einfaches Leben (2)

Einfaches Leben ist ja eine Sache, der ich mich verbunden fühle. Ich hatte hier auch schon einmal etwas dazu geschrieben. Aber was genau ist für mich eigentlich einfaches Leben?

Einfacher im Sinne von weniger: Das rechte Maß finden. Da wir in der westlichen Welt weit über unsere Maßstäbe leben, bedeutet ein rechtes Maß vor allem eines: weniger. Und zwar von (fast) allem. Auch wenn „weniger ist mehr“ wie ein Floskel klingt, merke ich immer wieder, dass sie stimmt, für mich stimmig ist.

„Weniger ist mehr“ gilt für mich nicht nur beim Verbrauch (Konsum), sondern auch bei all dem, was ich mental und emotional in mich reinlasse. Auch dazu hatte ich schon einmal etwas geschrieben. Es wird mir immer wichtiger.

Einfacher im Sinne von konzentrierter: Einen Fokus setzen. Das hat Daija auf liebevollerleben gut beschrieben:

„Unter einem einfachen Leben verstehe ich ein Leben, bei dem ich mich auf das, was mir wirklich wichtig ist, konzentriere; alles andere entferne ich in einem fortlaufenden Prozess, soweit dies möglich ist. […] Wenn man sich freiwillig für ein einfaches Leben entscheidet, geht es primär nicht um ein ‚Weniger‘ sondern um ein ‚Anders‘; in diesem Fall ist eher ein ’side-shifting‘ als ein ‚downshifting‘. […] Es geht darum, mehr Raum zu schaffen für individuell unterschiedliche Prioritäten: mehr mehr Zeit für zwischenmenschliche Beziehungen, Spiritualität, Lernen und persönliche Weiterentwicklung, Kreativität, Wohlbefinden oder soziales Engagement.

Einfacher im Sinne von natürlicher: Orientierung an der Natur. Dazu gehören möglichst natürliche Produkte und deren ebensolche Herstellung – bei all den Ambivalenzen, die damit oft verbunden sind (Wenn in unserer Biokiste manches Gemüse in Plastik eingepackt ist, ist das natürlich nicht Sinn der Sache. Wobei das andererseits auch wiederum kein Grund ist, keine Biokiste zu haben, denn Biogemüse in Plastik ist immer noch besser als konventionelles Gemüse in Plastik).

Orientierung an der Natur bedeutet für mich aber noch weit mehr: die Berücksichtigung von natürlichen Rhythmen wie den den Jahreszeiten (kleine Notiz dazu hier) und das Eingehen auf natürliche Entwicklungsschritte wie zum Beispiel beim „artgerecht“-Ansatz in der Erziehung.

Einige Erkenntnisse

Einfacher leben bedeutet für mich kein „Zurück“. Ich will nicht mit einem Steinzeit-Clan in einer Höhle leben. Ich will einfacher, nicht primitiver leben. Einfacher leben geht nach vorne, aber ohne ein „weiter so“.

Einfaches Leben verherrlicht nicht den Mangel, sondern sucht „ein Leben in Fülle“.  All das sage ich als jemand, der satt ist. Einfaches Leben ist ein Aufstand der Satten. Was die Idee nicht schmälert, aber man sollte es klar haben.

Ich lebe an vielen Punkten gar kein „einfaches Leben“. Aber trotzdem ist diese Idee für mich wichtig. Die Bilder, die ich mit einem einfachen Leben verbinde, sind für mich stark und wirksam, sie nähren und beruhigen mich.

Weitergehen und Handeln (activehope #07)

Im 4. Schritt von Active Hope geht es darum, ins Handeln zu kommen – so ja auch die deutsche Übersetzung von Active Hope: Hoffnung durch Handeln. Das braucht visionäre Begeisterung und pragmatische Unterstützung.

Wie komme ich ins Handeln? Wie kann ich nach den ersten drei Schritten von Dankbarkeit, Schmerz und Perspektivwechsel nun gut und gestärkt weitergehen? Ich habe drei Ideen ausgesucht und noch um eine vierte ergänzt.

