Erfahrung machen. Aber erstaunlich, dass das Segnen eher unüblich ist. — Kurz & kompakt zum Segnen von Kindern ist diese Handreichung (eher ein Handzettel) der Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung. Sehr ausführlich & empfehlenswert ist die Arbeitshilfe über das Segnen der Württembergischen Landeskirche.

Spirituelle Lebenshaltungen nähren

Bei diesem dritten Zugang geht es um all das, was Spiritualität im Alltag nährt, fördert, ermöglicht. Hier könnte man nun unzählige Sachen aufzählen, aber ich finde es anregender, nur wenige aber wesentliche Haltungen zu nennen. Hier meine fünf Favoriten: Verbundenheit, Mitgefühl, Achtsamkeit, Staunen, Schöpferischsein. Zu jedem Aspekt ist viel zu sagen, aber ich mach es kurz (auch weil ich selbst noch gar nicht so viel beisteueren kann).

Zur Verbundenheit habe ich ja schon etwas ausführlicher gebloggt. Hier geht’s erstmal um die Verbundenheit mit der eigene Familie, später mit den „Peers“ und natürlich mit der Natur. Anregend kann es auch sein, die eigenen Wurzeln zu bedenken.

Eine gute Idee, Mitgefühl zu entwickeln, ist das Geschichtenvorlesen (oder Bilderbuchangucken) und sich dann in die einzelnen Leute hineinzuversetzen: Wie fühlen sie sich wohl gerade? Und: Kennst du das auch, wie würdest du dich in der Situation fühlen?

Achtsamkeit – ein weites Feld. Mir fällt Achtsamkeit oft schwer, aber andererseits nervt mich Unachstamkeit kolossal. Eine schöne Inspirationsquelle ist der Blog Achstamkeit im Alltag leben und natürlich die Internetseite des Arbor-Verlags.

Staunen ist schon etwas Tolles. Staunen heißt ja, auf etwas Unerwartetes zu treffen und sich davon begeistern zu lassen. Ich staune immer wieder, worüber meine Kindern staunen. Wie kann man es fördern? „Add Magic to the Ordinary“ vielleicht? Oder einfach selber staunen…

Und schließlich ist da noch das Entdecken, selbst etwas zu erschaffen, schöpferisch zu sein. Zu erleben, selbst Urheber zu sein, Schöpferkraft zu besitzen – das geht natürlich gut bei allem Kreativen. Schönheit spielt dabei keine Rolle – der Satz „Das hast du aber schön gemacht!“ ist daher auch nichts so glücklich – sondern das sich Ausdrücken und Erschaffen. Wenn im christlichen/kirchlichen Kontext betont wird, dass der Mensch „Ebenbild Gottes“ sei, wird daraus meist Würde und Wert des Menschen abgeleitet. Viel näherliegend finde ich allerdings folgenden Zusammenhang: Wenn Gott der Schöpfer ist und der Mensch das Ebenbild Gottes, dann ist der Mensch… genau, selbst auch Schöpfer. Darum geht’s!

 

Zum Stöbern: die Perlen

hkdfEs gibt viele Bücher (und auch Internetseiten) rund um Spiritualität und Religion in der Familie. Allerdings gibt es auch sehr viel Gedöns. Daher möchte ich hier einige Perlen verlinken…

Beim Thema Feste feiern hatte ich ja schon auf die Internetseite Familien feiern Feste hingewisen. Das umfassende Buch „Die Heilkraft der Feste“ ist nur noch antiquarisch oder beim Autor selbst zu erhalten.

ggbZu den Praktiken, den „Ausdrucksformen“, kann ich das Buch Gemeinsam Gott begegnen sehr empfehlen. Dort beschreibt Rüdiger Maschwitz den Ansatz Kinder geistlich zu begleiten – in Abgrenzung zur Formulierung „Kinder religiös zu erziehen“. Ein paar Ideen finden sich auch auf seiner Internetseite kinder-geistlich-begleiten.de (etwas altbackener Look, aber guter Inhalt).

