2018

Mittlerweile ist das neue Jahr ja schon ein paar Tage alt, und mit diesem Abstand will ich ein paar Dinge nennen, die mir wichtig sind und von denen ich mir wünsche, dass sie mein Jahr prägen werden.

Mehr schreiben

Als ich mir zum Jahreswechsel überlegt habe, was in 2018 ansteht, was ich machen und gerne erreichen möchte, waren da immer wieder „Produkte“ darunter, die mit Schreiben zu tun haben. Ich hege ja keinerlei wissenschaftliche Absichten – und ich bin heilfroh darüber. Ein altes Projekt hängt immer noch in der Pipeline (und books-on-demand ist wirklich eine feine Sache!), die eine oder andere berufliche Doku steht noch aus, Blogartikelideen habe ich in Hülle und Fülle und, nennen wir es mal, Lebenskunst-Gebrauchstexte mag ich einfach.

Schreiben steht auch auf meiner Was-mir-gut-tut-Liste (#8, #9, #10). Also: Mehr schreiben. Einfach mehr schreiben dieses Jahr.

Früher nach Hause

Da ich öfter abends oder am Wochenende arbeiten muss, will ich unter der Woche früher Feierabend machen. Und zwar deutlich konsequenter als bisher. Um 16:00 Uhr ist jetzt Schluss. Ausnahmen bestätigen die Regel, klar aber grundsätzlich bin ich nur noch bis vier im Büro. Das heißt eine Stunde früher zuhause – und diese eine Stunde wirkt sich unglaublich positiv auf das Familienleben aus. Ich habe mir für die nächsten Wochen die 16Uhr-Marke im Kalender notiert. Einfach einen Strich auf Höhe von 16h gezogen, das ist eigentlich gar nicht schwer.

Weitermachen: Weniger Rechner, kein Smartphone

Mein Notebook war so alt, dass es irgendwann nicht mehr nutzbar war. Ich habe es weggetan und nicht sofort ein neues gekauft (auch aus dem Grund, weil ich überhaupt nicht wusste, was für eines). Das tat mir gut. Abends einfach mal auf dem Balkon sitzen und nicht vorm Rechner.

Da ich dann die Aktivitäten auf mein Smartphone verlagerte, habe ich auch das Smartphone weggelegt (ich habe zudem auch immer Pech mit meinen Smartphones, sie wollen nie so, wie ich es will und geben irgendwann ihren Geist auf – aber vielleicht soll es ja gerade so ein). Ich habe mir statt dessen ein Nokia 3310 gekauft, die 2017er-Edition. Da gab es sogar einen Lieferengpass, weil ich anscheinend nicht der einizige bin, der auf diese Idee kam. Mit meinem neuen Handy kann ich telefonieren und SMS schreiben, es hat einen Taschenrechner, einen  Wecker und eine Taschenlampe – wunderbar!

Dankbarkeitspraxis

Ich habe zwei spirituelle Praktiken: Herzensgebet und Dankbarkeitspraxis. Zu beidem habe ich hier auf dem Blog ja schon einiges geschrieben. Mein Artikel über die verschiedenen Dankbarkeitsübungen ist übrigens der meistgelesene auf dem Blog.

Seit dem letzten Jahr führe ich ein Dankbarkeitstagebuch, nicht täglich, aber doch sehr regelmäßig. Vorher habe ich mehrere Anläufe genommen, bis ich eine Variante entwickelt habe, die für mich wirklich funktioniert. Die Details erkläre ich später mal hier. Damit will ich weiter machen. Kaum etwas ist so wirkungsvoll und heilsam.

Heartfulness

Ich entdecke mein Herz (wenn das mal nichts ist!). Ich finde es erstaunlich, an wie vielen verschiedenen Stellen ich letztes Jahr auf dieses Thema gestoßen bin. Es sind ganz unterschiedliche Zugänge, aber das Spannende daran ist: organische, emotionale und spirituelle Dimensionen verweben sich miteinander. Dies ist verhältnismäßig neu, in den letzten Jahren scheint es da tatsächlich einige Erkenntnis-Durchbrüche gegeben zu haben, ich überblicke das noch nicht ganz. Ich ahne, dass da (für mich) ein wichtiger Schlüssel liegt. Wozu wird sich noch zeigen.