Gleichzeitig „groß“ und „klein“ denken

Der Übung „Identifiziere dich mit deinen Zielen und Ressourcen“ (S. 181-182) habe ich ich diese beiden Fragen entnommen:

  • Wenn du wüsstest, dass du nicht scheitern könntest, was würdest du dann am liebsten für die Gesundung der Welt tun? (S. 181)
  • Welchen Schritt kannst du innerhalb der nächsten Woche machen, ganz gleich, wie klein er sein mag […], der dich deinem Ziel näher bringt? (S. 182)

Die erste ermutigt dazu, wirklich „groß“ zu denken, die zweite würdigt die ganz kleinen Schritte, mit denen alles beginnt. Diese beiden Fragen eignen sich gut für pädagogische Prozesse, am besten in Dyaden oder Triaden – und ruhig langsam angehen

Drei Unterstützungsarten

Um Unterstützung aufzubauen, ist es gut, die drei wichtigsten Unterstützungsarten einzeln zu betrachten: Verbündete, Wissen und Rüstzeug. Das hatte ich bereits in diesem Blogbeirag erwähnt. Also:

  • Welche Verbündeten brauche ich?
  • Welches Wissen brauchen ich?
  • Welches Rüstzeug (Fähigkeiten, Methoden, Anleitungen…) brauche ich?

Gelübde schreiben

„Gelübde“ ist wirklich ein seltenes Wort. Es meint ein selbst gewähltes Versprechen, das man sich gibt, im kommunitären Zusammenhang ist es eine Lebensregel, auf die sich eine Gemeinschaft verpflichtet. Joanna Macy formulierte ein Gelübde, nach dem sie dieser Idee zunächst skeptisch gegenüberstand. Es war ihr wohl religiös zu aufgeladen. Aber die Idee ist simpel und gut: Formuliere eine persönliche Lebensregel (die nur für die gilt und der nur du dich selbst zu verantworten hast), die aus maximal fünf Punkten besteht.

Peter Aschoff zitiert Joanna Macys Gelübde in einem Beitrag auf seinem Blog und vergleicht es auch gleich mit der Lebensregel der Iona-Gemeinschaft. Dies war übrigens eine meiner ersten Begegnungen mit dem Werk von Joanna Macy.

Aufmerksamkeit auf meinen Einflussbereich lenken

Diese ist Idee habe ich hier auf dem Pioneers of Change-Blog von Martin Kircher gefunden. Es ist ein ganz einfaches Bild, das nur aus zwei konzentrischen Kreisen besteht: Der größere umfasst alles, was mich beschäftigt („circle of concern“), der kleinere umfasst das, worauf ich selbst einen Einfluss habe („circle of influence“). Es geht schlicht und einfach darum, beides zu unterscheiden und die Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was ich selbst beeinflussen kann – um dann zu versuchen, diesen Bereich zu vergrößern.

***

Zu guter Letzt: Die Änderung der Vorhersehung

Joanna Macy zitiert eine schöne Passage, die Johann Wolfgang von Goethe zugeschrieben wird (wahrscheinlich aber von W. H. Murray ist):

In dem Augenblick, in dem man sich endgültig einer Aufgabe verschreibt, bewegt sich die Vorsehung auch. Alle möglichen Dinge, die sonst nie geschehen wären, geschehen, um einem zu helfen. Ein ganzer Strom von Ereignissen wird in Gang gesetzt durch die Entscheidung, und er sorgt zu den eigenen Gunsten für zahlreiche unvorhergesehene Zufälle, Begegnungen und Hilfen, die sich kein Mensch vorher je so erträumt haben könnte. Was immer Du tun kannst oder wovon Du träumst, beginne es. Kühnheit trägt Genius, Macht und Magie. Beginne jetzt.

2018

Mittlerweile ist das neue Jahr ja schon ein paar Tage alt, und mit diesem Abstand will ich ein paar Dinge nennen, die mir wichtig sind und von denen ich mir wünsche, dass sie mein Jahr prägen werden.