wufAnton Bucher, katholischer Religionspädagog-Prof, hat ein schönes Buch über spiritulle Erziehung geschrieben: Wurzeln und Flügel – Wie spirituelle Erziehung für das Leben stärkt. Er versteht Spiritualität als Verbundensein, und zwar mit natur & Kosmos, mit der sozialen Mitwelt, mit einem höheren, göttlichen Wesen und mit dem Selbst (also ziemlich genau das, was ich auch in meinem Blogbeitrag getrenntsein & verbundensein beschreibe). Alle vier Dimensionen werden gut verständlich erklärt und mit etlichen Anregungen versehen.

Wer schöne kreative Ideen sucht, viele Kunst- und Natur-Sachen, der findet auf dem Blog Explore and Express tolle Anregungen. Das Blog ist stark von Montessori und Godly Play geprägt und ist für mich ein Top-Tipp!

Etwas mehr churchy ist die Seite Spiritual Child Network. Der eigentliche Tipp ist die dazugehörende Facebook-Gruppe. Einfach mal abonnieren und gucken, ob es für einen passt…

10pfspLast but überhaupt nicht least noch das Buch 10 Principles for Spiritual Parenting. Leider gibt es das nicht auf deutsch. Mit guten Fragen für Kinder und für die ganze Familie, um in das jeweilige Thema einzusteigen plus Affirmationen & Mantren für Eltern und Kinder.

Beten mit Kindern

WP_20160511_002Als ich anfing, mich mit Beten mit Kindern zu beschäftigen, stieß ich auf dieses Buch: Heidi & Jörg Zink: Wie Sonne und Mond einander rufen. Ein Klassiker, leider vergriffen, aber antiquarisch noch erhältlich.

Das Buch ist wunderbar: unpathetisch und weise. (Das einzige, was etwas stört, ist die gelegentliche Gleichsetzung von „Eltern“ und „Mutter“. Da alles andere wirklich gut ist, lese ich darüber einfach hinweg).

In vier Kapiteln gibt es Gebete und Gedanken zu den verschiedenen Anlässen: Tagesablauf, Jahresverlauf, Geburtstag & Taufe, Gebete der Eltern für die Kinder. Dazwischen immer wieder Reflexionen übers Beten und Tipps für den religiösen Familienalltag.

Ein Abschnitt beschäftigt sich ganz grundlegend mit dem „Kindergebet in der Familie“ (S. 117-118). Er beginnt mit einer interessanten Beobachtung:

„Es war noch nie so schwierig, sich in religiösen Dingen auszusprechen, wie heute. Nicht, weil der Glaube selbst schwieriger geworden wäre – der Glaube war auch früher nichts Einfaches – sondern deshalb, weil wir heute mehr von uns verlangen. Unsere Großeltern begnügten sich mit gelernten Versen. Wir verlangen von uns eigene Worte, die unserer besonderen und eigenen Überzeugung Ausdruck geben“ (S. 117).

Es ist knapp vierzig Jahre her, dass die Zinks dies geschrieben haben. Dies spiegelt sicherlich die 70er-Jahre wider, in der nach langer Zeit der Verkrustung nun neu und eigenständig formuliert und gesprochen werden wollte. Aber der Gedanke, nicht zu viel zu verlangen, gefällt mir. Und ich nehme ihn als Plädoyer für vorformulierte, für liturgische Gebete.

Ein paar Hinweise zum Beten möchte ich hier wiedergeben. Da das Buch vergriffen ist, zitiere ich mal etwas ausführlicher.