Es gibt Meditationen, die beim Herzen ansetzen. Zwei solcher Herz-Meditationen beschreibe ich im nächsten Blogpost, dann wird vielleicht deutlicher, was ich damit meine.

Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass Heartfulness in den nächsten Jahren einen Boom erleben wird. Ich habe ja nie so recht einen Zugang zur Achtsamkeitspraxis gefunden. Vielleicht ist mir bei der Mindfulness – Achtsamkeit ist ja der deutsche Übersetzungsversuch für das englische Mindfulness – einfach zuviel mind im Spiel.

Mein Platz im Wandel

Die letzten beiden Blogartikel (wir & jetzt und Die 4 Dimensionen des Wandels) haben sich ja mit der Frage nach dem eigenen Platz im Wandel beschäftigt. Das eigentliche Ding ist, diesen Platz zu finden und ihn einzunehmen.

Ich habe einige recht konkrete Ideen, angefangen dass ich meine Spendenpraxis überdenke und wohl ändern werde. Auch entdecke ich immer mehr, wie sehr mich das Stichwort „Grüne Reformation“ beschäftigt, und dass ich dazu tatsächlich etwas anbieten und beitragen kann (einen Blogbeitrag hatte ich ja bereits angekündigt, den ich ja noch schuldig geblieben bin).

 

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Väterliches Herz

Matthew Fox, der alte Haudegen, nennt neun Eigenschaften eines „väterlichen Herzens“.

Wie so oft bei Matthew Fox kommt seine Zusammenstellung eher intuitiv-assoziativ daher – aber das muss ja nicht schecht sein. Ich finde sie gut, wahr und schön. Daher stelle ich sie hier ein. Als Anregung.

Ich zitiere dazu jeweils ein, zwei Sätze der neun Eigenschaften:

1. Liebevolle Fürsorge. Das väterliche Herz umsorgt. […]

2. Großzügiges Geben. Das väterliche Herz ist ein gebendes, ein großzügiges Herz. Kinder können das Beste aus einem Mann herausholen, und das ist die Fähigkeit zu großzügigem Geben. […]

3. Zuhören. Das väterliche Herz ist auch aufnehmend; es hört zu. Es schreibt nichts vor und antwortet nicht mit dem Aktions-Reaktions-Schema des Reptiliengehirns. […]

4. Vorausschauen. Ein väterliches Herz berücksichtigt die Zukunft. Es begreift, das ein Vater sterblich ist und nicht immer dasein wird. Es sorgt für die Zukunft […]

5. Ermutigung. Ein väterliches Herz ist ein ermutigendes Herz. Es hilft seinen Kindern dabei, selbst Mut zu entwickeln, indem es sie lehrt, wie man stark genug für die Reise des Lebens wird …]

6. Den Überblick bewahren. […] Weil es nicht in der Vergangenheit lebt und keinen Groll mit sich herumträgt, sondern vielmehr gesunde Ventile für seinen Zorn findet, ist es auch nicht verbittert. Verntile wie das Heilen und Dienen. […]

7. Spielerisch und zugewandt. Ein väterliches Herz ist spielerisch-ausgelassen und liebevoll zugewandt. […]

8. Schutz. Ein väterliches Herz beschützt. […]

9. Unterweisung. Ein guter Vater lehrt und unterweist. […]

(Quelle: Matthew Fox, Die verborgene Spiritualität des Mannes, 2011, S. 233-234)

Matthew Fox bezieht dies übrigens nicht nur auf biologisches Vatersein, sondern auf alle Arten von Vaterschaften. Und das väterliche Herz richtet sich nicht nur auf Kinder, sondern auch auf Gemeinschaften. Das nur als Ergänzung.

