Ritual-Radar

Rituale im Familienleben sind ja ein beliebtes Thema. Und eigentlich ist dazu auch alles schon einmal gesagt worden.

Aber jetzt bin ich doch noch auf eine schöne Sache gestoßen, (m)ein Ritual-Radar.

Von der zeitlichen Struktur kann man ja zwischen wiederkehrenden Ritualen des Jahreskreises und Ritualen im Lebenslauf (in der Regel einmalig, aber das muss nicht zwingend so sein) unterscheiden. Bleiben wir bei den wiederkehrenden Ritualen, denn die Lebenslauf-Rituale sind in aller Regel initiatorischer Art und das ist noch einmal eine Nummer für sich.

Felix Rohner-Dobler beschreibt in seinem Buch Familien brauchen Väter: Ermutigungen und Rituale (nur noch antiquarisch erhältlich) (all-)tägliche, wöchentliche, montliche und jährliche Rituale. Das liegt ja auch auf der Hand. Das Besondere ist nun, dass er dies noch einmal unterteilt, und zwar jeweils nach Ritualen für den Vater allein, Ritualen in der Partnerschaft und Ritualen mit den Kindern.

Dieses Vorgehen hat mir sehr gefallen. Es ist nicht nur eine sinnvolle Struktur für ein Ratgeberbuch, sondern es ist auch ein schönes Raster für die Selbstreflexion. Ich ergänze jetzt noch bei der Dimension Beteiligte einen weiteren Aspekt, nämlich „mit der ganzen Familie“, und erweitere ebenfalls die zeitliche Dimension und füge noch einen vierteljährlichen Rhythmus ein.

Mir ist nämlich aufgefallen, dass die tägliche, wöchentliche und jährliche Frequenz sehr naheliegend ist, der monatliche Rhythmus hingegen recht unorganisch wirkt. Und zwischen Monat und Jahr fehlt mir auch noch etwas. Da liegt ein vierteljährlicher Rhythmus nahe, die Jahreszeiten drängen sich hier ja förmlich auf. Wobei man zwischen vierteljährigen Zeitspannen – eben den Jahreszeiten – und vierteljährlichen Zeitpunkten unterscheiden kann, hier bietet sich die kaum noch bekannte Tradition der Quatembertage an.

Das macht dann also eine 4×5-Matrix mit insgesamt zwanzig Feldern:

ritualradar

Ich habe das Ganze jetzt einmal Ritual-Radar genannt. Dabei muss man den Ritualbegriff gar nicht überstrapazieren, man kann ihn auch ganz weglassen. Im Grunde geht es schlicht und einfach um bewusst gestaltete und wiederkehrende Zeiten. Und Radar heißt es, weil es darum geht, Nochnicht- oder Nichtsofort-Sichtbares zu entdecken. Das muss gar nichts Außergewöhnliches oder Spektakuläres sein. Schon allein durch das wiederkehrende Moment wird es zu etwas Besonderem.

Das Ritual-Radar ist also ein Ideengenerator. Es ist nicht Sinn der Sache, alle Felder zu „füllen“. Das würde nur in Stress ausarten und die Idee konterkarieren. Es geht einfach darum, für sich eine Bestandsaufnahme zu machen, blinde Flecken zu entdecken, bei Bedarf nach neuen Ideen zu suchen – und sich selbst an die eigenen Ideen immer wieder zu erinnern.

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