Wenn man auf vorformulierte Gebete zurückgreift, sollten sie nicht kindisch sein:

„Wenn wir mit Kindern beten, sprechen wir Worte, die sich wie so vieles, was sie hören und nachsprechen, in ihr Herz und Gedächtnis fast unauslöschlich einprägen. Sie sind in der Erinnerung des erwachsenen Menschen mehr oder weniger bewußt noch da und reden und deuten weiter. Wir sollten mit Kindern also Gebete lernen, mit denen der fünfzehnjährige Junge und die vierzigjährig Frau noch etwas anfangen können und mit denen sie sich nicht kindisch vorkommen müssen, wenn sie sie noch einmal zu sprechen versuchen. Kinder werden mit den Worten, die sie lernen erwachsen. Verse, mit denen sie nicht erwachsen werden können, weil sie kindisch und für den Vierzigjährigen nicht mehr wahr sind, sind darum auch für das Kind nicht geeignet. Ein Kind braucht nicht nur das ‚Kindgemäße‘. Es braucht ganz ebenso Gedanken von Erwachsenen, und das heißt: Worte, in die es erst durch langes Hören allmählich eindringt. Wenn die Eltern ein Gebet sprechen, das dem Kind ‚zu hoch‘ ist, weil es dem Anspruch von Erwachsenen entspricht, öffnet sich ihm eine große und fremde Welt, in die hineinzuwachsen ja eben seine Aufgabe und seine Chance ist. […] ‚So legt euch denn, ihr Brüder, in Gottes Namen nieder‘ – diesen Vers betet das Vierjährige mit, und derselbe Vers ist für den Siebzigjährigen immer noch gültig“ (S. 117, 118).

Und Gebete sollen natürlich keinen theologischen Quatsch vermitteln. Gerade auch deshalb, weil sich Gebete (wie Lieder) leicht einnisten. Oft hilft es schon, mit einem Gebet nicht zu viel zu sagen.

„Es ist gut, wenn wir vor Gott – und auch vor den Menschen – im Gebet nicht zu viel sagen. Wer etwa sagt: ‚Ich bin klein, mein Herz mach (oder gar ist) rein, laß niemand drin wohnen als Jesus allein‘, sagt zu viel. So fromm ist kein Einsiedler in der Wüste, daß in seinem Herzen niemand mehr wohnt als Jesus allein. Im Herzen eines Kindes sollen Eltern und Geschwister wohnen und Platz haben […]. (S. 118)

In ein Gebet gehören keine Deutungen. Ein Gebet dient dem Ausdrücken der eigenen Frömmigkeit und nicht der Verkündigung oder Erziehung.

Und ein letzter Tipp: Eltern sollten (ein paar) Gebete auswendig lernen.

Dazu gleich zwei Vorschläge aus dem Buch.

Als Abendgebet:

Die Nacht bricht an
über Stadt und Feld.
Gott segne die Erde,
behüte die Welt.

Als Tischgebet kann man einen Vers aus Christian Morgensterns „Liebe Sonne, liebe Erde“ mit „Alle guten Gaben“ verbinden:

Einer:
Erde, die uns dies gebracht,
Sonne, die es reif gemacht,
liebe Sonne, liebe Erde,
euer nicht vergessen werde!

Alle:
Alle guten Gaben,
alles, was wir haben,
kommt, o Gott, von dir.
Wir danken dir dafür. Amen.

Familiäres Barcamp

Am Freitag war ich auf dem openTransfer-Camp zum Thema Familie. Hauptsächlich ging es um Frühe Hilfen – also nicht mein unmittelbares Thema – aber beruflich versuche ich gerade, mir einen Einstieg in die sozialethischen Facetten rund ums Familienleben zu erarbeiten. Und da ich die openTransfer-Camps wunderbar finde und Barcamps für mich ein guter Denk-Inkubator sind, war ich dabei. Ein paar meiner Erkenntnisse halte ich einmal hier fest. Es ist aber kein recap des Barcamps, sondern es sind einfach meine learnings.

Resilienz durch Unperfektheit.