Ich höre es für mich aber trotzdem erst einmal ganz im buchstäblichen Sinne…

Kinder in den Wald

In der Kita vom Hannoverjungen habe ich im letzten Jahr Waldtage gemacht, insgesamt zwölf Stück. Im Grunde waren es Waldvormittage: Eine feste Gruppe mit acht Vier- und Fünfjährigen, eine  Erzieherin der Kita und ich zogen für 3 Stunden in den nahe gelegenen Wald(streifen).

Fünf Gedanken will ich hier teilen. Und danach meine Lieblings-Waldbücher empfehlen.

Wald ist ein Selbstläufer. Man muss fast nichts machen. Das musste ich erst lernen. Am Anfang hatte ich immer kleine Spiele vorbereitet, so die Klassiker: Suchaufträge, Fühlmemory usw. Aber die Kinder wollten das gar nicht, sie wollten einen anderen Klassiker: Freispiel. Einfach im Wald sein: Toben, Buddeln, Entdecken, Bauen. Sie wissen etwas mit sich und dem Wald anzufangen. Wir mussten wenig „machen“, hauptsächlich den Rahmen gestalten: Nest bauen, Morgenlied singen, frühstücken. Und zum Schluss wieder in den Kreis und ein Abschlusslied singen.

Die Gestimmtheit im Wald. Wald ist etwas Besonderes. Es gibt einige Landschaften, die eine ganz eigene Gestimmtheit ausstrahlen: Küste, Berge, Wüste… Und eben auch der Wald. Das merken auch die Kinder. Ich habe den Eindruck, dass sie anders spielen. Und das liegt nicht einfach nur am draußen sein, es hat etwas mit dem Wald selbst zu tun. Das fiel mir besonders im Vergleich zur Wiese auf. Einige wenige Male haben wir einen Teil der Zeit auf einer parkähnlichen Wiese neben dem Wald verbracht. Das Spiel und die Stimmung der Kindern waren anders. Ich empfand einen unterschwellige Aufforderung nach Animation und Entertainment, die ich im Wald so nie gespürt habe.

Wald bietet viel. Wald geht bei fast jedem Wetter. Während man in der Kita bei Regen natürlich drin bleibt, ist Regen im Wald kein großes Problem. Die Bäume halten einiges ab, zur Not spannt man eine Plane und matschige Erde ist ja eh wunderbar (das eine oder andere Mal hatte ich echt ein bisschen Sorge, Ärger von den anderen Eltern zu bekommen, weil die Kinder wirklich richtig, richtig dreckig zurückkamen). – Was der Wald auch wie kaum eine andere Umgebung bietet: Man kann sich dort wunderbar gemeinsam und alleine beschäftigen. Man kann jederzeit wechseln, grad was für einen am besten passt. Immer wieder gab es Kinder, die für eine zeitlang ganz alleine gespielt haben.

Warum Wald? Bindung vor Bildung ist ja eins der Mantren der bedürfnisorientierten Erziehung. Ich finde das auch ganz richtig. Und neben der Bindung/Beziehung zu Eltern, Geschwistern, Familie und Freunden ist für mich eben auch die Bindung zur Natur von ganz großer Bedeutung. Ich glaube, dass es keine Überdosis Natur gib (wohl aber eine Überdosis Gruppenraum!). Also: Raus, so oft es geht! Aber eben nicht nur einfach nach draußen , sondern möglichst naturnah. Wenn man die drei bisherigen Gedanken zusammennimmt – Selbstläufer, Gestimmtheit und Potenzial – dann frage ich mich, warum Kindergarten-Kinder nicht viel, viel öfter in der Natur sind.