Mehr schreiben

Als ich mir zum Jahreswechsel überlegt habe, was in 2018 ansteht, was ich machen und gerne erreichen möchte, waren da immer wieder „Produkte“ darunter, die mit Schreiben zu tun haben. Ich hege ja keinerlei wissenschaftliche Absichten – und ich bin heilfroh darüber. Ein altes Projekt hängt immer noch in der Pipeline (und books-on-demand ist wirklich eine feine Sache!), die eine oder andere berufliche Doku steht noch aus, Blogartikelideen habe ich in Hülle und Fülle und, nennen wir es mal, Lebenskunst-Gebrauchstexte mag ich einfach.

Schreiben steht auch auf meiner Was-mir-gut-tut-Liste (#8, #9, #10). Also: Mehr schreiben. Einfach mehr schreiben dieses Jahr.

Früher nach Hause

Da ich öfter abends oder am Wochenende arbeiten muss, will ich unter der Woche früher Feierabend machen. Und zwar deutlich konsequenter als bisher. Um 16:00 Uhr ist jetzt Schluss. Ausnahmen bestätigen die Regel, klar aber grundsätzlich bin ich nur noch bis vier im Büro. Das heißt eine Stunde früher zuhause – und diese eine Stunde wirkt sich unglaublich positiv auf das Familienleben aus. Ich habe mir für die nächsten Wochen die 16Uhr-Marke im Kalender notiert. Einfach einen Strich auf Höhe von 16h gezogen, das ist eigentlich gar nicht schwer.

Weitermachen: Weniger Rechner, kein Smartphone

Mein Notebook war so alt, dass es irgendwann nicht mehr nutzbar war. Ich habe es weggetan und nicht sofort ein neues gekauft (auch aus dem Grund, weil ich überhaupt nicht wusste, was für eines). Das tat mir gut. Abends einfach mal auf dem Balkon sitzen und nicht vorm Rechner.

Da ich dann die Aktivitäten auf mein Smartphone verlagerte, habe ich auch das Smartphone weggelegt (ich habe zudem auch immer Pech mit meinen Smartphones, sie wollen nie so, wie ich es will und geben irgendwann ihren Geist auf – aber vielleicht soll es ja gerade so ein). Ich habe mir statt dessen ein Nokia 3310 gekauft, die 2017er-Edition. Da gab es sogar einen Lieferengpass, weil ich anscheinend nicht der einizige bin, der auf diese Idee kam. Mit meinem neuen Handy kann ich telefonieren und SMS schreiben, es hat einen Taschenrechner, einen  Wecker und eine Taschenlampe – wunderbar!

Dankbarkeitspraxis

Ich habe zwei spirituelle Praktiken: Herzensgebet und Dankbarkeitspraxis. Zu beidem habe ich hier auf dem Blog ja schon einiges geschrieben. Mein Artikel über die verschiedenen Dankbarkeitsübungen ist übrigens der meistgelesene auf dem Blog.

Seit dem letzten Jahr führe ich ein Dankbarkeitstagebuch, nicht täglich, aber doch sehr regelmäßig. Vorher habe ich mehrere Anläufe genommen, bis ich eine Variante entwickelt habe, die für mich wirklich funktioniert. Die Details erkläre ich später mal hier. Damit will ich weiter machen. Kaum etwas ist so wirkungsvoll und heilsam.

Heartfulness

Ich entdecke mein Herz (wenn das mal nichts ist!). Ich finde es erstaunlich, an wie vielen verschiedenen Stellen ich letztes Jahr auf dieses Thema gestoßen bin. Es sind ganz unterschiedliche Zugänge, aber das Spannende daran ist: organische, emotionale und spirituelle Dimensionen verweben sich miteinander. Dies ist verhältnismäßig neu, in den letzten Jahren scheint es da tatsächlich einige Erkenntnis-Durchbrüche gegeben zu haben, ich überblicke das noch nicht ganz. Ich ahne, dass da (für mich) ein wichtiger Schlüssel liegt. Wozu wird sich noch zeigen.