Das Barcamp fand in Essen im Unperfekthaus statt. Eine tolle Location, und programmatisch gibt es wohl keine bessere für ein Barcamp. In einer Session ging es um das Unperfektsein im Parenting. Es wurde eine Studie erwähnt (die ich leider nicht mehr benennen kann), in der das Lautieren von der Mutter mit ihrem 4-monatigem Baby (ja, es ging anscheinend nur um die Mütter…) als ein Indikator für das spätere Bindungsverhaten gesehen wird. Die Kinder der Mütter, die mit ihrem Kind nicht Mitbrabbeln und es nicht beachten, entwickeln ein problematisches Bindunsgverhalten. Das ist noch nicht überraschend. Allerdings entwickeln auch die Kinder, deren Mütter (übertrieben) perfekt auf ihr Kind eingehen, eine ambivalente Bindung. Am besten stehen die Kinder da, deren Müttter zugewandt, aber dabei auch immer wieder „unperfekt“ waren. Eine gute Erkenntnis, finde ich. Ich überspitze sie einmal und behaupte: Unperfektheit schafft Resilienz.

Bildung ist Teil des Problems.

Taucht der Begriff „Bildung“ im Zusammenhang mit Frühförderung auf, wird er fast immer als funktionale Bildung (miss)verstanden. Der Englisch-Kurs in der Kita. Spielzeug, das besondere Fähigkeiten schulen soll. Und so weiter. Bildung wird ja gern als Allheilmittel propagiert: Kein gesellschaftliches Defizit, das nicht durch eine ordentliche Portion Bildung behoben werden könne. Doch vor der Bildung kommt erst einmal die Bindung. In meinen Augen ist Bildung für eine gute kindliche (nein, menschliche) Entwicklung das nachrangigere Konzept. Bindung (zu Vater und Mutter, zu Freunden und Familie, mit der Natur, zur Welt) kommt vor Bildung. Die Mittelschichts-Eltern – die gesellschaftlich den Ton angeben – haben aber tendenziell einen Bildungsfetisch. Und so ist Bildung nicht die Lösung, sondern Teil des Problems. Das ist irgendwie auch bitter.

Gute One-Liner sind wertvoll.

Und noch etwas zum Thema Bildungsarbeit. In einer Session fiel ein interessanter Satz auf die Frage, wie man mit einfachen Worten ein Konzept wie Bedürfnisorientierung jungen Eltern nahebringen kann, die wenig Zugang dazu haben: „Das, was du mit deinem Handy machst, ist genau das, was dein Baby von dir braucht.“ Nämlich Augenkontakt, zärtliche Berührungen, es immer nah am Körper haben etc. Der Satz mag auch etwas Moralisches haben, aber mir geht es hier darum, dass es möglich ist, mit einem einzigen Satz ein ganzes Konzept zu erklären. Natürlich mag ich selbst auch Fachvorträge und mit vielen -ungs, -heits und -keits. Aber wirksam sind in aller Regel die One-Liner – wenn sie denn gut sind.

Ich schätze den Wert solcher „Wirksätze“ (zu denen auch Mantras gehören) immer mehr. Denn die wenigsten Leute ändern ihr Verhalten, weil sie sich mit einem „Konzept“ beschäftigen, sondern weil ein Satz sie getroffen hat, der anfängt, in ihnen zu wirken. Und darum geht es auch in guter Bildungsarbeit: Etwas ins Kippen zu bringen, um über herkömmliche Muster hinauszugehen. Wer wirksam sein will, muss an und mit solchen Wirksätzen arbeiten – ohne in Floskeln, Albernheiten, Küchenpsychologie oder Stammtischparolen zu verfallen. Eine Kunst, sicher.

Rückwärts führt kein Weg.

Ich finde es anregend, auch wieder über traditionelle Ideen nachzudenken. Aber nicht, um zu ihnen zurückzukehren, sondern um den essentiellen Kern, der mal gut und sinnvoll war, ins Heute zu übertragen. Mir gefällt der Dorf-Gedanke, aber ich will nicht in einem pietistischen Dorf der 50er Jahre leben. Mir gefällt die Clan-Idee, aber wir leben nicht mehr in Stämmen. Wir müssen wieder einen viel stärkeren Naturbezug hinkriegen, aber wir können nicht alle aufs Land ziehen. Für mich ist ein möglichst einfaches Leben eine der besten Antworten auf die aktuellen Krisen, aber ich will keine „Renaissance“ einer „einfacherern“ Zeit, sondern eine Weiterentwicklung unserer jetzigen Zeit.