Input & Output. 12 mal vormittags in den Wald erforderte exakt eine Woche Überstunden und 3 Tage Urlaub. Das ist machbar. Besser ist es natürlich, wenn man sich das mit mehreren teilt, aber mir war wichtig, dass es überhaupt losgeht und funktioniert, da ist es nicht verkehrt, wenn das in einer Hand liegt. Ich hatte nicht immer Lust dazu, aber jedes Mal war ich nachher glücklich (siehe den zweiten Punkt!). Den Kindern hat’s richtig gut gefallen. Und auf einmal gab es noch eine zweite Waldgruppe für eine andere Kita-Gruppe. Wegen der Gerechtigkeit (ich finde, Wald selbst hätte als Argument gereicht, aber so ist es natürlich auch gut). Der Hannoverjunge kommt nun in die Schule, heute war der letzte Kindergartentag. Aber die Waldtage gehen weiter. Die nächsten Väter stehen schon in den Startlöchern.

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Hier nun meine Lieblings-Waldbücher. Es gibt zu dem Thema mittlerweile Unzähliges, daher empfehle ich gerne eine kleine, feine Auswahl.

Aber weiterhin gilt, was ich ganz am Anfang schon geschrieben habe: Der Wald ist ein Selbstläufer, man braucht also auch keine Bücher. Doch ich stöbere immer gerne und mir hilft das, mich selbst einzustimmen.

Ich glaube, man kann grob zwei Arten von Naturerfahrung(sspiel)en unterscheiden: nämlich das Erforschen der Natur und das sich Verbinden mit der Natur. Mein Ansatz zielt vor allem auf die Verbundenheit. In den vier folgenden Büchern findet man einige richtig tolle Ideen und Übungen dazu.

Eines „meiner“ ersten Naturbücher war Susanne Fischer-Rizzis Mit der Wildnis verbunden – Kraft schöpfen, Heilung finden (antiquarisch, es gibt aber eine Neuauflage). Es ist schon recht speziell, eine Mischung aus Weisheitswissen und Naturspiritualität, wunderbar. Es kreist immer wieder um das, was ich oben als „Gestimmtheit“ bezeichnet habe. Und übers ganze Buch verteilt sind ca. 50 „Ideen zum Ausprobieren“. Nicht unbedingt für Kindergartenkinder geeignet, aber für sich selbst: zum selbst Ausprobieren und zum Reinkommen in eine ganz andere Beziehung zur Natur. (Danke Joerg!)

Ein gutes Buch mit vielen konkreten Ideen zu Naturaktionen und -spielen ist Waldfühlungen (gibt’s auch als Wiesen-, Wasser- und Wetterfühlungen). Die Naturideen sind nach Jahreszeiten geordnet, die Wahrnehmungsübungen nochmal nach Sinnen sortiert. Und vor allem viel zu Bäumen (inklusive Mythologie und Geschichten zu den verschiedenen Bäumen), mich faszinieren Bäume einfach…

In der Naturwerkstatt Landart aus dem AT Verlag gibt es neben viel Grundlegendem zur Naturkunst auch ein extra Kapitel rund um Landart mit Kindergartenkinder (ebenso auch für Schulkinder, Jugendliche und Erwachsene). Auch wenn ich es nicht ausprobiert habe, scheint mir das sehr praxistauglich zu sein. Und über Landart hinaus finden sich hier auch etliche weitere gute Aktionen zur Naturverbundenheit, es muss nicht immer gleich ein Kunstwerk erschaffen werden.

Michael Kalffs Handbuch zur Natur- und Umweltpädagogik (nur noch antiquarisch, je nach Angebotslage recht teuer, aber lohnend!) ist ein Klassiker. Im Untertitel wird gleich der „Umwelt“-Begriff zurechtgerückt, denn es geht um ein „tieferes Mitweltverständnis“, und so ist das Buch im Grunde eine Art Tiefenökologie-Pädagogik, auch wenn dieser Begriff gar nicht fällt. Das Buch zielt auf eine meditative Naturbegegnung und -erfahrung, dazu bietet Michael Kalff gute didaktische Reflexionen. Anfang der 90er geschrieben, atmet es auch noch etwas den Geist der 80er, ich mag das. Sehr textlastig, sehr gehaltvoll.