Es gibt Meditationen, die beim Herzen ansetzen. Zwei solcher Herz-Meditationen beschreibe ich im nächsten Blogpost, dann wird vielleicht deutlicher, was ich damit meine.

Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass Heartfulness in den nächsten Jahren einen Boom erleben wird. Ich habe ja nie so recht einen Zugang zur Achtsamkeitspraxis gefunden. Vielleicht ist mir bei der Mindfulness – Achtsamkeit ist ja der deutsche Übersetzungsversuch für das englische Mindfulness – einfach zuviel mind im Spiel.

Mein Platz im Wandel

Die letzten beiden Blogartikel (wir & jetzt und Die 4 Dimensionen des Wandels) haben sich ja mit der Frage nach dem eigenen Platz im Wandel beschäftigt. Das eigentliche Ding ist, diesen Platz zu finden und ihn einzunehmen.

Ich habe einige recht konkrete Ideen, angefangen dass ich meine Spendenpraxis überdenke und wohl ändern werde. Auch entdecke ich immer mehr, wie sehr mich das Stichwort „Grüne Reformation“ beschäftigt, und dass ich dazu tatsächlich etwas anbieten und beitragen kann (einen Blogbeitrag hatte ich ja bereits angekündigt, den ich ja noch schuldig geblieben bin).

 

Was mir gut tut

Eine lose Sammlung, der Dinge, die meist schnell und allein umsetzbar sind. Nicht nach Prioritäten geordnet:

#1  Aufräumen.
#2  Etwas wegwerfen.
#3  Etwas pflegen, reparieren oder in Ordnung bringen.
#4  Dankbarkeitstagebuch schreiben.
#5  Mit einem Kaffee in der Sonne sitzen, dabei nichts tun (tagsüber).
#6  Mit einem Tee auf dem Balkon sitzen, dabei nichts tun (abends).
#7  Herzensgebet, im Liegen (ich weiß, das ist unüblich, aber bei mir klappt das gut und ist genau richtig).
#8  Etwas fertig machen/abschließen (meist ist es ein Text).
#9  Etwas veröffentlichen (Blogartikel, Flyer, …)
#10  Etwas schreiben, mit Bleistift oder Füller (meist in mein Notizbuch).
#11  Draußen sein.
#12  Imagination (keine Imaginationsübung, sondern ein bestimmtes Bild – nein: zwei!).
#13  Viel Wasser und Tee trinken.
#14  Im Wald sein (Geruch, Bäume).
#15  Schlafen.
#16  In der Sauna sein (Holzgeruch, Hitze, Dunkelheit).
#17 Gartenarbeit.

(wird fortgesetzt)

Was derzeit fehlt: Musik. Tanzen.

Sachenmachenliste und Büchergelesenhaufen 2016

Huuu, neues Jahr! Schnell noch der Rückblick. Diesmal in zweifacher Ausführung.

Hier erstmal der Rückblick auf die 2016er-Sachenmachen-Liste:

Diesen Blog habe ich – meinen geringen Kenntnissen entsprechend – etwas aufgehübscht. Etwas professioneller soll’s noch werden, das steht noch aus. Aber er soll als Blog erkennbar sein, ganz oldschool. — Im Hohen Venn waren wir, sogar zweimal. Schön da. — Ich habe an insgesamt 5 Seminaren teilgenommen (geplant waren 6), volles Programm. Und siehe, es war sehr gut. Sehr sehr. Thematisch drehte es sich dabei immer um Wandel & Transformation. Viel erfahren und gelernt, und auch auf einer Meta-Ebene prägend (ich bin ja selbst in der Bildungsarbeit tätig und gucke mir gerne was ab). —  Das Sommerfest wurde ein Herbstfest, richtig schön. Und so einfach: Termin festlegen, anderen Kita-Eltern bescheid geben, Kaffeemaschine im Garten installieren und Feuer anmachen. Fertig. — Ich bin ja kein großer Bibelleser (die Geschichten und die Weisheit finde ich toll, aber sowohl als literarisches Werk wie auch als heiliges Buch ist es für mich immer wieder schwierig), daher ab und an mal bestimmte Leseabsichten. Und hier bin ich auf eine wirklich interessante Idee gestoßen: alles, was Jesus gesagt hat, rot markieren. Also eine selbstgemachte Red-Letter-Edition. Noch lange nicht fertig, aber erkenntnisreich. — Das Lastenfahrrad ist noch nicht gekauft, ich liebäugle mittlerweile auch viel mehr mit einem E-Bike samt einem Kindersattel auf dem Oberrohr. — Das Familienseminar bei Sobonfu war richtig gut. Und bei uns reift die Idee, aus dem Format „Familienseminar“ bzw. „Familien auf Seminare“ etwas zu machen. — Sich mit dem Thema Zucker zu beschäftgigen war ein echter Augenöffner (hinter die Erkenntniss, dass eine handeslübliche Tafel Schokolade aus 50g – also der Hälfte! – an Zucker besteht, kann ich nun nicht mehr zurück). Aber zuckerfrei kann und will ich nicht. — Kohlenstofflich habe ich dieses Jahr Jan, Wolfgang, Yvonne, Sandra und Konrad aus meiner Twitteria kennengelernt, beim EmergentForum war ich leider doch nicht. — Ja, und der gute Ort, das wird. Sowohl an Ideen als auch konkret.

Ob es für dieses Jahr auch wieder eine Sachenmachenliste gibt? Ich weiß es noch nicht… Aber jetzt kommt Teil II des Jahresrückblicks:

Das hier sind die Bücher, die ich im letzten Jahr gekauft habe. Nicht alle ganz durchgelesen (Sachbücher lese ich eh nicht linear und außerdem hat Marshall McLuhan ja völlig recht!), aber zumindest erkenntnsigewinnend gelesen. Darum geht’s ja. Ich klage ja immer darüber, dass ich keine Zeit zum Lesen habe, aber mir scheint die These doch nicht ganz haltbar zu sein:

wp_20170104_007Ich will hier jetzt keine Buchbesprechung zu jedem einzelnen machen, nur ein paar rückblickende Beobachtungen aufzählen:

Ja, es sind ausschließlich Sachbücher. Zum Belletrsitiklesen habe ich einfach zu wenig Ruhe. Es gibt ein paar Bücher, die ich aus rein privatem bzw. aus rein beruflichem Interesse lese (letzteres waren eher Bibliotheksbücher, die sind hier nicht mit dabei), aber eigentlich ist das nur schwer zu trennen. Meine privaten und beruflichen Themen sind auch nicht immer zu trennen. Und das finde ich sehr gut so.

Die oberste Reihe sind die Bücher rund um Familie. Man erkennt wohl die Artgerecht/Achtsamkeits-Tendenz. „Wurzeln & Flügel“ habe ich gleich als Tipp in meinem Familienspiritualitäts-Blogpost aufgenommen. Den Doppelband von Joseph Cornell zur Naturerfahrung mit Kindern habe ich mir zugelegt, weil ich eine Waldgruppe in der Kita mache – und musste feststellen, dass Wald solch ein Selbstläufer ist, dass man gar keine Naturspiele braucht.

(Was hier völlig fehlt sind die Kinderbücher. Die meisten leihen wir uns zudem aus der Bibliothek aus)

Das Thema gewaltfreie Kommunikation brachte meine Frau letztes Jahr mit. Ich bin begeistert – weniger als Kommunikations-, sondern als Selbsterkundungsmethode. Und man kann sehen, wie vielseitig die GfK ist. Zwei Bücher (oben rechts) gehören in die Familienreihe, der Übungsbuch-Klassiker ins dienstliche Bücherregal und das „Exerzitien“-Buch nutzt GfK als spirituellen Übungsweg.