Pierre Teilhard de Chardin, einer der Säulenheiligen evolutionärer Spiritualität, hat einmal gesagt: „Die Welt ist nur nach vorwärts interessant.“ Das finde ich richtig. Und zum Thema Regressivität/Progressivität ist auch Ken Wilbers Pre/Trans-Fallacy sehr hilfreich (einfach mal selbst googlen).

Weniger in Angeboten denken, mehr in Gemeinschaftsformen.

Zu guter Letzt noch ein Gedanke, der etwas mehr „meta“ ist und mich immer wieder beschäftigt: Gesellschaftlichen Defiziten wird in der Regel mit Maßnahmen und Angeboten begegnet. Vorherrschend ist also eine Institutions- bzw. Organisationslogik – und zwar unabhängig, ob es sich um konfessionelle Träger, um die öffentliche Hand oder um Social Businesses handelt. Auch wenn es dabei mittlerweile eine starke Einbindung der konkreten Zielgruppen gibt, letztlich werden Zielgruppen mit Angeboten bespielt. Ein anderer Ansatz wäre es, solche Zielgruppen stärker als besondere Gemeinschaftsformate zu sehen, die eben als solche – also als „Gemeinschaft“ – geformt und unterstützt werden.

Das, was ich hier sagen will, kann man auch noch aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Als ich Sozialarbeit studierte, war Einzelfallhilfe die gängige Sozialform (auch wenn der Begriff eher weniger gebräuchlich war). Gegenwärtig gibt es ein Neuaufblühen von Gemeinwesenarbeit und Community Organizing (wenn auch unter veränderten Vorzeichen). Das was allerdings fehlt, ist die Gruppenarbeit, um einmal die etwas oldschoolige Dreiersystematik der Sozialen Arbeit zu bemühen. Das Moment der Gemeinschaftsbildung scheint irgendwie abhanden gekommen zu sein. Bei den aktuellen Gemeinwesen-Ansätzen steht – zumindest nach meiner Beobachtung – gerade nicht die Gemeinschaftsbildung im Vordergrund, sondern die Akteursvernetzung. Man muss nur einen Blick auf Projektbeschreibungen von Gemeinwesenprojekten werfen: Da wird in einer Nachbarschaft alles mögliche miteinander vernetzt, aber nicht unbedingt vergemeinschaftet.

Bezogen auf die Funktion von Wohlfahrtsverbänden (gerade den konfessionellen!), habe ich vor längerer Zeit schon mal etwas dazu geschrieben. Meine These: Soziale Einrichtungen haben nicht nur die klassischen Rollen von Dienstleister, Anwalt und Solidaritätsstifter inne, sondern eben auch die des Gemeinschaftsbilders.

Vor kurzem bin ich in einem ganz anderen Zusammenhang auf den Begriff „Cultural Repair“ gestoßen. Dabei geht es darum, ganz neue Gemeinschaftsformen aufzubauen, um unsere Gesellschaft („Kultur“) zu „reparieren“. Meine Recherche führte leider nicht sehr weit, aber ich will das im Auge behaten. Ich sehe darin viel Wahres. Und Gutes und Schönes.

Vater-Sohn-Wochenende

Letztes Wochenende war ich – zum ersten Mal – auf einem Vater-Kind-Wochenende. Leider war es nur eine kleine Gruppe mit 5 Vätern und 7 Kindern. Aber es war richtig gut und auch eine wohltuende Erfahrung. Und dem Hannoverjungen hat’s auch gefallen.

Vier kleine Aha-Effekte möchte ich kurz festhalten.

Präsent sein.

Zwei Tage alleine für den Großen da zu sein – das war eine tolle Erfahrung. Es gab keine anderen Verpflichtungen und keine Ablenkungen. Wenn er etwas wollte, hatte ich Zeit. Wunderbar. Dadurch lief Vieles einfach stressfrei – ganz anders als im Alltag. Wir schliefen sogar in einem Bett, auf einer 80cm-Matratze, denn wir  hatten ein Stockbett und mir war klar, dass er nicht alleine schlafen wollte (egal ob oben oder unten). Solche Wochenenden, solche Zeiten braucht es wesentlich häufiger und am besten regelmäßig.