Wer Aktionen und Ideen sucht, bei denen stärker das Entdecken & Erforschen im Vordergrund steht, sollte unbedingt den Ordner Kinder entdecken die Natur – Aktionsordner von der Naturschutzjugend (NAJU) bestellen. Allerdings richten sich die Aktionen an Kinder ab 6 Jahren, also für Kindergartenkinder eher nicht geeignet. Das passt aber auch zu meiner Erfahrung, dass die mitgenommenen Becherlupen überhaupt nicht der Renner waren…

Last but not least will ich noch den Natur-Spiele-Klassiker von Joseph Cornell erwähnen: Mit Cornell die Natur erleben – Naturerfahrungsspiele für Kinder und Jugendliche. Es ist quasi eine Kreuzung von Umweltbildung mit amerikanischer New Games-Tradition. Joseph Cornell hat in seiner Didaktik eine  vierschrittige Dramaturgie entwickelt: 1. Begeisterung wecken, 2. Konzentriert wahrnehmen, 3. Unmittelbar erfahren/verbinden, 4. Gemeinsam teilhaben. Diese vier Typen und auch die Abfolge finde ich plausibel und ich habe meine Ideen-Sammlung danach strukturiert.

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Was mir gefehlt hat, ist eine gute Liedersammlung. Entweder habe ich falsch gesucht oder es gibt wirklich nichts Dolles. Ich werde auf jeden Fall nochmal meine Sammlung an Schöpfungs- & Naturliedern zusammenstellen, das kommt aber gesondert in einem Blogpost (und dann nicht nur für Kinder).

Wir haben zum Abschluss immer das Lied „Du hast uns deine Welt geschenkt“ gesungen. Mit zwei kleinen Änderungen: Statt „Herr“ singen wir „Gott“, und nach jeder Strophe rufen die Kinder rein, welche zwei Naturdinge wir in die nächste Strophe einbauen. Irgendetwas, das wir an dem Tag gesehen haben.

Familienspiritualität

Immer (mal) wieder beschäftige mich mit Spiritualität in der Familie. In unserer Familie. Und jetzt habe ich versucht, die all das zusammenzuschreiben: das, was wir machen und das, was wir machen wollen. Ich schreibe dies vor allem auch deshalb, um mich selbst immer wieder an die Ideen zu erinnern.

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Christliche Familienspiritualität hat für mich drei große Zugänge: der Jahreskreis, Praktiken und Lebenshaltungen, die Spiritualität nähren (Wurzeln). Es mag sicherlich noch anderes geben, aber diese drei Zugänge sind für mich die wesentlichen.

Beim Jahreskreis braucht man gute Ideen, bei den Praktiken muss man oft erst ein bisschen rumprobieren und bei den Wurzeln braucht es den Blick dafür, wie man sie im Alltag nähren kann.

 

Jahreskreis: Feste feiern

Wenn man die Feste des Jahreskreises feiert, immer und immer wieder, wird man dreierlei entdecken: Es gibt einen zyklischen Ablauf in der Zeit, es gibt Gründe zum Feiern und den Festen und Zeiten wohnen bestimmte Themen inne.

Im Grunde sind es ja zwei Jahreskreise, nämlich das Kirchenjahr und der Verlauf der Jahreszeiten. Beide hängen an etlichen Stellen zusammen und gerade diese Beziehungen sind spannend. Sie sind nicht immer sofort eingänglich, bieten aber viele Erkenntnisse über unsere Welt (…und was sie im Innersten zusammenhält). Gerade die alten (Kirchenjahres-)Feste und Bräuche haben oft eine Tiefe und Weisheit, die sich nicht immer sogleich erschließt. Wer hier gerne etwas tiefer bohren oder einfach nur anregend stöbern möchte, dem sei das beste Buch zum Thema empfohlen: Die Heilkraft der Feste von Hans Gerhard Behringer.

fffEine recht einfache Sache ist es ja, an den öffentlichen Festen teilzunehmen, also beispielsweise beim Martins-Umzug mitziehen oder den Erntedank-Gottesdienst besuchen.