Wandel & Transformation – das ist die mittlere Reihe. Durchgearbeitet habe ich die beiden wirklich dicken Schinken von Ursula Seghezzi. Da mich die Frage interessiert, wie/ob ihr Lebensrad mit dem christlichen Kirchenjahr vereinbar ist, musste ich mir noch den Bieritz als Nachschlagewerk dazu kaufen. Zur Frage (bzw. dem Problem) des Naturbezugs des Christentums ist Hans-Joachim Werners „Eins mit der Natur“ ein wunderbarer Türöffner. Und ein Augenöffner ist Vivian Dittmars Gebrauchsanweisung für Gefühle. Dieses Buch, in dem Gefühle als „soziale Kräfte“ und der Umgang mit ihnen vorgestellt werden, ist gerade in unserer postfaktischen Zeit unendlich wichtig. Denn jetzt werden ständig auf ziemlich dumme Art „Vernunft“ und „Gefühle“ gegeneinander ausgespielt, sehr gefährlich! Lesen, lesen, lesen – am besten in Kombination mit Marshall Rosenberg! Über das Buch von Diana Richardson, das letzte in dieser Reihe, schweige ich mich hier aus : ))  Ich empfehle aber, in die Materie einzudringen.

Christliche Spiritualität & weitere Weisheitstraditionen. Dazu gehören auch die gerade erwähnten Bücher zur Natur, zum Kirchenjahr und das Exerzitien-Buch. Über eine „Spirituality of Food“ schreibt die Quäkerin Lisa McMinn. Die Bücher von David Steindl-Rast und Henri Nouwen habe ich hier im Blog ja schon vielfältig verarbeitet. Das steht für das Buch von Richard Rohr über das falsche und das wahre Selbst noch aus. Das Buch werde ich mir nochmal als Passions-Lese vornehmen. Richard Rohr setzt hier Christi Sterben und Auferstehung in Bezug zum Sterben des Egos und der Auferstehung des Selbst. Zu gegebener Zeit dazu mehr hier im Blog. Dann noch ein paar Bücher zu anderen Weiheitstraditionen, vor allem John O’Donohues Anam Cara (das nicht unchristlich, aber vor allem keltisch ist) fehlte noch im Bücherregal.

Last but not least gleich vier Bücher aus dem Drachenverlag, meine Entdeckung des letzten Jahres. Der Drachenverlag gibt auch die OYA heraus und ich könnte glatt das halbe Sortiment aufkaufen (natürlich neben dem Sortiment des Arbor-Verlags – dieses Jahr nur ein Buch von dort, aber ein ganz wichtiges). Über Wendel Berrys „Körper und Erde“ ist auch schon ein Blogbeitrag in Arbeit, das Schwitzhüttenbuch wird mögen, wer Schwitzhütten mag und bei der Permakultur will ich der Frage nachgehen, inwiefern die Prinzipien (über den Ökoanbau hinaus) generell als Bausteine für „gutes Leben“ taugen.

Meine Schwelle (besser) hüten

Womit will ich mich beschäftigen? Womit mich umgeben? Was will ich in mir bewegen? Was will ich Raum zum Wachsen geben? Das sind wichtige Fragen in einer Welt mit unendlichen Möglichkeiten, mit einer Informationsflut nach der anderen und mit einer permanent mitlaufenden Aufmerksamkeitsökonomie.

Das Ganze lässt sich gut zuspitzen: Was will ich nähren? Denn was man nährt, wächst. Das ist die bekannte Geschichte mit den zwei Wölfen. Und davor liegt noche eine Frage: Was will ich überhaupt in mich hineinlassen? Was will ich also über meine Schwelle lassen?

Das, was man hineinlässt, sind ja nicht nur Sachen, die man über die Haustür-Schwelle trägt – aber schon das ist ein gutes Bild! Was ich in mich hineinlasse bzw. an mich heranlasse kann drei verschiedene „Aggregatformen“ haben: Menschen, Ideen oder Dinge. Daraus ergeben sich dann drei Fragen:

  • Von welchen Menschen will ich mich berühren lassen?
  • Welche Ideen will ich bewegen?
  • Mit welchen Dingen will ich mich umgeben?