Barmherziger werden.

Ich habe die Macken andere Väter und anderer Kinder mitbekommen. Das tut gut. Es macht mich nämlich barmherziger mit den eigenen Macken und denen meines Kindes. Es gibt Dinge, die mich immer wieder bei meinem Sohn nerven. Und ich erlebe auf einmal die gleichen Dinge bei anderen – und zwar in viel „schlimmeren“ Ausmaß. Das rückt mein eigenes Maß wieder zurecht: Das, was mich ärgert, ist gar nicht so schlimm.

Wollen und nicht können.

Der Hannoverjunge wollte immer mit dabei sein und war es auch. Allerdings gab es Sachen, bei denen er neben den Größeren nicht zum Zuge kam. In der Sporthalle (die luxuriöser Weise zu dem Freizeitheim gehörte) konnte er nicht bei allem mitmachen, weil er zu klein war. Und dann setzt wirklich eine richtige Not ein: wollen und nicht können. Das übertrug sich dann leider auch auf Sachen, die er locker könnte, aber zu denen er dann plötzlich doch nicht mehr in der Lage war. Helfen und trösten hilft dann nicht. Diese Not rührt mich immer sehr an. Und ich kann ihn so gut verstehen.

Wald geht immer.

Wir waren zweimal draußen im Wald und zweimal drinnen in der Sporthalle. In der Halle wurden aus Matten, Bänken und Kästen Hindernisse gebaut und natürlich auch Fußball gespielt, im Wald gab es Waldspiele und Freispiel. Ich finde beides gut. Mir ist aber aufgefallen, wie begrenzt letztlich die Sporthalle ist. Die Energie in einer Sporthalle geht immer in eine Richtung: Auspowern. Im Wald geht das natürlich auch, aber man kann genau so gut abschalten oder runterkommen. Und der Wald bietet mehr Gelegenheiten für altersübergreifendes Spielen: Wenn im Wald ein Ast zu schwer ist, nimmt man halt einen anderen und kann weiterspielen, wenn aber in der Sporthalle ein Kasten zu hoch ist, ist er zu hoch und dieses Spiel geht dann einfach nicht (oder das Setting muss erst wieder umgebaut werden).

 

Dinge hinkriegen (2) – Familienleben

Dinge hinkriegen – nach dem Alltagskram jetzt rund ums Familienleben. Es geht nicht um Tipps und Techniken, sondern um die Grundhaltungen.

Gestaltete Zeiten. Ich halte wenig von der Idee einer „Quality-Time“. Zum einen zeigt das ja nur, dass wir ein akutes Zeitproblem haben (und deshalb schon „qualitative“ von nicht so qualitativen Zeiten unterscheiden wollen), zum anderen beschwört es einen Anspruch herauf, von dem ich mich gerade frei machen will (dass es nämlich dann besonders toll sein muss). Was ich aber sehr mag sind wiederkehrende Zeiten. Sie sind also schon dadurch gestaltet, dass sie erwartbar sind, ritualisiert. Die abendliche „Erzähl deine Geschichte, was du heute gemachst hast, von Bett zu Bett“-Runde, zum Beispiel. Ich habe gemerkt – hier muss ich mich einmal selbst loben – wie gut und hilfreich das Ritual-Radar ist, das ich hier für genau diesen Zweck vorgestellt habe. Ich habe dadurch gemerkt, dass mir diese Zeiten zwar wirklich wichtig sind, ich sie aber letztlich doch mehr dem Zufall überlasse als sie bewusst zu inszenieren.