Deutlich Anspruchsvoller wird es, die Kirchenjahres- oder Jahreszeitenfeste Zuhause in der Familie zu begehen. Es braucht zum einen gute Anregungen, zum anderen muss man rechtzeitig dran denken. Meistens scheitert es wohl aus diesen beiden Gründen. Eine praktische und gehaltvolle Inspirationsquelle ist für uns die (katholische) Internetseite Familien feiern Feste der Diözesen Innsbruck und Bozen-Brixen geworden.

 

Praktiken: Die eigene Spiritualität ausdrücken

Das Nächste sind religiöse Praktiken: Singen, Beten, Erzählen, Meditieren, Segnen (und das schon erwähnte Feiern gehört natürlich auch in diese Reihe, aber das Feiern des Jahresverlaufs ist für mich halt nochmal ein ganz eigener Zugang). All diese Praktiken sind einfach, elementar und da sie seit Jahrtausenden gepflegt werden irgendwie auch archaisch.

Singen. Ich bin immer wieder beeindruckt, was Singen für eine Kraft und Tiefe hat. Beim Singen kann das Herz aufgehen. Singen ist etwas sehr Körperliches. Und wenn man singt, erlebt man, selbst Urheber zu sein – wohl eine der wichtigsten Erfahrungen, die man in dieser Welt machen kann. Singen kann man in vielen Varianten: vorsingen (vor allem beim Einschlafen), gemeinsam singen, mitsingen (z.B. zur CD), alleine singen.

Beten. Ich mag ritualisierte, vorformulierte Gebete. Dazu habe ich hier schon etwas geschrieben. Beim freien Beten finde ich gut, wenn es eine gewisse Struktur hat. Eine tolle Sache ist es, mit den „Perlen des Glauben“ zu beten (auch hierzu später mehr…). Und dann gibt es auch die Idee, auch mit Kindern das Herzensgebet zu beten. Dazu sollten die Kinder aber etwas älter sein (daher habe ich damit noch keine Erfahrung), außerdem empfielt Rüdiger Maschwitz einige Dinge zu beachten.

Erzählen und Vorlesen. Religionen sind Erzähltraditionen. Und Erzählen ist ein Kulturgut. Ich bin kein so guter Erzähler (zumindest im Vergleich zu meiner Frau), ich verlege mich hier aufs Vorlesen. Aber das ist ja auch gut. Mit Kinderbibeln habe ich bisher noch nicht so viel Erfahrung. Nur so viel: Ich mag Kees de Kort und Jörg Zink. Die Kees de Kort-Bilderbücher sind ja sehr bekannt (hier eine tolle Reportage über ihn). Weniger bekannt, trotzdem ein Klassiker, ist „meine“ alte Kinderbibel: Der Morgen weiß mehr als der Abend von Jörg Zink. Ich finde sie erzählerisch und theologisch großartig. Allerdings sollte man sich unbedingt antiquarisch die vergriffene Auflage aus dem Kreuz-Verlag besorgen, nicht die aktuell erhältliche Neuveröffentlichung aus dem Nikol-Verlag (ästhetisch deutlich schlechter!).

Zum Meditieren zählen für mich Stille-Übungen, WahrnehmungsÜbungen (den Atem wahrnehmen, die Natur wahrnehmen) und das Imaginieren. In der Praxis sind es meist Mischformen. Ein klein bisschen Erfahrung haben wir damit schon gemacht, auch hier kommt noch ein eigener Beitrag. Auf meiner Liste ganz oben stehen diese beiden Bücher: Stillsitzen wie ein Frosch und Kinder endtdecken ihre innere Kraft.