Ich merke, wie wichtig diese Fragen für mich werden. Und ich merke, dass ich reduzieren muss. Weil ich an Grenzen stoße. Nicht aus Gründen einer begrenzten Aufnahmefähigkeit oder weil ich keine Lust mehr auf Horizonterweiterung hätte. Sondern weil ich in den letzten zwei, drei Jahren bei mir sehr eindeutig folgenden Zusammenhang erkennen konnte: Umso mehr ich aufnehme, desto weniger handele ich.

Also: Welche Menschen, Ideen und Dingen will ich hinein-/heranlassen und nähren?

Beim Umgang mit den Dingen finde ich die Minimalsmusdebatten sehr anregend. Aber ich bin kein Minimalist, ich bin eher ein Rightsizer (die wunderbare Unterscheidung von Minimalismus und Rightsizing habe ich von hier).

Bei der Frage, welche Ideen ich für mich bewegen und wachsen lassen will, hilft mir das Bloggen. Und ihr kennt ja nur den veröffentlichten Eisberg über Wasser – wenn ihr wüsstest, was so alles im Entwürfe-Ordner liegt…!

Bei den Menschen geht es mir weniger um konkrete Personen (denn das ist ja leicht: ich weiß sehr gut, mit wem ich Kontakt will und mit wem nicht), sondern um Szenen, um Communities. Auch wenn heute so viel miteinander vernetzt ist, leben wir doch in einer Gesellschaft, die aus zig Filterbubbles besteht. Zu welchen will ich gehören?

Gesellschaftlich gilt das Phänomen der Filterbubbles ja eher als ein Problem. Man nistet sich in seiner Nische ein und hält sie für die Welt. Es gibt einige Strategien dagegen (wenn man denn will), aber mir geht’s hier ja gerade um die gegenteilige Dynamik: die in mich hereinschwappende Flut zu begrenzen. So genommen ist es ein Plädoyer für die Filterbubbles. Denn dies hat einen Vorteil: Es erleichtert Commitment. Und ich merke, dass ich mich stärker committen muss.

Habe ich mein Commitment klar, weiß der Schwellenhüter, was zu tun ist. Beachte ich meine Schwelle nicht (weil ich keinen Sinn dafür habe oder weil der Schwellenhüter grad im Urlaub ist…), ist Commitment nur schwer möglich.

zufrieden entschieden

Schon einmal von der Abstimmungs-Methode systemisches Konsensieren gehört? Diese Methode verdient es, bekannt und verbreitet zu werden. Deshalb hier ein paar Zeilen dazu – und etwas Material.

Systemisches Konsensieren ist eine wunderbare Alternative zu unserer klassischen Abstimmungsmethode, der Mehrheitsentscheidung. Bei einer Mehrheitsentscheidung werden die Stimmen gezählt, die einen Vorschlag befürworten. Je nach Verfahren (einfache, relative, absolute Mehrheit) kommt man dann zu einem Ergebnis. Doch dieses Ergebnis ist – in sehr vielen Fällen! – gerade nicht das beste. Denn ein Mehrheitsentscheid berücksichtigt nicht, wie zufrieden die Leute mit der Entscheidung sind, ob die Entscheidung auch nach längerer Zeit noch tragfähig ist und welches Konfliktpotenzial in ihr liegt. Oft, sehr oft, kommt es dann im Laufe der Zeit zu einer schleichenden Sabotage des Beschlusses – nicht aus Böswilligkeit, sondern weil der Konsens gar kein echter Konsens war.

Wie wäre es stattdessen mit Entscheidungen, mit denen alle zufrieden sind!?

Das geht doch gar nicht!

Doch, geht.

Und deshalb finde ich es so wichtig, die Methode „Systemisches Konsensieren“ zu vebreiten. Gerade im kirchlichen Kontext, in dem man ja sehr auf „einvernehmliche Entscheidungen“ bedacht ist, ist dies eine echte Alternative zur Mehrheitsentscheidung.

Entwickelt haben die Methode Erich Visotschnig und Siegfried Schrotta. Die Idee ist ziemlich… schlicht. Aber gerade das ist das Geniale daran. Es ist keine Raketenwissenschaft, und wenn man sie verstanden hat und einmal geprobt hat, dann „kann“ man sie bereits. So einfach.