Möglichst früh Zuhause sein. Gunter Dueck hat das wunderbar auf den Punkt gebracht: Väter gehören nach 17:00 nicht mehr ins Büro. Er sei immer um halb fünf nach Hause gegangen, bis sein Sohn 12 Jahre alt war. Ich finde das sehr gut, dass er das gerade auch als Manager sagt. Und er hat absolut recht: Leute, die viel arbeiten und lange am Arbeiten sind, haben einfach ihr Zeitmanagement nicht im Griff. Oder ihre Unabkömmlichkeitsneurose. Ausnahmen gibt es immer, natürlich. Aber sie dürfen nicht als Legitimation missbraucht werden, dass es ja gar nicht anders ginge. Mir fällt auf, wie viele ältere Väter sagen, dass sie „damals“ echt etwas verpasst hätten und nun bereuen, so wenig zuhause gewesen zu sein. Anfangs hielt ich das für netten (Männer-)Smalltalk. Mittlerweile denke ich, dass es echt ein starkes Bereuen ist. Ich habe immer mal wieder Termine am Abend und am Wochenende. Das sind alles Überstunden, die es mir ermöglichen, deutlich vor fünf nach Hause zu kommen (und ja, ich mach das auch noch nicht konsequent genug!).

Überlebensmodus und Entfaltungsmodus reflektieren. In einem der besten Elternratgeber, den ich bisher gelesen habe (vielleicht folgt hier im Blog noch eine kleine Rezension…) beschreiben Daniel Siegel und Tina Bryson, dass es faktisch zwei Ziele in der Erziehung gibt: Überleben und Entfalten. Im Grunde sind das zwei Grundmodi des Familienlebens: Es gibt Momente, Phasen oder Zeiten, in denen man einfach das ganze Theater nur überstehen  will, Hauptsache man kommt ohne große Kollateralschäden in den nächsten Tag. Und dann gibt es den Wunsch nach Entfaltung und Erfüllung, nach dem guten Leben, den großen Ideen, die man für sich und die Seinen hat. Siegel und Bryson beschreiben nun, dass gerade in den Überlebensmomenten durchaus gute Ansatzpunkte für den Entfalten-Modus liegen. Das mag etwas „advanced“ klingen, aber ich will hier nicht in die Feinheiten dieses Ansatzes einsteigen. Für mich reicht es manchmal schon, zu wissen, dass es diese beiden Modi gibt (und das ich sie wähle). Und wenn ich zu stark im Überlebensmodus reagiere, dass ich mich darin erinnere, dass es auch noch einen anderen Modus gibt.

Vertrauen, das es sich (gut) entwickeln wird. „Alles ist nur eine Phase. Man weiß nur nicht, wie lange sie dauert.“ Klingt vielleicht ein bisschen witzig, ist aber ein weiser Satz. Ein sehr weiser Satz sogar. Und auch wenn es vielleicht platt klingt, mir hat dieser Satz tatsächlich schon des öfteren geholfen.

Was (noch) nicht klappt: Von den Rhythmen und Bedürfnissen der kindlichen Entwicklung her denken. Mir fällt immer wieder auf, wie sehr wir uns in unserem Tun an die Fremdlogiken der uns umgebenden Systemen angepasst haben. Die alles dominierende Grundlogik ist die Erwerbsarbeit. Dementsprechend suchen wir nach Betreuungsmöglichkeiten, die die Zeiten der Erwerbsarbeit abdecken. Deshalb unterwerfen wir uns wiederum den Abholzeiten dieser Einrichtungen. Und so weiter. Das ist alles auch logisch und nachvollziehbar. Aber es ist schon erschreckend, dass wir kaum (gar nicht?) von der Logik der kindlichen Entwicklung her denken. Unserem Hannoverjungen tut beispielsweise ein Mittagsschläfchen nach wie vor sehr gut (er ist viereinviertel), in der Kita gab es das aber nur in der U3-Betreuung. Und das ist nur ein Beispiel unter tausend anderen. Unser (Alltags-)Leben ist eine Verschachtelung von zig Fremdlogiken miteinander, um alles am Laufen zu halten. Hmm…

Was fehlt: Personal (kleiner Scherz). Nein, der Clan.