Aufs Segnen bin ich erst gar nicht gekommen. Aber mir wird es immer wichtiger. Das eine ist: sich segnen zu lassen. Das haben wir zum Beispiel mal auf dem Schwanberg gemacht (in dem die Segnung fester Bestandteil des Morgengottesdienstes ist). Schön finde ich, sich als Familie segnen zu lassen – also nicht nur die Kinder. Das andere ist: selbst zu segnen. Ich glaube, dass dies eine ganz wesentliche Aufgabe von Eltern ist: ihre Kinder zu segnen, ihnen die Hände aufzulegen und ein Segenswort zu sprechen, ihnen die Kraft zuzusprechen, die trägt. Vielleicht später dazu einmal mehr, ich muss damit erst selbst noch mehr Erfahrung machen. Aber erstaunlich, dass das Segnen eher unüblich ist. — Kurz & kompakt zum Segnen von Kindern ist diese Handreichung (eher ein Handzettel) der Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung. Sehr ausführlich & empfehlenswert ist die Arbeitshilfe über das Segnen der Württembergischen Landeskirche.

Spirituelle Lebenshaltungen nähren

Bei diesem dritten Zugang geht es um all das, was Spiritualität im Alltag nährt, fördert, ermöglicht. Hier könnte man nun unzählige Sachen aufzählen, aber ich finde es anregender, nur wenige aber wesentliche Haltungen zu nennen. Hier meine fünf Favoriten: Verbundenheit, Mitgefühl, Achtsamkeit, Staunen, Schöpferischsein. Zu jedem Aspekt ist viel zu sagen, aber ich mach es kurz (auch weil ich selbst noch gar nicht so viel beisteueren kann).

Zur Verbundenheit habe ich ja schon etwas ausführlicher gebloggt. Hier geht’s erstmal um die Verbundenheit mit der eigene Familie, später mit den „Peers“ und natürlich mit der Natur. Anregend kann es auch sein, die eigenen Wurzeln zu bedenken.

Eine gute Idee, Mitgefühl zu entwickeln, ist das Geschichtenvorlesen (oder Bilderbuchangucken) und sich dann in die einzelnen Leute hineinzuversetzen: Wie fühlen sie sich wohl gerade? Und: Kennst du das auch, wie würdest du dich in der Situation fühlen?

Achtsamkeit – ein weites Feld. Mir fällt Achtsamkeit oft schwer, aber andererseits nervt mich Unachstamkeit kolossal. Eine schöne Inspirationsquelle ist der Blog Achstamkeit im Alltag leben und natürlich die Internetseite des Arbor-Verlags.

Staunen ist schon etwas Tolles. Staunen heißt ja, auf etwas Unerwartetes zu treffen und sich davon begeistern zu lassen. Ich staune immer wieder, worüber meine Kindern staunen. Wie kann man es fördern? „Add Magic to the Ordinary“ vielleicht? Oder einfach selber staunen…

Und schließlich ist da noch das Entdecken, selbst etwas zu erschaffen, schöpferisch zu sein. Zu erleben, selbst Urheber zu sein, Schöpferkraft zu besitzen – das geht natürlich gut bei allem Kreativen. Schönheit spielt dabei keine Rolle – der Satz „Das hast du aber schön gemacht!“ ist daher auch nichts so glücklich – sondern das sich Ausdrücken und Erschaffen. Wenn im christlichen/kirchlichen Kontext betont wird, dass der Mensch „Ebenbild Gottes“ sei, wird daraus meist Würde und Wert des Menschen abgeleitet. Viel näherliegend finde ich allerdings folgenden Zusammenhang: Wenn Gott der Schöpfer ist und der Mensch das Ebenbild Gottes, dann ist der Mensch… genau, selbst auch Schöpfer. Darum geht’s!

 

Zum Stöbern: die Perlen

hkdfEs gibt viele Bücher (und auch Internetseiten) rund um Spiritualität und Religion in der Familie. Allerdings gibt es auch sehr viel Gedöns. Daher möchte ich hier einige Perlen verlinken…

Beim Thema Feste feiern hatte ich ja schon auf die Internetseite Familien feiern Feste hingewisen. Das umfassende Buch „Die Heilkraft der Feste“ ist nur noch antiquarisch oder beim Autor selbst zu erhalten.

