Väterliches Herz

Matthew Fox, der alte Haudegen, nennt neun Eigenschaften eines „väterlichen Herzens“.

Wie so oft bei Matthew Fox kommt seine Zusammenstellung eher intuitiv-assoziativ daher – aber das muss ja nicht schecht sein. Ich finde sie gut, wahr und schön. Daher stelle ich sie hier ein. Als Anregung.

Ich zitiere dazu jeweils ein, zwei Sätze der neun Eigenschaften:

1. Liebevolle Fürsorge. Das väterliche Herz umsorgt. […]

2. Großzügiges Geben. Das väterliche Herz ist ein gebendes, ein großzügiges Herz. Kinder können das Beste aus einem Mann herausholen, und das ist die Fähigkeit zu großzügigem Geben. […]

3. Zuhören. Das väterliche Herz ist auch aufnehmend; es hört zu. Es schreibt nichts vor und antwortet nicht mit dem Aktions-Reaktions-Schema des Reptiliengehirns. […]

4. Vorausschauen. Ein väterliches Herz berücksichtigt die Zukunft. Es begreift, das ein Vater sterblich ist und nicht immer dasein wird. Es sorgt für die Zukunft […]

5. Ermutigung. Ein väterliches Herz ist ein ermutigendes Herz. Es hilft seinen Kindern dabei, selbst Mut zu entwickeln, indem es sie lehrt, wie man stark genug für die Reise des Lebens wird …]

6. Den Überblick bewahren. […] Weil es nicht in der Vergangenheit lebt und keinen Groll mit sich herumträgt, sondern vielmehr gesunde Ventile für seinen Zorn findet, ist es auch nicht verbittert. Verntile wie das Heilen und Dienen. […]

7. Spielerisch und zugewandt. Ein väterliches Herz ist spielerisch-ausgelassen und liebevoll zugewandt. […]

8. Schutz. Ein väterliches Herz beschützt. […]

9. Unterweisung. Ein guter Vater lehrt und unterweist. […]

(Quelle: Matthew Fox, Die verborgene Spiritualität des Mannes, 2011, S. 233-234)

Matthew Fox bezieht dies übrigens nicht nur auf biologisches Vatersein, sondern auf alle Arten von Vaterschaften. Und das väterliche Herz richtet sich nicht nur auf Kinder, sondern auch auf Gemeinschaften. Das nur als Ergänzung.

Ich höre es für mich aber trotzdem erst einmal ganz im buchstäblichen Sinne…

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Kinder in den Wald

In der Kita vom Hannoverjungen habe ich im letzten Jahr Waldtage gemacht, insgesamt zwölf Stück. Im Grunde waren es Waldvormittage: Eine feste Gruppe mit acht Vier- und Fünfjährigen, eine  Erzieherin der Kita und ich zogen für 3 Stunden in den nahe gelegenden Wald(streifen).

Fünf Gedanken will ich hier teilen. Und danach meine Lieblings-Waldbücher empfehlen.

Wald ist ein Selbstläufer. Man muss fast nichts machen. Das musste ich erst lernen. Am Anfang hatte ich immer kleine Spiele vorbereitet, so die Klassiker: Suchaufträge, Fühlmemory usw. Aber die Kinder wollten das gar nicht, sie wollten einen anderen Klassiker: Freispiel. Einfach im Wald sein: Toben, Buddeln, Entdecken, Bauen. Sie wissen etwas mit sich und dem Wald anzufangen. Wir mussten wenig „machen“, hauptsächlich den Rahmen gestalten: Nest bauen, Morgenlied singen, frühstücken. Und zum Schluss wieder in den Kreis und ein Abschlusslied singen.