Beim systemischen Konsensieren sind zwei Dinge anders als beim klassischen Abstimmen: Es wird der Widerstand jeder einzelnen Alternative erhoben, und dieser wird in seiner Intensität gemessen. Das systemische Konsensieren misst also das Konfliktpotenzial. Und damit sieht und würdigt es die Bedürfnisse der Einzelnen.

Mehrheitsentscheidung:  Zustimmung zählen  — >  Alternative mit der größten Zustimmung ist die Lösung.

Systemisches Konsensieren:  Widerstand messen  — >  Alternative mit dem geringsten Widerstand ist die Lösung.

WP_20160426_002Jeder Beteiligte nennt für jede einzelne Lösung, wie hoch sein Widerstand ist, dazu wählt er eine Zahl zwischen „0“ (keinerlei Widerstand) und „10“ (maximaler Widerstand). Dies wird notiert, dann werden pro Alternative alle Widerstände zum Gesamtwiderstand zusammengezählt. Die Variante mit dem geringsten Gesamtwiderstand ist (wahrscheinlich) die Lösung. Hier im Bild einmal die Widerstandsstimmern von 14 Leuten, die über 7 Alternativen (A bis G) abgestimmt haben.

Jetzt gibt es zwei besondere Fälle:

Bei der Alternative mit dem geringsten Gesamtwiderstand sind einige wenige hohe Einzel-Widerstände dabei (dies ist der Fall im Bild, siehe die blau eingekreiste 7). Diese Leute werden nun gefragt: „Was fehlt dir? Was brauchst du noch, damit du mit der Entscheidung leben kannst?“ Meist – und das ist das Erstaunliche! – sind das unspektakuläre und einfache Dinge. Beim klassischen Mehrheitsentscheid spielen diese Bedürfnisse keine Rolle. Stattdessen wird oft signalsiert, jetzt aber bitteschön mal kein „schlechter Verlierer“ zu sein!

Der andere Fall: Es gibt eine Lösung, deren Widerstand niedriger ist als alle anderen, die aber  trotzdem viele einzelne Widerstandswerte im mittleren Bereich hat (oder höher). Dann ist diese Alternative zwar die beste Lösung, aber keine gute. Besser ist es, noch einmal neu über das Probelm nachzudenken.

Ich mag mich täuschen, aber ich glaube, dass diese Methode im kirchlichen Kontext bisher völlig unbekannt ist (im Gegensatz zur Szene der intentionalen Gemeinschaften, wie mir scheint). Das würde ich gerne ändern. Bedürfnisse in den Blick zu nehmen und anzuerkennen, Konfliktpotenzial sichtbar zu machen (und nicht wie oft bei Mehrheitsentscheiden durch geschickte Abstimmungsformulierungen „wegzudrücken“) und tragfähige Lösungen zu suchen ist letztlich nichts Geringes als Versöhnungsarbeit.

Für einen Presbyteriums-Workshop hatte ich dazu zwei Probeabstimmungen als Rollenspiel vorbereitet. Das Handout dazu ist kurz und kompakt, es kann hier als PDF heruntergleaden werden. Ich bin sehr an Erfahrungen in Presbyterien und auf Synoden (!?) interessiert! Und ich kann auch gerne für einen Workshop vorbeikommen…

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Entdeckt habe ich diese Methode übrigens in Vivian Dittmars „Kleiner Gefühlskunde für Eltern“ (nebenbei bemerkt ein ganz wunderbares Buch, Danielle vom Gewünschtesten Wunschkind hat eine Rezension darüber geschrieben, aber auch die amazon-Rezensionen sprechen ja für sich). In dem Abschnitt „Verbindende Lösungen in Gruppen: Es geht!“ (S. 186-189) beschreibt sie, wie sie systemisches Konsensieren mit ihren Kindern anwendet.

Empfehlenswert ist die Seite http://www.sk-prinzip.eu der Entwickler des Systemischen Konsensierens. Besonders gut haben mir die Tipps und Materialien auf www.systemisches-konsensieren-berlin.de gefallen!