ggbZu den Praktiken, den „Ausdrucksformen“, kann ich das Buch Gemeinsam Gott begegnen sehr empfehlen. Dort beschreibt Rüdiger Maschwitz den Ansatz Kinder geistlich zu begleiten – in Abgrenzung zur Formulierung „Kinder religiös zu erziehen“. Ein paar Ideen finden sich auch auf seiner Internetseite kinder-geistlich-begleiten.de (etwas altbackener Look, aber guter Inhalt).

wufAnton Bucher, katholischer Religionspädagog-Prof, hat ein schönes Buch über spiritulle Erziehung geschrieben: Wurzeln und Flügel – Wie spirituelle Erziehung für das Leben stärkt. Er versteht Spiritualität als Verbundensein, und zwar mit natur & Kosmos, mit der sozialen Mitwelt, mit einem höheren, göttlichen Wesen und mit dem Selbst (also ziemlich genau das, was ich auch in meinem Blogbeitrag getrenntsein & verbundensein beschreibe). Alle vier Dimensionen werden gut verständlich erklärt und mit etlichen Anregungen versehen.

Wer schöne kreative Ideen sucht, viele Kunst- und Natur-Sachen, der findet auf dem Blog Explore and Express tolle Anregungen. Das Blog ist stark von Montessori und Godly Play geprägt und ist für mich ein Top-Tipp!

Etwas mehr churchy ist die Seite Spiritual Child Network. Der eigentliche Tipp ist die dazugehörende Facebook-Gruppe. Einfach mal abonnieren und gucken, ob es für einen passt…

10pfspLast but überhaupt nicht least noch das Buch 10 Principles for Spiritual Parenting. Leider gibt es das nicht auf deutsch. Mit guten Fragen für Kinder und für die ganze Familie, um in das jeweilige Thema einzusteigen plus Affirmationen & Mantren für Eltern und Kinder.

Grenzarbeit

Vor Kurzem blieb ich an diesem Satz hängen:

„Gerade im Experimentieren mit Grenzen spiegelt sich das tiefe Bedürfnis nach Entwicklung […]“ (Marascha Daniela Heisig).

Gefunden habe ich den Satz in einem Buch über therapeutische Naturarbeit (S. 41). Ich konnte dem natürlich sofort zustimmen. Doch dann kam mir in den Sinn, dass bei Kinder gerne exakt das Gegenteil geraten wird: Kindern müssten Grenzen gesetzt werden! Weil sie das bräuchten und letztlich sogar einforderten. Und wer seinen Kindern keine setze, ziehe kleine Tyrannen heran oder könne sich schlicht nicht durchsetzen. Wer will das schon.

Kindern Grenzen zu setzen ist einer der populärsten Weiterlesen „Grenzarbeit“

mutig sein

Mut ist so eine Sache. Bin ich eigentlich mutig? Mal so, mal so. Auf jeden Fall ist Mut etwas, das mir wichtig ist, gerade natürlich auch bei meinen Kindern.

cover_mutIm letzten Urlaub habe ich das Buch Mut – Wie Kinder über sich hinauswachsen von Nicola Schmidt gelesen. Am Strand, in einem Rutsch. Da wir nun bald wieder in den Urlaub aufbrechen, an denselben Strand, will ich nun meinen Ertrag einmal niederbloggen. Ich habe es gern gelesen, einige Aha-Effekte gehabt und auch noch eine handvoll für mich nützlicher Tipps entdeckt.

Zwei wichtige Erkenntnisse gleich zu Beginn: Weiterlesen „mutig sein“

Ritual-Radar

Rituale im Familienleben sind ja ein beliebtes Thema. Und eigentlich ist dazu auch alles schon einmal gesagt worden.

Aber jetzt bin ich doch noch auf eine schöne Sache gestoßen, (m)ein Ritual-Radar.

Von der zeitlichen Struktur kann man ja zwischen wiederkehrenden Ritualen des Jahreskreises und Ritualen im Lebenslauf (in der Regel einmalig, aber das muss nicht zwingend so sein) unterscheiden. Bleiben wir bei den wiederkehrenden Ritualen, denn die Lebenslauf-Rituale sind in aller Regel Weiterlesen „Ritual-Radar“