Die Gestimmtheit im Wald. Wald ist etwas Besonderes. Es gibt einige Landschaften, die eine ganz eigene Gestimmtheit ausstrahlen: Küste, Berge, Wüste… Und eben auch der Wald. Das merken auch die Kinder. Ich habe den Eindruck, dass sie anders spielen. Und das liegt nicht einfach nur am draußen sein, es hat etwas mit dem Wald selbst zu tun. Das fiel mir besonders im Vergleich zur Wiese auf. Einige wenige Male haben wir einen Teil der Zeit auf einer parkähnlichen Wiese neben dem Wald verbracht. Das Spiel und die Stimmung der Kindern waren anders. Ich empfand einen unterschwellige Aufforderung nach Animation und Entertainment, die ich im Wald so nie gespürt habe.

Wald bietet viel. Wald geht bei fast jedem Wetter. Während man in der Kita bei Regen natürlich drin bleibt, ist Regen im Wald kein großes Problem. Die Bäume halten einiges ab, zur Not spannt man eine Plane und matschige Erde ist ja eh wunderbar (das eine oder andere Mal hatte ich echt ein bisschen Sorge, Ärger von den anderen Eltern zu bekommen, weil die Kinder wirklich richtig, richtig dreckig zurückkamen). – Was der Wald auch wie kaum eine andere Umgebung bietet: Man kann sich dort wunderbar gemeinsam und alleine beschäftigen. Man kann jederzeit wechseln, grad was für einen am besten passt. Immer wieder gab es Kinder, die für eine zeitlang ganz alleine gespielt haben.

Warum Wald? Bindung vor Bildung ist ja eins der Mantren der bedürfnisorientierten Erziehung. Ich finde das auch ganz richtig. Und neben der Bindung/Beziehung zu Eltern, Geschwistern, Familie und Freunden ist für mich eben auch die Bindung zur Natur von ganz großer Bedeutung. Ich glaube, dass es keine Überdosis Natur gib (wohl aber eine Überdosis Gruppenraum!). Also: Raus, so oft es geht! Aber eben nicht nur einfach nach draußen , sondern möglichst naturnah. Wenn man die drei bisherigen Gedanken zusammennimmt – Selbstläufer, Gestimmtheit und Potenzial – dann frage ich mich, warum Kindrgarten-Kinder nicht viel, viel öfter in der Natur sind.

Input & Output. 12 mal vormittags in den Wald erforderte exakt eine Woche Überstunden und 3 Tage Urlaub. Das ist machbar. Besser ist es natürlich, wenn man sich das mit mehrern teilt, aber mir war wichtig, dass es überhaupt losgeht und funktioniert, da ist es nicht verkehrt, wenn das in einer Hand liegt. Ich hatte nicht immer Lust dazu, aber jedes Mal war ich nachher glücklich (siehe den zweiten Punkt!). Den Kindern hat’s richtig gut gefallen. Und auf einmal gab es noch eine zweite Waldgruppe für eine andere Kita-Gruppe. Wegen der Gerechtigkeit (ich finde, Wald selbst hätte als Argument gereicht, aber so ist es natürlich auch gut). Der Hannoverjunge kommt nun in die Schule, heute war der letzte Kindergartentag. Aber die Waldtage gehen weiter. Die nächsten Väter stehen schon in den Startlöchern.

***

Hier nun meine Lieblings-Waldbücher. Es gibt zu dem Thema mittlerweile Unzähliges, daher empfehle ich gerne eine kleine, feine Auswahl.

Aber weiterhin gilt, was ich ganz am Anfang schon geschrieben habe: Der Wald ist ein Selbstläufer, man braucht also auch keine Bücher. Doch ich stöbere immer gerne und mir hilft das, mich selbst einzustimmen.

Ich glaube, man kann grob zwei Arten von Naturerfahrung(sspiel)en unterscheide: nämlich das Erforschen der Natur und das sich Verbinden mit der Natur. Mein Ansatz zielt vor allem auf die Verbundenheit. In den vier folgenden Büchern findet man einige richtig tolle Ideen und Übungen dazu.

Eines „meiner“ ersten Naturbücher war Susanne Fischer-Rizzis Mit der Wildnis verbunden – Kraft schöpfen, Heilung finden (antiquarisch, es gibt aber eine Neuauflage). Es ist schon recht speziell, eine Mischung aus Weisheitswissen und Naturspiritualität, wunderbar. Es kreist immer wieder um das, was ich oben als „Gestimmtheit“ bezeichnet habe. Und übers ganze Buch verteilt sind ca. 50 „Ideen zum Ausprobieren“. Nicht unbedingt für Kindergartenkinder geeignet, aber für sich selbst: zum selbst Ausprobieren und zum Reinkommen in eine ganz andere Beziehung zur Natur. (Danke Joerg!)

Ein gutes Buch mit vielen konkreten Ideen zu Naturaktionen und -spielen ist Waldfühlungen (gibt’s auch als Wiesen-, Wasser- und Wetterfühlungen). Die Naturideen sind nach Jahreszeiten geordnet, die Wahrnehmungsübungen nochmal nach Sinnen sortiert. Und vor allem viel zu Bäumen (inklusive Mythologie und Geschichten zu den verschiedenen Bäumen), mich faszinieren Bäume einfach…

In der Naturwerkstatt Landart aus dem AT Verlag gibt es neben viel Grundlegendem zur Naturkunst auch ein extra Kapitel rund um Landart mit Kindergartenkinder (ebenso auch für Schulkinder, Jugendliche und Erwachsene). Auch wenn ich es nicht ausprobiert habe, scheint mir das sehr praxistauglich zu sein. Und über Landart hinaus finden sich hier auch etliche weitere gute Aktionen zur Naturverbundenheit, es muss nicht immer gleich ein Kunstwerk erschaffen werden.

Michael Kalffs Handbuch zur Natur- und Umweltpädagogik (nur noch antiquarisch, je nach Angebotslage recht teuer, aber lohnend!) ist ein Klassiker. Im Untertitel wird gleich der „Umwelt“-Begriff zurechtgerückt, denn es geht um ein „tieferes Mitweltverständnis“, und so ist das Buch im Grunde eine Art Tiefenökologie-Pädagogik, auch wenn dieser Begriff gar nicht fällt. Das Buch zielt auf eine meditative Naturbegegnung und -erfahrung, dazu bietet Michael Klaff gute didaktische Reflexionen. Anfang der 90er geschrieben, atmet es auch noch etwas den Geist der 80er, ich mag das. Sehr textlastig, sehr gehaltvoll.

Wer Aktionen und Ideen sucht, bei denen stärker das Entdecken & Erforschen im Vordergrund steht, sollte unbedingt den Ordner Kinder entdecken die Natur – Aktionsordner von der Naturschutzjugend (NAJU) bestellen. Allerdings richten sich die Aktionen an Kinder ab 6 Jahren, also für Kindergartenkinder eher nicht geeignet. Das passt aber auch zu meiner Erfahrung, dass die mitgenommenen Becherlupen überhaupt nicht der Renner waren…

Last but not least will ich noch den Natur-Spiele-Klassiker von Joseph Cornell erwähnen: Mit Cornell die Natur erleben – Naturerfahrungsspiele für Kinder und Jugendliche. Es ist quasi eine Kreuzung von Umweltbildung mit amerikanischer New Games-Tradition. Joseph Cornell hat in seiner Didaktik eine  vierschrittige Dramaturgie entwickelt: 1. Begeisterung wecken, 2. Konzentriert wahrnehmen, 3. Unmittelbar erfahren/verbinden, 4. Gemeinsam teilhaben. Diese vier Typen und auch die Abfolge finde ich plausibel und ich habe meine Ideen-Sammlung danach strukturiert.

***

Was mir gefehlt hat, ist eine gute Liedersammlung. Entweder habe ich falsch gesucht oder es gibt wirklich nichts Dolles. Ich werde auf jeden Fall nochmal meine Sammlung an Schöpfungs- & Naturliedern zusammenstellen, das kommt aber gesondert in einem Blogpost (und dann nicht nur für Kinder).

Wir haben zum Abschluss immer das Lied „Du hast uns deine Welt geschenkt“ gesungen. Mit zwei kleinen Änderungen: Statt „Herr“ singen wir „Gott“, und nach jeder Strophe rufen die Kinder rein, welche zwei Naturdinge wir in die nächste Strophe einbauen. Irgendetwas, das wir an dem Tag gesehen haben.

Familienspiritualität

Ich beschäftige mich (immer mal wieder) mit Spiritualität in der Familie. In unserer Familie. Und jetzt habe ich einmal versucht, die ganzen Ideen zusammenzuschreiben: das, was wir machen und das, was wir machen wollen. Ich schreibe dies hier auch, um mich selbst immer wieder an die Ideen zu erinnern – aber natürlich auch, um Anregungen zu geben.

WP_20160824_001 (2) Weiterlesen „Familienspiritualität“

Grenzarbeit

Vor Kurzem blieb ich an diesem Satz hängen:

„Gerade im Experimentieren mit Grenzen spiegelt sich das tiefe Bedürfnis nach Entwicklung […]“ (Marascha Daniela Heisig).

Gefunden habe ich den Satz in einem Buch über therapeutische Naturarbeit (S. 41). Ich konnte dem natürlich sofort zustimmen. Doch dann kam mir in den Sinn, dass bei Kinder gerne exakt das Gegenteil geraten wird: Kindern müssten Grenzen gesetzt werden! Weil sie das bräuchten und letztlich sogar einforderten. Und wer seinen Kindern keine setze, ziehe kleine Tyrannen heran oder könne sich schlicht nicht durchsetzen. Wer will das schon.

Kindern Grenzen zu setzen ist einer der populärsten Weiterlesen „Grenzarbeit“

mutig sein

Mut ist so eine Sache. Bin ich eigentlich mutig? Mal so, mal so. Auf jeden Fall ist Mut etwas, das mir wichtig ist, gerade natürlich auch bei meinen Kindern.

cover_mutIm letzten Urlaub habe ich das Buch Mut – Wie Kinder über sich hinauswachsen von Nicola Schmidt gelesen. Am Strand, in einem Rutsch. Da wir nun bald wieder in den Urlaub aufbrechen, an denselben Strand, will ich nun meinen Ertrag einmal niederbloggen. Ich habe es gern gelesen, einige Aha-Effekte gehabt und auch noch eine handvoll für mich nützlicher Tipps entdeckt.

Zwei wichtige Erkenntnisse gleich zu Beginn: Weiterlesen „mutig sein“

Ritual-Radar

Rituale im Familienleben sind ja ein beliebtes Thema. Und eigentlich ist dazu auch alles schon einmal gesagt worden.

Aber jetzt bin ich doch noch auf eine schöne Sache gestoßen, (m)ein Ritual-Radar.

Von der zeitlichen Struktur kann man ja zwischen wiederkehrenden Ritualen des Jahreskreises und Ritualen im Lebenslauf (in der Regel einmalig, aber das muss nicht zwingend so sein) unterscheiden. Bleiben wir bei den wiederkehrenden Ritualen, denn die Lebenslauf-Rituale sind in aller Regel Weiterlesen „Ritual-Radar“

Von Dörfern und Clans

Wo ist bloß dieses Dorf aus dem afrikanischen Sprichwort, das man braucht, um ein Kind zu erziehen?

Man muss es selbst bauen.

Aber der Reihe nach.

Eltern sind heute mehr denn je auf sich allein gestellt. Zum einen leben Freunde und Verwandte meist über das ganze Land verstreut. Zum anderen gibt es immer weniger konkrete Vorbilder (im praktischen, nicht im pathetischen Sinne!), wie man den Familienalltag hinkriegt – von Rollenmodellen bis zu Weiterlesen „Von Dörfern und Clans“